1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Karneval in Bad Godesberg: Festzelt auf der Rigal’schen Wiese soll Stadthalle ersetzen

Karneval in Bad Godesberg : Festzelt auf der Rigal’schen Wiese soll Stadthalle ersetzen

Da die Stadthalle noch immer gesperrt ist, soll an Karneval 2022 in einem Festzelt auf dem Parkplatz der Rigal’schen Wiese in Bad Godesberg gefeiert werden. Die Politik begrüßt die Initiative des Veranstalters RheinEvents. Bekannte Künstler haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Karneval ohne After-Zoch-Party? In Bad Godesberg eigentlich undenkbar, aber durchaus möglich. Denn die Stadthalle, in die die Jecken nach dem Zug am Karnevalssonntag immer strömten, um weiterzufeiern, ist noch immer geschlossen (der GA berichtete). Wann eine Sanierung stattfinden kann, steht immer noch nicht fest. Für Sandro Heinemann von RheinEvents aber kein Grund, die After-Zoch-Party und die Alaaf-Party, die vor allem bei einem jüngeren Publikum beliebt ist, abzusagen.

Verwaltung hat eine Beschlussvorlage erarbeitet

Er plant die beiden Veranstaltungen nun in einem Festzelt, das auf dem Parkplatz an der Rigal’schen Wiese aufgebaut werden soll. Die Verwaltung hat vor wenigen Tagen eine entsprechende Beschlussvorlage veröffentlicht, die am 10. November in der Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg im Bonner Stadthaus zur Debatte steht. In der Sitzung soll es auch eine Entscheidung geben, ob das Festzelt aufgestellt werden darf.

Heinemann ist gegenüber dem GA sehr zuversichtlich, schließlich handele es sich um etablierte und langjährige Veranstaltungen. Er gibt aber auch offen zu, dass er auf das Zelt angewiesen sei – was auch im Beschlussvorschlag der Verwaltung thematisiert wird. Denn längst seien die Künstler gebucht und die Planungen abgeschlossen. Alle Verträge waren schon unter Dach und Fach, als die Stadthalle als Veranstaltungsort noch buchbar war. Dass diese aufgrund diverser baulicher Mängel im Jahr 2022 nicht zur Verfügung stehen würde, wusste da noch niemand.

Für das Festzelt werden 2000 Quadratmeter benötigt

Heinemann schätzt, dass er für das Zelt und die Nebenflächen rund 2000 Quadratmeter benötigt. Da der Parkplatz aber auch immer der Aufstellungsraum für den Karnevalszug ist, muss die genaue Positionierung vorher noch mit dem Festausschuss besprochen werden.

Aufgebaut werden soll das Zelt zwischen dem 21. und 23. Februar. Die Alaaf-Party soll am 25. Februar stattfinden, die After-Zoch-Party am 27. Der Abbau des Zeltes soll vom 28. Februar bis zum 2. März andauern. Weiberfastnacht (24. Februar) sei eine „kleine Veranstaltung“ gegebenenfalls möglich, und am 26. Februar sei bislang noch nichts geplant. Heinemann sagte aber, dass die Möglichkeit bestehe, dass lokale Vereine das Zelt dann nutzen könnten.

Sollte die Stadthalle auch in den kommenden Jahren nicht nutzbar sein, könne er es sich durchaus vorstellen, dass das Zelt auch ein paar Tage länger stehen bleibt, um auch andere karnevalistische Veranstaltungen anbieten zu können. Eine Dauerlösung könne das Zelt – auch außerhalb von Karneval – allerdings nicht sein, das wäre nicht wirtschaftlich. Daher appellierte er gegenüber dem GA, die Stadthalle nun wenigstens teilweise zu öffnen. Er denkt dabei vor allem an den Kleinen Saal und das Foyer. Wirklich wirtschaftlich sei dies zwar nicht, aber es würde wieder eine Veranstaltungsfläche in Bad Godesberg geben.

Politik bewertet Idee des Festzeltes positiv

In der Politik findet das Vorhaben von RheinEvents viel Anklang und Unterstützung. „Wir begrüßen das Vorhaben und freuen uns, dass diese und andere Karnevalsveranstaltungen endlich wieder stattfinden. Die Verwaltung hätte schon längst eigene Vorschläge zu alternativen Veranstaltungsorten machen müssen“, sagt Jens Röskens von der CDU. Bis heute gebe es da aber nichts. Er mutmaßt, dass die Stadthalle bei Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) keine Priorität habe. „2022 wird nicht das letzte Jahr sein, in dem nicht in der Stadthalle gefeiert werden kann. Bis die Stadthalle wieder zur Verfügung steht, müssen dringend Alternativen her“, so Röskens. Seine Partei wisse, dass auch für die Proklamation 2022 ein Raum fehlt. „In diesem Jahr findet die Proklamation im Maritim statt. Im nächsten Jahr ist das allerdings ausgebucht. Daher soll auch dafür ein Zelt aufgestellt werden“, so Röskens.

