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Heimatforscher im Portrait: Ewald May ist Friesdorfer mit Leib und Seele

Heimatforscher im Portrait : Ewald May ist Friesdorfer mit Leib und Seele

Ewald May ist seit seiner Pensionierung leidenschaftlicher Heimatforscher. Er kennt Friesdorf wie seine Westentasche und hat ein riesiges Archiv mit Dokumenten und Fotos zusammengestellt.

Nach seiner Pensionierung habe er eigentlich nur nach einer sinnvollen Beschäftigung gesucht, sagt Ewald May. „Und dann hat mich die Friesdorfer Historie gepackt“, erinnert er sich lächelnd. May legt einen geräumigen Koffer voller Akten auf den Tisch.

Beruflich liegen einige Jahre im Deutschen Entwicklungsdienst in Peru und danach unter anderem 30 Jahre Konstruktionstätigkeit bei den Godesberger Ringsdorff-Werken hinter ihm, erzählt der Maschinenbauingenieur. Dann breitet er sieben prall gefüllte Ringordner mit Fotos und eigenen Texten über seinen Heimatortsteil auf dem Tisch aus und fängt an, mitreißend zu erzählen. Gezielt zieht er dabei immer wieder genau beschriftete Bilder von Personen, Familienfesten und Gebäuden aus den Kladden heraus. Und plötzlich wird die Geschichte dieses Dorfes im Norden Bad Godesbergs wunderbar plastisch.

„Wissen Sie eigentlich, dass Godesberg Friesdorf erst einmal gar nicht bei sich haben wollte?“, fragt May und zeigt auf die Kopie der Eingemeindungsurkunde von 1904. Die Friesdorfer, die hätten sich durch den Akt Anteil am Godesberger Abwasserkanal gewünscht. Doch die damals noch selbstständigen Godesberger hätten 1904 nur zugestimmt, damit die Stadt Bonn sich Friesdorf nicht angeln und sich damit direkt bis an ihre Godesburg ausbreiten konnte.

"Ein reines Sumpf- und Wasserloch"

Den Friesdorfern hätten die Godesberger sogar eine Sondersteuer aufgedrückt. Godesbergs Gutachter hatte nämlich vom Vertrag abgeraten. „Aus Friesdorf wird nie was, hat der Professor prophezeit. Das sei ja bitterarm und ein reines Sumpf- und Wasserloch.“ May lacht. Wenn der Herr Gutachter geahnt hätte, dass sich das Wasserloch nach 1945 zu einem begehrten Wohngebiet und Gelände für etliche Bundesbauten und Institute mausern würde.

Aber liegen diese Bauten nicht allesamt jenseits der B 9 auf Plittersdorfer Terrain? May zieht ein Bündel an Karten aus seinen Ordnern. Und es folgt ein begeisternder Bericht über den Wert des kartografischen Materials, das die französischen Besatzer Anfang des 19. Jahrhunderts im Auftrag Napoleons angefertigt hatten. Damals reichte Friesdorf nämlich bis zur Mittelstraße.

„Jede kleine Parzelle ist von den Franzosen für jedes rheinische Dorf erstmals präzise erfasst worden. Sehen Sie mal, so sah es an der heutigen Klufterstraße aus.“ May fährt mit dem Finger über die Gemarkungen, für die er in jahrelanger Kleinarbeit sämtliche Besitzer und Nutzungsarten ermittelt hat. „Ich habe die Akten beim Heimatverein ausgewertet und einfach viele Friesdorfer befragt.“ Über Jahre habe er Material gesammelt, weiter recherchiert und die Ergebnisse zusammengefügt. Er sei detektivisch vorgegangen, bis sich auch die letzten Lücken geschlossen hätten. May zeigt auf Fotos, auf denen er fast alle Personen ermittelte, und blättert in Themensammlungen über Vereine, Kirchen, Geschäfte und Gaststätten.

Friesdorfer bauten das Villenviertel

Auch seine Vorfahren seien in den für jeden Weg geführten Listen verzeichnet, berichtet er. „Ich bin ja mit halb Friesdorf verwandt. Wir sind schon in der zehnten Generation vor Ort.“

Ein Vorfahre mit Namen Elfgen habe Anfang des 19. Jahrhunderts noch 11.000 Quadratmeter Grund landwirtschaftlich bearbeiten können. Doch schon drei Generationen später seien durch das Prinzip der rheinischen Erbteilung an jedes einzelne Kind die Nachkommen so arm geworden, dass sie sich als Tagelöhner verdingen mussten. Durch Reblausbefall sei auch der Weinbau in Friesdorf zum Erliegen gekommen.

Ende des 19. Jahrhunderts sei schließlich das halbe Dorf, auch seine Familie, ins Baugewerbe eingestiegen. „Wer hat den reichen Godesbergern damals ihr Villenviertel gebaut? Viele Friesdorfer“, so May. Und er zeigt ein Foto seiner Urgroßeltern Anna Marie und Heinrich Henseler, natürlich ein Maurer. Seine Sammlung, an der er in der kalten Jahreszeit weiter puzzelt, sei primär für die Familie gedacht, sagt May zum Schluss. Er freue sich aber auch über Privatpersonen, die von seinem reichen Wissen profitieren wollten. „Dankbar bin ich vor allem dem Jupp“, sagt May.

Der Friesdorfer Heimatforscher Karl Josef „Jupp“ Schwalb, der habe ihn nämlich 2004 auf den Geschmack gebracht. „Und gemeinsam haben wir dann schon so manches ausgegraben.“