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Telekom-Kunde: Endstation Warteschleife - beim Versuch des Anbieter-Wechsels

Telekom-Kunde : Endstation Warteschleife - beim Versuch des Anbieter-Wechsels

Wie ein Telekom-Kunde aus Bad Godesberg vergeblich versucht, den Anbieter zu wechseln: Ein heimisches Unternehmen, vielleicht etwas teurer als die Konkurrenz, dafür aber auch mit dem besseren Service: Eigentlich habe er die Telekom immer geschätzt, sagt Joachim Bloemer.

Inzwischen aber ist das Tischtuch zwischen dem 52-jährigen Bad Godesberger und dem Bonner Telekommunikationsunternehmen zerschnitten. Und das liegt nicht daran, dass es zwischen den beiden zuletzt zu wenig Kommunikation gab. Eher im Gegenteil.

Die Leidensgeschichte begann vor einem Jahr - mit Bloemers Entscheidung, der Telekom nach vielen Jahren doch den Rücken zu kehren. Der Geschäftsführer einer Unternehmensberatung hatte sich nach langer Überlegung vor zwölf Monaten für ein Vergleichsangebot des Betreibers 1&1 entschieden, das ihm als attraktiver erschien.

Die Telekom teilte ihm sinngemäß mit, zwar mit dem Konkurrenzangebot nicht mithalten zu können; wenn er jedoch kündige, dann könne man zum Ende der Vertragszeit einen Bonus heraushandeln, erinnert sich Bloemer. "Im Herbst habe ich neue Vergleiche angestellt und mich für 1&1 entschieden", sagt der Schweinheimer. Dann aber folgte die Überraschung: Wer seine Rufnummer zum neuen Anbieter "mitnehmen" will, der dürfe nicht selbst kündigen, sondern müsse dies den neuen Betreiber übernehmen lassen. Eine Information, die Bloemer eigentlich von dem Telekom-Mitarbeiter erwartet hätte, der ihm das Bonusangebot in Aussicht gestellt hatte.

"Über den Firmenanschluss laufen sechs Telefonnummern. Ein spontaner Wechsel der Nummern war für mich indiskutabel", schildert Bloemer die Situation. Also widerrief er die eigene Kündigung und ließ dies 1&1 erledigen. Seitens der Telekom wurden Kündigung und Rufnummermitnahme zum 23. Januar 2012 dann auch schriftlich bestätigt.

Alles wird gut, dachte Joachim Bloemer - bis zu jenem 23. Januar. Von da an nämlich sollte ihn und seine Familie das Thema täglich beschäftigen. Bis heute nämlich ist der Wechsel nicht vollzogen. Erst streikte das Internet, während der Telefonanschluss weiter funktionierte. Wie sehr er da schon zwischen den Stühlen der Anbieter saß, das wurde Joachim Bloemer aber erst klar, als sich niemand so recht für ihn verantwortlich fühlte: Bei der Telekom konnte man seine Kundennummer nicht finden, denn Joachim Bloemer hatte ja gekündigt.

"Es hieß: In andere Systeme könnten sie nicht sehen und daher auch nichts ändern", schildert der Schweinheimer seine Recherche. Antwort 1&1: Wir können nichts machen, solange die Telekom den Fehler nicht behebt. Nicht besser erging es den Telekom-Mitarbeitern in den Filialen, bei denen Bloemer Hilfe suchte: "Auch sie kamen nach längeren Telefongesprächen mit einem Achselzucken zurück", berichtet er.

Mit wie vielen Mitarbeitern der Telekom er inzwischen gesprochen hat, weiß der 52-Jährige nicht mehr, obwohl er seine Erlebnisse inzwischen auf acht Schreibmaschinenseiten zusammengefasst hat. "Immer wieder müssen Sie den Sachverhalt anderen Menschen aufs Neue erklären, jedes Mal greift jemand ein und vergrößert das Chaos", konstatiert er und ergänzt: "Ein Unternehmen, in dem nach außen niemand mehr persönliche Verantwortung übernimmt, vergrätzt seine Kunden".

Inzwischen sind vier Termine verstrichen, die die Telekom zur Behebung des Problems avisiert hatte. Nun soll es am 5. April so weit sein. Ein "systemtechnischer Fehler" sei Ursache für die Misere. Man bedauere die Unannehmlichkeiten, teilte das Unternehmen am Montag auf Anfrage mit.