Erste Bonner Rollator-Tanzgruppe Eins, zwei, drei mit Wägelchen

BAD GODESBERG · Die Gruppe tanzt jeden Dienstag in der Begegnungsstätte Utestraße in Mehlem. Am Rollator entstehen kleine Choreografien.

 Übung macht den Meister: Claudia Henseler (rechts) mit den Rollatortänzerinnen.

Übung macht den Meister: Claudia Henseler (rechts) mit den Rollatortänzerinnen.

Foto: Horst Müller

„Eins, zwei, drei – und lächeln“, schallt es durch den Gymnastikraum der Begegnungsstätte Utestraße. Ein gutes halbes Dutzend ältere Damen gleitet zu beschwingter Musik hinter Tanzlehrerin Claudia Henseler her übers Parkett. Das Besondere: Die Frauen führen dabei auch ihren Rollator im Wiegeschritt mit.

Das Haus der Bonner Altenhilfe hat hier in Mehlem seinen ersten und kostenlosen Tanzkurs mit dem Wägelchen gestartet. Zehn Termine zu jeweils einer Stunde sind angesetzt. „Auf dem linken Bein belasten, und jetzt rechts tippen“, kommt gerade das nächste Kommando von Claudia Henseler, die hauptsächlich in der Seniorengymnastik tätig ist. „Aber ich bin auch leidenschaftliche Tänzerin“, sagt sie hernach in einer kleinen Atempause. Von daher leite sie diesen Modellversuch für Bonn besonders gerne an.

Die ungewohnte Bewegung ist für manche Teilnehmerin offensichtlich nicht ohne: Sie seien doch wohl nicht eingerostet, scherzen sie untereinander, bevor es wieder weitergeht. Henseler erklärt, wie man es fertigbringe, dass sich beim langsamen Drehen die Rollatoren nicht ineinander verkeilen. „Nächstes Mal stelle ich alle Stühle raus. Ihr braucht mehr Platz“, ruft Begegnungsstättenleiterin Marisa Esposito herüber.

Sie freue sich, dass die Bonner Premiere für dieses Bewegungsangebot, das in den Niederlanden schon viele Freunde habe, in ihrer Einrichtung stattfinde. „Das ist Gymnastik mit Koordinationsübung und Gedächtnistraining in Einem“, meint Esposito, während sie ihre Gäste beobachtet. Die haben inzwischen hinter ihrer Tanzlehrerin eine Schlange gebildet. Schritt für Schritt geht es jetzt geordnet durch den Raum. Eine kleine Choreografie entsteht.

„Ihr seid ja richtig gut“, ruft Esposito in die Gruppe hinein. Das Angebot habe sicher auch einen guten sozialen Effekt. Frauen suchten oft vergeblich Tanzpartner und trauten sich, wenn es mit dem Gehen nicht mehr gut klappe, gar nicht mehr auf eine Tanzfläche. „Wir würden einfach gerne wieder einmal das Tanzbein schwingen“, hätten die Damen zum Kursstart gemeint.

Es kämen zu den gängigen Melodien auch gleich Jugenderinnerungen auf, wird eine Frau nach der Stunde berichten. Geschickt jonglieren die meisten ihre Geräte vor und zurück. „Nach der Drei den Arm raus“, kommt das Kommando. „Und jetzt vorsichtig drehen“, fordert Henseler auf. „Die Dame in Blau pfuscht aber“, schickt sie schmunzelnd hinterher. Die Frauen lachen alle mit. „Das war schon sehr gut dieses Mal“, macht die Lehrerin, die sich ihren Rollator von der Schwiegermutter ausgeliehen hat, Mut. „Und nächstes Mal üben wir den Hüftschwung.“

Nächste Rollator-Tanzstunde am Dienstag, 2. März, um 13.15 Uhr in der Begegnungsstätte, Utestraße 1.

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