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Ökumene : Evangelischer Pastor aus Bad Godesberg predigt im Kölner Dom

Ökumene : Evangelischer Pastor aus Bad Godesberg predigt im Kölner Dom

Der Godesberger Wolfgang Thielmann durfte einen Gottesdienst in Köln mitgestalten. Für ihn eine ganz besondere Erfahrung.

Als evangelischer Pastor im Kölner Dom predigen zu können, das sei schon etwas, sagt Wolfgang Thielmann. „Das war sehr besonders“, blickt der Pastor der Mehlemer Heilandkirche auf letzten Freitag zurück. Da war er von Dompropst Robert Kleine zur Mitwirkung im Gottesdienst zur Dreikönigswallfahrt eingeladen worden, und zwar seines guten Predigens wegen. Es sollte ein ökumenischer Gottesdienst zusammen mit den anderen Kirchen der Domstadt gefeiert werden. Und Thielmann bereitete sich gründlich vor.

Trotz großer Entfernungen im Dom ließ sich gut Kontakt aufnehmen

„Als wir zwölf Mitwirkenden in die Kirche einzogen und um den Altar unter dem himmelhohen Gewölbe Platz nahmen, hat mich ein Gefühl der Ehrfurcht ergriffen“, erzählt der Protestant. 800 Jahre lang werde im Dom Gott verehrt. „Das gibt dem Raum etwas Einzigartiges. Die Architektur unterstreicht das. Und jetzt konnte ich für ein paar Momente daran teilnehmen“, so seien seine Gefühle gewesen. Als er dann ans Pult trat und die ersten Sätze sagte, habe er gemerkt, wie gut man im Dom predigen könne, sagt Thielmann. „Die Lautsprecheranlage harmoniert perfekt mit der Akustik des Raumes. Ich konnte Kontakt mit den Leuten aufnehmen, obwohl die Entfernungen im Dom immens sind.“

Die Veranstalter hatten gewünscht, dass er das Manifest der Freiheit aus dem Brief des Paulus an die Galater auslege. Und zwar mit Hilfe von Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. „Das war eine heikle Aufgabe. Denn gerade bei diesem Thema denken die katholische und die evangelische Kirche bis heute unterschiedlich. Das konnte ich nicht verschweigen“, vermerkt der Pastor. Deshalb habe er an Gemeinsamkeiten erinnert, nämlich daran, wie alle Konfessionen daran mitwirkten, dass das Christentum heute die religiöse wie die bürgerliche Freiheit unterstützt. „Ich habe auch selbstkritisch erwähnt, dass Kirchen nicht immer als Häuser der Freiheit im Gedächtnis gespeichert sind, denn die bürgerlichen Freiheiten wurden auch gegen die Kirchen erkämpft.“

Er wünscht sich wieder mehr Nächstenliebe in der Gesellschaft

Doch in besonderen Momenten hätten sich die Kirchen für die Freiheit eingesetzt. Zum Beispiel in der DDR. „Dort durfte man in den Kirchen sagen, wofür einen der Staat verhaftete.“ Paulus rufe in seinem Brief dazu auf, miteinander die Gesellschaft nach dem Grundsatz der Nächstenliebe zu gestalten. „Das finde ich ganz aktuell“, betont Thielmann. Die Gesellschaft stehe aktuell in Gefahr, in Gruppen zu zerfallen und die Interessen gegeneinander zu erkämpfen. Dabei sollten gerade die Kirchen Menschen verbinden und sich gegen Antisemitismus wenden. Im Jahr 2021 feiere man 1700 Jahre jüdischer Präsenz in Deutschland. Sie sei im Jahr 321 in Köln dokumentiert worden, „daher war der Dom ein guter Platz, um daran zu erinnern.“