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Muffendorfer Fachwerkhaus: Fassade öffnet Fenster zur Geschichte

Muffendorfer Fachwerkhaus : Fassade öffnet Fenster zur Geschichte

Was macht man mit einem historischen Muffendorfer Fachwerkhaus, das aufgrund von Umbauten der letzten Jahrzehnte heute kein Fachwerk mehr hat? Bauherrin Christa Lauterbach entschied sich für ein ungewöhnliches Kunstprojekt mit QR-Codes.

Das aufgemalte Fachwerk an der Fassade besteht aus einem Muster aus QR-Codes. QR ist die Abkürzung für Quick Response - schnelle Antwort. Wer die Zeichenketten auf der Hauswand am Lehnpütz mit dem Smartphone abscannt, landet in Sekundenschnelle auf der Internetseite www.muffendorf.net und öffnet so ein Fenster zur Geschichte des Ortes.

"Wir wollten etwas Schönes schaffen", sagt die Bauherrin. Sie ist überzeugte Wahl-Muffendorferin und wohnt im Nachbarhaus. Deshalb freut sie sich jeden Tag über den gelungenen Umbau, der das einst dunkelbraune Haus jetzt "verspielt und freundlich" wirken lässt. Die Idee zur Fassadengestaltung hatte der befreundete Künstler Werner Krömeke aus Hamburg, der bereits verschiedene Geschichts- und Erinnerungsprojekte realisiert hat. "Ich möchte mit neuen Mitteln kommunizieren, wie das Leben früher war", erklärt er. Die Verbindung zur im Internet ausführlich dargestellten Muffendorfer Geschichte lag nahe. Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert sind typisch für Muffendorf. Deshalb wollte die Bauherrin "die Anfordernisse an einen gut sanierten Bau und die Geschichte des Hauses vereinen".

Ob das Muster auf der Fassade tatsächlich mit dem Handy lesbar sein würde, mussten Künstler und Bauherrin erst ausprobieren. Sie fertigten aus den Codes zunächst Kunststoffschablonen an, die auf die Wand geklebt wurden. "Wir haben die Schablonen mit Farbe überrollt und dann schnell wieder abgezogen, damit die Farbe nicht dahinter läuft und das Muster verschmiert", berichtet Christa Lauterbach, die selbst mit auf dem Gerüst gestanden hat. "Meine Beine haben schon etwas gezittert. Man sieht außerdem, dass es Handarbeit ist." Nach jedem Arbeitsschritt mussten die Schablonen gereinigt werden. Die Mühe hat sich gelohnt. Schon ein Test der ersten neugierigen Passanten mit Smartphones zeigte: Die Idee funktioniert. "Die Nachbarn waren sehr begeistert, wobei die älteren Damen vor allem die Ornamente schön fanden", sagt Lauterbach.

Im Internet erfährt man auch etwas über den in Muffendorfer geborenen Genremaler Peter Schwingen (1813-1863), der Mitglied der Düsseldorfer Malschule war. Er zeigte, wie das Leben der einfachen Menschen seiner Zeit aussah. Ein Bild aus einer Dreierreihe faszinierte die Eigentümer besonders: Sie ließen es von Werner Krömeke, allerdings in freier Interpretation, an einer ehemals tristen Fassadenwand anbringen. Das Bild zeigt einen einfachen Schmiedemeister, der durch einen Losgewinn und eine riesige Geldsumme überrascht wird. Das Motiv ist wie gemacht für die Straße Lehnpütz, denn die Szene spielt vor Fachwerkkulisse und der Blick schweift rechts am Haus vorbei auf Berge, die auch das Siebengebirge sein könnten.

Das historische Muffendorf

Die Internetseite www.muffendorf.net gibt einen Überblick über die Geschichte des Dorfes von der Altsteinzeit bis ins 21. Jahrhundert.

Bodenfunde beweisen laut Chronistin Pia Heckes, dass sich schon im ersten Jahrhundert vor Christus ein keltischer Hof in Muffendorf befand.

Auch die Römer haben Spuren hinterlassen: Im Seitenaltar der Kirche Alt St. Martin war ein römischer Weihestein mit Inschrift vermauert. Eine Nachbildung des Steins steht in der Grünanlage am Remi-Baert-Platz.

Für Wohlstand im mittelalterlichen Muffendorf sorgte erfolgreiche Landwirtschaft, besonders der Wein.

Im 16./17. Jahrhundert gab es eine Burg, deren Ruinen aber nach 1830 restlos abgetragen wurden.

Die Muffendorfer Kommende war zu Hauptstadtzeiten Residenz des belgischen Botschafters.