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Nino Haratischwili in Godesberg: Erfolgsautorin liest aus ihrem Roman "Das achte Leben"

Nino Haratischwili in Godesberg : Erfolgsautorin liest aus ihrem Roman "Das achte Leben"

Das schönste Fleckchen Erde? Das dürfte unzweifelhaft dieses im Westen so unverstandene, aber auf den zweiten Blick so berückende Georgien sein. So jedenfalls konnte man es bei einer Lesung mit Nino Haratischwili aus ihrem neuen Roman "Das achte Leben (Für Brilka)" entnehmen.

Die Lässigkeit, um nicht zu sagen, die Faulheit, der Glaube an alles, was Legende sei, diese Sprache, die kein grammatisches Geschlecht habe, dafür aber noch lange nicht für Gleichberechtigung stehe, alles das charakterisiere diese ehemalige Heimat des Goldenen Vlieses, las der Shootingstar unter den deutschen Schriftstellerinnen weiter. Wieder gingen Seufzer, garniert mit georgischen Sprachfetzen durch den Raum. Nicht nur begnadete Kaffeesatzleser, sondern auch Verdrängungskünstler seien die Bewohner: "Es ist ein Land, aus dem außer den großen Henkern des 20. Jahrhunderts auch viele wunderbare Menschen stammen", so Haratischwili.

In ihrem fast 1300-Seiten-Werk wird sie viele dieser im Netz des tragischen "roten Jahrhunderts" vereinten Georgier begleiten, die wunderbaren wie die acht weiblichen Hauptfiguren ihres Buches ebenso wie die Schlächter, den Genossen Stalin und seinen Geheimdienstchef Lawrenti Beria. In der Parkbuchhandlung liegt der begnadeten Erzählerin nicht nur das Dutzend georgischer Zuhörer zu Füßen. Aber genau für Haratischwilis Landsleute ist die Lesung, die von den Damen des Zonta Clubs Bonn Rheinaue um Lydia Thorn-Wickert veranstaltet wurde, ein einziges Fest. Die georgischen bildenden Künstlerinnen Keti Kapanadze und Tamara K. E. umarmten die Autorin.

Die Lyrikerin und Journalistin Irma Shiolashvili spricht dem GA gegenüber von einem "Jahrhundertbuch", das ihre Kollegin da verfasst habe. Die Seele, all der Schmerz Georgiens steckten drin. "Sie ist im Buch die Stimme Georgiens. Ihre Schreibkunst und ihre Persönlichkeit sind ein Geschenk für uns", sagt Shiolashvili.

Sie selbst sei noch in der Sowjetzeit aufgewachsen und erinnere sich mit Sehnsucht an eine behütete Kindheit. Haratischwili habe das Chaos der Perestroika als Kind erlebt und im Vergleich zu ihr selbst einen kritischeren Blick auf die Heimat entwickelt. "Aber das ist auch gut so, sie schreibt mehr aus der Distanz, aber, was am wichtigsten ist, sie schreibt mit ganzem Herzen."