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Mit Flammen gegen Unkraut: Facebook-Gruppe räumt auf Mehlemer Friedhof auf

Mit Flammen gegen Unkraut : Facebook-Gruppe räumt auf Mehlemer Friedhof auf

Eine Facebook-Gruppe will etwas gegen die Verwahrlosung des Mehlemer Friedhofs unternehmen und räumt dort auf. Die Stadt wollte eine intensivere Pflege längst angehen, aber im August kam der Sturm dazwischen.

Mehrfach stand der Mehlemer Friedhof in der jüngsten Vergangenheit im Rampenlicht, wenn es um die Pflege der Anlage oder das Umfeld ging. Pfarrer Klaus Merkes von der dem Friedhof gegenüberliegenden Heiland-Kirchengemeinde bringt den schon lange desolaten Zustand auf den Punkt, wenn er Trauernde aus der Kirche zum gegenüberliegenden Friedhof begleitet: „Die Trauerzüge aus unserer Kirche geleiten die Toten zur letzten Ruhe. Manchmal sind es über 50 Personen, die hier hinter ihren verstorbenen Angehörigen hergehen. Und dann bietet sich allen an den Glas- und Papiercontainern, die inzwischen an der Friedhofsmauer aufgereiht sind, ein schockierendes Bild.“

Schmutz und Dreck, Hausmüll und Dinge, die einfach neben den Containern an der Friedhofsmauer hingeworfen werden, sorgen bei Besuchern für Entsetzen. Und auf einen dringenden Hilferuf an das Bonner Bürgeramt reagierte dann Bonnorange in der vergangenen Woche erneut wie schon oft zuvor. Wieder wurden Mitarbeiter mobilisiert, um für Ordnung zu sorgen. War es am vergangenen Donnerstagabend dann wieder sehr sauber im Umfeld der Container, lagen am Samstagvormittag erneut Tüten mit Abfall, die nichts am Containerstandort verloren haben, vor den Sammelcontainern. Neben den Container hatte jemand einen Haufen mit leeren Kunststoffbehältern abgekippt. „Die Diskussion zum Containerstandort am Friedhof wird somit erneut aufflammen – spätestens, wenn wieder Unbekannte einen der Papiercontainer angezündet haben“, hieß es am Samstagvormittag auf dem Mehlemer Friedhof. Es müsse dringend ein anderer Standort für die Sammelcontainer her.

Die Mehlemer Facebook-Gruppe „Mehlem – Du ming Dorf am Rhing“, angeführt von Manfred Kohllöffel, hat schon länger die Sauberkeit von öffentlichen Flächen im Blick, will nicht nur reden, sondern handeln. Angeregt durch einen kürzlich veröffentlichten Bericht über den schlechten Pflegezustand des Mehlemer Friedhofs, entschlossen sich Kohllöffel, Andreas Haack und Erik Quantius, die erste Pflegeaktion einer Bonner Facebook-Gruppe selbst in die Hand zu nehmen. Sie informierten vorab das für die Pflege zuständige Amt für Stadtgrün und bekamen Unterstützung. Jörg Bauer, zuständig für die Unterhaltung der Bundesstadt Bonn, war vor Ort, hörte sich die Beschwerden unter anderem von Ellen Stuch an. Sie hat am besagten Friedhof das Grab ihrer Eltern und ihres Ehemannes. „Die Wege werden nicht richtig gepflegt, und ein Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün fährt mit Großmäher nur auf den großen Rasenflächen herum. Eine Pflege direkt rund um die Gräber unterbleibt“, äußerte die frühere Mehlemer Geschäftsfrau.

Sie forderte für den Friedhofseinsatz mehr Personal – ausreichend wären auch angelernte Hilfskräfte, anstatt nur ausgebildete Gärtner. Bauer bestätigte die Meinung der Bürger. „Der aktuell zum Teil unbefriedigende Pflegezustand des Mehlemer Friedhofs ist der Stadt bekannt. Urlaubs- und krankheitsbedingt sind die Pflegearbeiten etwas im Rückstand.“ Man habe das aufarbeiten wollen, jedoch kam Mitte August der Sturm dazwischen: Aufgrund der massiven Schäden lag die Priorität zunächst auf dem Aufräumen, um die Verkehrssicherheit an Straßen, in Grünlagen und auch auf Friedhöfen schnellstmöglich wiederherzustellen. Jetzt sei man auch wieder auf dem Friedhof im Einsatz, so Bauer.

So meldete sich auch der gelernte Gärtner vom Amt für Stadtgrün, Detlef Bundt, der normalerweise am Rüngsdorfer Friedhof tätig ist, freiwillig, um am Samstag (mit den Mitgliedern der Facebook-Gruppe und denjenigen, die deren Aufruf im Internet gefolgt waren) störendes Unkraut von den Wegen zwischen Friedhofskapelle und Domhofstraße zu entfernen. Erik Quantius war mit einem Gasbrenner im Einsatz, um Unkraut abzuflämmen. Ein Herbizid­einsatz komme für die Stadt nicht infrage, meinte Bauer. Er erläuterte den Anwesenden die Gründe, warum Hecken zwischen Gräbern entfernt werden mussten. „Den Beschluss, geschnittene Formhecken auf Friedhöfen zu reduzieren, fasste der Stadtrat bereits 2013 mit der Friedhofsgebührenordnung“, sagte auch Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt.

Viele Frikadellen

gegen den Hunger

Das Gas fürs Abflämmen hatte Obi Bad Godesberg gestiftet. Mit Werkzeug unterstützten neben Konfirmanden der Heilandkirchen-Gemeinde etwa Aron Haack, Presbyterin Elke Kohls und Teamerin Nadja Wolfgang sowie Jan Claudius Lechner (CDU) den Pflegeeinsatz. Lilly Flohe und Helfer im Gemeindehaus kümmerten sich um die Stärkung der Helfer. Der Pächter des Mehlemer Stübchens gab Frikadellen aus. Mancher hatte Geld gespendet, wovon Getränke gekauft worden waren.