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Die Motorradmarke Imperia: Festival für eine Godesberger Legende

Die Motorradmarke Imperia : Festival für eine Godesberger Legende

Wenn Michael von Wezyk seine Imperia anlässt und Gas gibt, dann drehen sich die Leute um. Die historische Maschine treibt vielen Godesbergern ein Lächeln ins Gesicht, denn sie kennen den Exportschlager "Made in Godesberg", auch wenn die Produktion seit 1935 eingestellt ist. Im kommenden Jahr steht die Marke Imperia im Mittelpunkt einer Ausstellung, die der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte im Haus an der Redoute veranstaltet. Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke stellte am Donnerstag das geplante "Imperia Festival" zum 90. Gründungstag des Godesberger Unternehmens vor.

"Ziel soll es sein, die Innovationskraft darzustellen und die Motorräder in ihrer Zeit zu zeigen", sagte Stein-Lücke. Im Begleitprogramm zur Ausstellung soll es ab 23. März 2016 zum Beispiel eine Filmreihe im Kinopolis, Kulinarisches und eine Motorrad-Sternfahrt geben. "Bei Imperia wurde in Godesberg nur der Rahmen gefertigt. Wir als Heimatverein bieten hier auch nur den Rahmen", sagte der erste Vorsitzende Martin Ammermüller gestern bei der Pressekonferenz. Stein-Lücke als Schirmherrin rief Geschäftsleute dazu auf, sich als Partner und Sponsoren am Festival zu beteiligen.

"Leute mit Sportsgeist, die nicht unbedingt jeden Pfennig umdrehen mussten," waren laut Andy Schwietzer typische Imperia-Fahrer. Der Motorrad-Journalist ist Kurator der Godesberger Ausstellung und hat selbst schon auf der legendären 500 H gesessen. "Damit sind sie auch heute noch flott im Verkehr unterwegs, sagt er.

Das besondere an den Imperia-Maschinen war, dass hier nur hochwertige ausländische Motoren der besten Hersteller eingebaut wurden. Das Interesse an Mobilität war nach dem Ersten Weltkrieg stark gewachsen. Besonders die Briten hatten in den 1920er Jahren einen großen technischen Vorsprung.

Arthur Freddy Dom, Konstruktionsleiter bei Imperia, verband die Motoren mit kräftigen Fahrgestellen. "Die Motorräder waren auch mit Geschwindigkeiten über 100 Kilometern pro Stunde noch sicher auf der Straße unterwegs, was nicht selbstverständlich war", sagte Schwietzer. Das zahlte sich auch bei den Rennmaschinen aus.

Schon in den 1930er Jahren ging es mit dem Godesberger Unternehmen bergab. "Der Todesstoß für Imperia war, dass die Firma von den europäischen Lieferanten abgeschnitten wurde und nicht mehr an die richtigen Motoren kam. Sie wurde eine unter vielen", berichtete Schwietzer.

Beim geplanten Filmfestival im Kinopolis sollen Zeitzeugnisse wie Brechts "Kuhle Wampe" und echte Motorradfilm-Klassiker wie "Easy Rider" laufen. Stein-Lücke wünscht sich, dass das weitere Rahmenprogramm zur Ausstellung "ganz viel Lifestyle und Begeisterung rüberbringt". Sie ist sicher, dass heute "Typen wie Brad Pitt" Imperia fahren würde.

Doch genau genommen sind es Fans wie Michael von Wezyk, die dafür sorgen, dass die Motoren auch 80 Jahre nach Werksschließung nicht verstummen. Nach einem Imperia-Treffen 2010 in Bad Godesberg ermunterte seine Frau den Motorradfahrer, selbst auf ein historisches Modell umzusteigen. "Es war nicht leicht, an eine Imperia heranzukommen." Jetzt fährt er die schwarze Maschine mit den ledernen Satteltaschen natürlich, einfach "um es zu genießen".

Zur Geschichte

Die Marke Imperia geht auf das 1924 gegründete Unternehmen „K.M.B –Kölner Motorrad- und Maschinenbau“ zurück. Deshab sind imFirmenlogo die Türme des Kölner Doms zu sehen.

Rolf Schroeder,Inhaber der Bad Godesberger Maschinenfabrik, übernahm 1926 dieK.M.B. und kaufte die Marke Imperia, die bereits durch Rennerfolgebekannt geworden war und einen guten Ruf in Fachkreisen genoss.

Ander neuen Imperia Fahrzeugwerke GmbH war auch der Rennfahrer ArthurFreddy Dom beteiligt. Im Werk an der Friesdorfer Straße 155 wurden1926 zunächst 300 Motorräder gefertigt, 1928 waren es schon 6000.Temperament und Zuverlässigkeit verdankten die Maschinenhochwertigen Motoren, die aus England und der Schweiz zugekauftwurden.

Die 500 H war der größte Erfolg von Imperia. Innerhalb vonfünf Jahren wurden 17 000 Maschinen mit dem Schweizer MAG-Motorgebaut. Die Bad Godesberger Produktion beschränkte sich zeitweiseausschließlich auf dieses Modell. Nur rund ein Dutzend Fahrzeugewurden 1930 von der Zweizylindermaschine „Rheingold“ gebaut. DieWeltwirtschaftskrise sorgte dafür, dass vor allem steuerfreieKleinmotorräder Absatz fanden.

Der junge Rennfahrer Ernst Looferrang mit der „Imperia Grand Prix“ alleine im Jahr 1934 vierdeutsche Meistertitel. Obwohl die sportlichen Erfolge stimmten,verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Imperiazusehends. Die Nationalsozialisten schotteten 1934 mit neuenDevisenbestimmungen den deutschen Markt ab. Es wurde unmöglich,hochwertige ausländische Motoren zu kaufen. Außerdem mussteKonstruktionsleiter Arthur Dom, der Jude war, Deutschlandverlassen.

Der Konkurs der Firma 1935 markiert auch das Ende derMarke Imperia.