SPD: Verwaltung muss von „der Bremse“

Ähnlich äußert sich die SPD. „Ein Festzelt für die Karnevalszeit ist eine gute Idee. Die Umsetzung muss aber in enger Abstimmung zwischen Veranstalter und dem Bad Godesberger Festausschuss erfolgen. Denn es sollte sichergestellt werden, dass das Zelt auch einen Mehrwert für unsere Karnevalsvereine hat“, meint Gabriel Kunze von der SPD. Er bezeichnet das Zelt als „Notlösung“, die zeige, wie „dringend die Stadthalle in Bad Godesberg benötigt wird“. Zwar hätte der Große Saal für die geplanten Veranstaltungen nicht genutzt werden können. Aber es gebe vielfältige kleinere, auch außerhalb des Karnevals, „für die die Bad Godesberger einen Ort zum Versammeln und Feiern brauchen“. Es sei ärgerlich, dass die Bad Godesberger noch immer darauf warten müssen. Die Verwaltung müsse „endlich von der Bremse“, so der Politiker weiter.

Grüne: Lärmbelästigung für Anwohner muss „im Auge behalten werden“

Die Grünen unterstützen den Vorschlag „ausdrücklich“, wie sie sagen: „Auch wenn die Alaaf-Party nicht unumstritten ist, sollten wir uns unbedingt dafür einsetzen, dass sie stattfinden kann. Für viele junge Leute ist sie das Highlight im Karneval und in dieser Session auch ein wichtiges Stück Normalität. Ebenso hat die After-Zoch-Party eine große Bedeutung für die heiße Phase des Karnevals. Tolle Bands begeistern tatsächlich alle Generationen. Das klappt auch im Zelt“, ist sich Nicole Unterseh sicher.

In der Vergangenheit hatte es bei der Alaaf-Party vor allem durch alkoholisierte Jugendliche Probleme gegeben. „Es zeigt sich einmal mehr die große Bedeutung der Stadthalle. Ein Zelt kann keine Dauerlösung sein. Selbstredend ist, dass nur der Parkplatz infrage kommt und nicht die Wiese“, so Unterseh weiter. Außerdem solle auch die Lärmbelästigung der Anwohner „im Auge behalten“ werden.

FDP pocht auf einen klaren Vertrag zwischen Verwaltung und Veranstalter

Ähnlich äußert sich Wolfgang Heedt von der FDP und betont, wie wichtig die Stadthalle als Veranstaltungsort ist. „Von der Verwaltung erwarten wir, dass sie daher die Sanierung mit aller Macht vorantreibt“, so Heedt. Das Zelt sei eine „vertretbare Übergangslösung“. Vom Veranstalter erwartet er eine coronakonforme Umsetzung und ein Sicherheitskonzept, das Anrainer schützt, möglichen Belästigungen an den Bus- und Bahnhaltestellen vorbeugt und Verunreinigungen unterbindet. Die FDP will vertragliche Vereinbarungen, dass der Veranstalter „unverzüglich entstandene Schäden am Parkplatz und dessen Einrichtungen beseitigt“, so Heedt.

Bürger Bund Bonn hat noch Fragen

Auch der Bürger Bund Bonn (BBB) kann es sich vorstellen, das „in Rede stehende Festzelt einmalig“ auf dem Parkplatz aufstellen zu lassen, so Marcel Schmitt. Zuvor sei aber noch zu klären, wie die Nachbarn wirksam, das heißt auf ein zumutbares Maß begrenzt, vor den zu erwartenden Emissionen geschützt werden können. Denn die Lautstärke aus dem Zelt werde „sicher ein Vielfaches über dem Normalbetrieb im Großen Saal liegen“. Jeden Tag Remmidemmi zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag „halten wir jedenfalls den Nachbarn gegenüber für nicht zumutbar. Ob die Freitagsveranstaltung unbedingt bis 1 Uhr am Samstagmorgen gehen muss, darf bezweifelt werden“, so Schmitt.  Der BBB sieht noch Klärungsbedarf und will wissen, was eine „kleine Veranstaltung“ an Weiberfastnacht bedeute.

AfD ist für unbürokratische Alternativen

„Nach dem Ausfall der Stadthalle darf Bad Godesberg nicht abgehängt werden“, meint Wolfgang Truckenbrodt von der Alternative für Deutschland (AfD). Für Veranstaltungen, die traditionell in der Stadthalle stattfanden, „müssen unbürokratisch Alternativen gefunden werden“. Ordnungsamt und Polizei müssten für Sicherheit sorgen.