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Kläranlage Rheinaue: Es riecht nach Meer und Algen

Kläranlage Rheinaue : Es riecht nach Meer und Algen

Teilnehmer einer Volkshochschule-Veranstaltung besuchen die Kläranlage in der Rheinaue und staunen, wie aus schmutzigem wieder sauberes Wasser wird.

"Das sieht ja lecker aus", entfährt es dem fünfjährigen Leo beim Anblick des Klärschlammbeckens. Die braune Soße sieht erst mal nicht sehr einladend aus. Aber das soll sich im Verlauf der Führung noch ändern.

Gemeinsam mit seiner Mutter und weiteren Bürgern besichtigt der neugierige Junge die Kläranlage in der Rheinaue. Hintergrund ist eine aktuelle Reihe der Volkshochschule (VHS) zum Thema Müll. "Dann schauen wir uns mal an, was mit unseren Hinterlassenschaften so geschieht", sagt VHS-Fachbereichsleiter Andreas Preu zur Begrüßung, dann übernimmt Betriebsleiter Karl-Heinz Isenbeck, der seit 16 Jahren in der idyllisch gelegenen Kläranlage arbeitet. Mitten im Rheinauenpark, von einem Grüngürtel umgeben, ist sie für Spaziergänger kaum zu bemerken.

Isenbeck kennt die Anlage von 1974 wie seine Westentasche. Kein Wunder, war er doch bei der Erweiterung 1996 bereits dabei. Damals wurde sie für 54 Millionen Mark auf den neuesten technischen Stand gebracht. Der Grund: 1991 wurden die Mindestanforderungen an die Reinigung von Abwasser in kommunalen Kläranlagen erhöht. Somit mussten die vier Bonner Kläranlagen zur "weitergehenden Abwasserreinigung" (Stickstoff- und Phosphorentfernung) ausgebaut werden.

In der Rheinaue werden die Abwässer aus Friesdorf, Plittersdorf, Rüngsdorf, Muffendorf, Heiderhof, Lannesdorf und Mehlem sowie aus mehreren Wachtberger Ortsteilen biologisch gereinigt - eine Jahresschmutzwassermenge von 6,3 Millionen Kubikmetern. Bei trockenem Wetter schafft sie bis zu 375 Liter pro Sekunde Schmutzwasser von zirka 110 000 Einwohnern.

Bei Regenwetter bewältigt sie 800 Liter pro Sekunde - inklusive mit Schmutzwasser vermischtes Niederschlagswasser von circa 880 Hektar befestigter Fläche. "Dafür existieren hier zwei Regenüberlaufbecken. Sie nehmen bei Regenwetter das plötzlich in großen Mengen anfallende Abwasser auf, um es nach Wetterberuhigung von dort zur gezielten Reinigung in die Vorklärung zu pumpen", sagt Isenbeck.

Über ein Zulauf-Schneckenpumpwerk gelangt das Abwasser zunächst in die mechanische Reinigungsstufe, die aus drei Komponenten besteht: einer Feinsieb-Rechenanlage, die große Feststoffe entfernt, einem Sandfang und der sogenannten Vorklärung. Bereits in dieser Art Vorwaschgang gelangen bis zu fünf Tonnen Abfall pro Woche in die Container, der entsorgt oder weiterverwertet wird.

Neben den Feststoffen befinden sich im Abwasser auch viele gelöste Stoffe, die etwa zwei Drittel der Verunreinigungen ausmachen. Sie werden in der biologischen Reinigungsstufe entfernt. "Dafür sorgen Mikroorganismen, die die gelösten Stoffe quasi auffressen", sagt Isenbeck. Übrig bleibt Schlamm, der in der Nachklärung von ständig laufenden Räumern in einen Trichter in die Beckenmitte geschoben wird.

Der Rest-Phosphor wird durch zugegebene Salze in Flockenform gebunden und dann mit dem Schlamm dem Abwasser entzogen. Nicht nur für Teilnehmerin Stefanie Hoffmann riecht es deshalb plötzlich "nach Meer". Die biochemischen Reaktionen sorgen für einen leichten Duft nach Algen.

Im letzten Nachklärbecken haben bereits die Enten Platz genommen. Schlechte Gerüche in der Kläranlage: Fehlanzeige. Das geklärte Wasser fließt nun noch über eine Zackenschwelle in die Filtration und dann in den Rhein. "Kläranlagen sind auch für den Gewässerschutz da, aber nicht für die Erzeugung von Trinkwasser, wie immer viele vermuten", so Isenbeck.