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Backsteine und Lederkutten: Elpi sorgt jetzt für Gitarrenrock am Güterbahnhof in Mehlem

Backsteine und Lederkutten : Elpi sorgt jetzt für Gitarrenrock am Güterbahnhof in Mehlem

Er ist besser bekannt als Elpi. Im Clubhaus des Mottoradclubs Phönix lässt Musiker Lothar Prünte seine offene Bühne wieder aufleben, nach dem er seine beiden Läden in Bad Godesberg geschlossen hat. Der erste Abend lief allerdings anders als geplant.

Diverse Pokale sind im Versammlungsraum des Motorradclubs Phönix von 1973 aufgereiht, und mindestens einer davon steht für das schönste Clubhaus. Das Backsteingebäude am Güterbahnhof in Mehlem und die Biker passen aber auch richtig gut zueinander. Und seit knapp drei Wochen kommen die Clubmitglieder nach der Corona-Pause wieder dort zusammen. Und sie wollen frischen Wind in das Gemäuer bringen: mit Konzerten, die der Musiker Lothar Prünte dort künftig an jedem dritten Freitag im Monat veranstaltet.

Den kennt man vielleicht besser unter seinem Künstlernamen ELPI. Er hatte das Cowico in der Friesdorfer Straße betrieben, außerdem ELPIS Hinterzimmer im 2016 geschlossenen Bad Godesberger Knollestüffje. Von beidem verabschiedete er sich im Juni 2020. Aber Mitglieder des MC Phönix, die sich öfter dort blicken ließen, erinnerten sich an Prüntes Musikleidenschaft und boten ihm an, das Clubhaus für Konzerte zu nutzen. „Damit das nicht stirbt für die Bonner Musiker“, erklärte Ralf Kirfel, im 40. Jahr Clubmitglied und früher 20 Jahre lang Vorsitzender. „Man muss ja sehen, dass es weiterläuft.“

Am Freitag war also Premiere, aber sowohl der Musiker als auch der Vorstand des eingetragenen Vereins mussten kurzfristig entscheiden, ob sie den Abend überhaupt stattfinden ließen, während anderswo Leute gegen die Überflutung ankämpften und vor dem Nichts standen. Man einigte sich darauf, trotzdem die Tür zu öffnen, aber auf dem sehr langen Tresen stand ein sehr großer Bierkrug, in den die Gäste Spenden für die Flutopfer werfen konnten. Am Ende fanden sich darin 350 Euro. Eine der angekündigten Bands, The Wohnzimmer, hatte abgesagt, weil Mitglieder direkt betroffenen waren. Also spielte ELPI mit seinem Kumpel Michael Schak als neu gegründetes Gitarrenduo „Geht nich gibt’s nich“, außerdem rockte The Row aus Bad Godesberg und es hatten sich auch ein paar Solo-Musiker für spontane Auftritte eingefunden.

 Lothar Prünte (l.) und Michael Schak, das neu gegründete Duo "Geht nich gibts nich", spielen im Clubhaus des MC Phönix rockige Hits aus vier Jahrzehnten.
Lothar Prünte (l.) und Michael Schak, das neu gegründete Duo "Geht nich gibts nich", spielen im Clubhaus des MC Phönix rockige Hits aus vier Jahrzehnten. Foto: Stefan Knopp

Ja, dieser Tresen. Der ist länger als in vielen Kneipen, alle 19 Clubmitglieder passen locker daran. Beleuchtet wird er von Glühbirnen mit Jack-Daniels-Flaschen als Lampenschirmen. Überall Accessoires, wie man sie von Motorradfreunden erwartet, vor allem Plaketten, die Freundschaften zu anderen Clubs ausdrücken. Dann noch dieses und jenes, in den Jahrzehnten kommt so einiges zusammen. Beeindruckend ist der große Holztisch mit der massiven Platte im Versammlungsraum. Der sei nicht so teuer gewesen, wie er aussieht, sagte Kirfel. Im Verein gibt es viele Handwerker, den Tisch haben sie selbst angefertigt.

Man trifft sich, frönt der Leidenschaft, dem Schrauben an den Motorrädern. Die meisten fahren Harley Davidson, vorrangig selbst umgebaute Unikate. Früher wurden die Sitzbänke selbst angefertigt, die Tanks geschweißt, „man musste viel selber machen“, so Kirfel. Heute gebe es viel mehr fertig zu kaufen. Man unternimmt touren, trägt Tätowierungen und Kutten zur Schau. „Wir sind ein klassischer Motorradclub, ohne Böse Buben“, sagte der Biker. Frauen sind nicht dabei. „Das ist was für große Jungs“, so Kirfel. „Meine Frau hätte nie Ambitionen gehabt, reinzukommen. Die fährt auch eine Harley.“