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Vereinswahlen in Bad Godesberg: Erste Frau an der Spitze des Heimatvereins

Vereinswahlen in Bad Godesberg : Erste Frau an der Spitze des Heimatvereins

Die Mitglieder des Bad Godesberger Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte haben mit Iris Henseler-Unger erstmals eine Frau an die Spitze gewählt. Die frühere Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur tritt die Nachfolge von Martin Ammermüller an.

Zum ersten Mal seit seiner Gründung vor 152 Jahren hat der Bad Godesberger Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte eine Frau als Vorsitzende. Während ihrer Jahresversammlung auf der Godesburg wählten die Mitglieder die promovierte Volkswirtin Iris Henseler-Unger einstimmig an die Spitze. Damit bestimmt nun die 65-Jährige aus einer alteingesessenen Friesdorfer Familie, die in Diensten des Bundeswirtschaftsministeriums Karriere machte, die Geschicke des 800 Köpfe zählenden Vereins. Henseler-Unger tritt die Nachfolge des 78-jährigen Martin Ammermüller an, der nach zwölfjähriger intensiver Arbeit im Vorsitz den Stab gerne an Jüngere weitergibt.

„Es war ein mit Aufregung verbundenes Dutzend Jahre“, sagt Ammermüller, ein promovierter Jurist, der zuvor Präsident des Bundesversicherungsamtes gewesen war, und blickt zurück. Höhepunkt seiner Zeit im Vorsitz sei die komplette Neugestaltung des Draitschbrunnens 2015 an der Brunnenallee gewesen. „Hier lässt sich ablesen, wie Godesberg entstanden ist, weil eben der Kurfürst den Brunnen anlegen und dann die Redoute bauen ließ“, sagt Ammermüller. „Sonst wäre Godesberg ein Dorf am Burgberg geblieben.“ Doch das mit rasend steigenden Kosten verbundene Brunnenprojekt habe den Verein auch an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht, fügt das jetzige Ehrenmitglied hinzu. Nur zahlungskräftige Spender hätten den Verein am Leben gehalten und den Brunnenbau gerettet.

Hohe Kosten für Sanierung der Zentrale

Als zweites Großprojekt in seiner Verantwortung nennt Ammermüller die Komplettsanierung der dem Verein vererbten heutigen Zentrale in der Augustastraße. Auch da seien die Kosten explodiert. Aber man habe auch dieses nervenaufreibende Projekt gut abgeschlossen. Ammermüller hat viel Herzblut in die jährliche Herausgabe ambitionierter „Heimatblätter“, in Sonderbroschüren, geführte Spaziergänge, in das Anbringen von mehr als 50 Informationstafeln an historischen Gebäuden und in die individuelle Beratung von historisch interessierten Bürgern gesteckt. „Lokalgeschichte ist wichtig, festgehalten zu werden, bevor es keine Zeugen dafür mehr gibt“, ist Ammermüllers Credo. Aus der Distanz betrachtet, erhalte die heutige Zeit daraus Beispiele, wie frühere Generationen Probleme gelöst haben. „Für mich ist Geschichte so spannend wie ein Krimi“, meint er lächelnd.

Seine Nachfolgerin stimmt ihm zu. Henseler-Unger hat schon von den Eltern die Leidenschaft für die lokale Historie mitbekommen. „Mein Vater hat sogar Gedichte in Friesdorfer Platt geschrieben“, erinnert sie sich. Sie selbst habe die Kindheit und Jugend in Friesdorf verbracht und inzwischen auch schon mehr als 30 Jahre in Rüngsdorf gelebt und freue sich nun darauf, mit den Vereinsaktiven die Identität Bad Godesbergs noch weiter herauszuarbeiten. „Es hat ganz sicher seinen eigenen Charakter, der sich in Gebäuden und den Menschen, die hier gelebt haben, ausdrückt“, sagt Henseler-Unger.

Diplomatenstadtteil mit internationalem Flair

Bad Godesberg in der direkten Nachkriegszeit, etwa auch mit der Ankunft der ersten Gastarbeiter, sei ebenso interessant wie der spätere Diplomatenstadtteil mit seinem internationalen Flair sowie das Bad Godesberg der Nach-Hauptstadtzeit. „Geschichte ist nicht abgeschlossen. Es liegt an uns, wie sie sich fortentwickelt“, meint die 65-Jährige. Diese Perspektive wolle sie in ihrem neuen Amt gerne weiterentwickeln. Und mit den Themen nicht zuletzt über die neuen Medien auch an jüngere Generationen herankommen.

Henseler-Unger machte an der Bonner Universität den Studienabschluss zur Diplom-Volkswirtin und schloss dann in Mannheim den Doktor der Wirtschaftswissenschaften an. Sie war ab 1986 im Bundeswirtschaftsministerium tätig, war dort – mit einem Intermezzo in Diensten der FDP – Referatsleiterin, Ministerialrätin und von 2004 bis 2014 Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur sowie danach noch fünf Jahre Direktorin des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste. „Ich denke, dass gerade auch die Generation der Babyboomer nicht nur geschichtsinteressiert, sondern auch sehr internetaffin ist, und dass wir sie im Heimatverein intensiv ansprechen sollten“, kündigt Henseler-Unger an.

Expertin in der Kommunikation

Dafür werde sie gerne auch ihre kommunikationsspezifische Expertise einbringen. Sie hoffe aber auch, Kinder und Jugendliche interessieren zu können. Der Verein könne doch bestens zeigen, dass Geschichte nicht nur abstrakt, sondern konkret vor Ort erlebbar sei.

Im neuen Amt sei sie dankbar, dass sowohl ihr Vorgänger als auch der übrige Vorstand sie nach Kräften unterstützen wollen, fügt Henseler-Unger hinzu. Vor allem sei wichtig, dass der Verein weiterhin gegen dieses bei manchen Bad Godesbergern beliebte Jammern angehe, dass die angeblich nur guten Hauptstadtzeiten vorbei seien, fügt Vorgänger Ammermüller noch hinzu. „Unser Verein will vermitteln, dass es auch heute eine Freude ist, was wir in Godesberg haben.“