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Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese: Festival zum letzten Schultag

Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese : Festival zum letzten Schultag

Es hat mittlerweile Tradition unter Abiturienten: Im Autokorso durch die Stadt auf die Rigal'sche Wiese fahren und feiern - und abends geht's in die Stadthalle zur "Final Party". Neu war die Abifeier im Bonner Basecamp.

Es riecht nach einer Mischung aus süßen Alkopops und verschlissener Kupplung. Wie im Taubenschlag fährt ein Auto nach dem anderen auf den Parkplatz an der Rigal'schen Wiese. Mittendrin steht Einweiser Laurenz Pochadt. Orangefarbene Weste, Knopf im Ohr. „Absolutes Chaos. Die können noch nicht fahren“, sagt er abgehetzt. Rund 1300 Abiturienten sind gekommen, um ihren Abschluss zu feiern. Und die meisten von ihnen im Autokorso.

Dass niemand betrunken am Steuer sitzt, dafür sorgt die Polizei. Motorradeskorten bringen die jungen Erwachsenen. Aus dem Fenster lehnen? Dann gibt es sofort einen Rüffel. „Die Stimmung ist ausgelassen, aber die meisten benehmen sich“, erzählt ein Polizist. Zumindest, bis das Abifestival-Gelände erreicht ist.

Erst gehen die Türen auf, danach der Kofferraum. Viele haben sich ihre eigenen Getränke mitgebracht, um Geld zu sparen. Der Eintritt kostet 8,50 Euro. Sogar die Tankfüllung für das Auto wird sich geteilt. „Ich bekomme Spritgeld von meinen Freundinnen“, sagt Marie Kromik. Der weiße Toyota-Geländewagen, den sie sich von ihrem Vater geliehen hat, ist bunt bemalt. Auf dem Dach klebt ein Einhorn. „Die Deko muss sein, sonst sieht's doch langweilig aus“, sagt sie und will keine Zeit verlieren. Jetzt geht es über den Vorplatz, wo sich die Abi-Gruppen treffen, zur eigentlichen Party. Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese

Direkt hinter dem Eingang hat Dimitri German den Event-Sprinter aufgebaut. Schlagworte wie „Suchtberatung“ scheinen die Schüler nicht abzuschrecken. „Es ist ein lockerer Umgang hier und sehr friedlich. Bei weitem nicht so schlimm wie an Karneval“, sagt German. Neben ihm haben sich gerade Schüler des Hardtberg-Gymnasiums hingesetzt. Sie wollen die Fragebögen des Drogen-Quiz ausfüllen. Naja, nicht direkt. „Wir können Essen und Trinken gewinnen“, erzählt Lara Ziegler. Sie hat schon eine Capri-Sonne abgestaubt. Obst gibt es umsonst. Am besten gehen die Bananen weg. „Eine gute Grundlage“, wie jemand von hinten brüllt. Denn nach dem Abifestival zieht es die meisten auf die andere Straßenseite in die Godesberger Stadthalle zur „Final Party“. Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese (2)

Bis dahin ist aber noch zwei Stunden Zeit. Um 17 Uhr soll das umzäunte Areal geräumt werden, um 13 Uhr ging es los. Warum es sich lohnt, für vier Stunden vorbeizukommen? „Weil es keine bessere Location gibt, um mit so vielen Abiturienten wie möglich zu feiern“, sagt Lion Wenzel (17). An der „Riga“ habe das Tradition. Überhaupt beschreiben viele der Schüler „Tradition“ als das Gefühl, das sie antreibt. Es wird eben schon seit Jahren so gemacht. Auch wenn es früher kostenlos war, ist man froh, dass es die Party noch gibt.

Und die sieht so aus, dass zwei DJs der Menge mit elektronischer Musik einheizen. So laut, dass der Bass sich in die Magengegend drückt. Mehr braucht es nicht. Die roten, schwarzen, blauen und weißen Mottopullis springen hoch und runter. Gruppenfotos. Küsse. Tränen. Zigaretten. Und manchmal Zigarren. „Das war der letzte Schultag, jetzt hört die Jugend auf“, sagt ein Mädchen. Dabei sind die Abiturprüfungen noch nicht einmal geschrieben. Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese (3)

Nur wenige Besucher bei Abiparty im Basecamp

Roland Blask sieht sich ein bisschen als Robin Hood der Bonner Abiturienten. „Ich finde, dass man ein kostenloses Feierangebot für den letzten Schultag braucht“, sagt er. Aus dieser Einstellung entstand die Abifeier im Bonner Basecamp. Kein Eintritt, die Getränke durfte jeder selbst mitbringen. Doch die großen Besuchermassen blieben am Freitag aus.

„Es hat sich leider nicht so herumgesprochen, wie wir uns das erhofft hatten“, so Blask, der auch Veranstalter der abendlichen Final Party in der Bad Godesberger Stadthalle ist. Im Außenbereich der Jugendherberge hatte er Getränkewagen aufstellen lassen, neben einer Tanzfläche gab es auch ruhige Ecken mit Liegestühlen. Das kam gut an: Wer nicht bei lauter Musik feiern wollte, hatte eine Alternative.

Deshalb war Blask trotz schlechter Zahlen zufrieden. „Es hat allen Spaß gemacht, auch wenn es diese Startschwierigkeiten gab“, erklärte er. Was aber noch lange kein Grund ist, die Party im nächsten Jahr nicht zu wiederholen. Mit demselben Kostenlos-Konzept. „Das war bei der traditionellen Open-Air-Party der Abiturienten schon immer so, und wir möchten diese Tradition gerne fortführen.“

Die Tradition beruht auf der Feier an der Rigal'schen Wiese. Dort hatte es bis vor zwei Jahren die Fete unter freiem Himmel gegeben, bis die Stadt sie nicht mehr mittragen wollte. Daraufhin meldeten sich Max Sieger, Yannick Fugenzi und Janik Vogel zu Wort. Sie machten aus dem früheren Treffen ein professionelles Event, das in diesem Jahr zum zweiten Mal rund 1300 Besucher anlockte.

Im Gegensatz zu früher wurde das Gelände umzäunt, eine große Bühne aufgebaut und – was Blask kritisiert – Eintritt verlangt. „Doch um die Kosten für Technik und Personal zu decken, brauchen wir Einnahmen“, erklärte Sieger. Um den Abiturienten nicht „das Geld aus der Tasche zu ziehen“, durften allerdings weiterhin die Getränke selbst mitgebracht werden. Wer sich mit seinem Autokorso anmeldete, konnte vor dem Gelände parken.

Viele Schüler kamen auch deshalb zur Rigal'schen Wiese, weil sie von dort direkt zur nächsten Party gehen konnten: In die Bad Godesberger Stadthalle auf der anderen Straßenseite. Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese (4)