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GA-Serie: „Treffpunkt im Veedel“: Fezeh Sangtarasch hat für Heiderhofer immer ein freundliches Wort

GA-Serie: „Treffpunkt im Veedel“ : Fezeh Sangtarasch hat für Heiderhofer immer ein freundliches Wort

Seit Oktober 2019 betreibt Fezeh Sangtarasch den Kiosk „Weiße Rose“ mit Post im Heiderhofer Einkaufszentrum. Sie appelliert an die Bürger, die verbliebenen Geschäfte auch zu nutzen.

An heißen Tagen wie diesem geben sich die Kunden im Heiderhofer Kiosk „Weiße Rose“ schon morgens ab 8 Uhr die Klinke in die Hand. „Wie viele Kopien brauchen Sie denn?“, ruft Fezeh Sangtarasch am Kopierapparat zu einer jungen Frau herüber. Die Kioskbesitzerin ist iranischer Herkunft und wohnt mit ihrer Familie schon 21 Jahre auf dem Heiderhof.

„Die Leute kennen mich. Das macht die Arbeit natürlich viel leichter“, so Sangtarasch, nachdem sie die Kundin bedient hat. Jetzt reicht Jörg Hofmann seinen Lottoschein über die Theke. „Na dann viel Glück“, wünscht Sangtarasch ihm, während sie abrechnet. „Ach, ich weiß doch, Sie drücken immer auf den Nein-Knopf. Wie soll das da klappen?“, scherzt er gut gelaunt zurück. Beide lachen. Im Kiosk werde man immer freundlich bedient, dass es Spaß mache, zu kommen, meint Hofmann, ein ehemaliger GA-Austräger.

Ein langer Kampf ging der Übernahme voraus

Vor einem Jahr hatte der Vorgängerladen, der von der Verwaltung des Einkaufszentrums am Akazienweg getragen wurde, langsam sein Sortiment auslaufen lassen. Die Bürger im gut 5000-Einwohner-Höhenortsteil wurden unruhig. Was sollte passieren, wenn nun auch der Kiosk samt Post- und Postbankstelle im Leerstand enden würde? Die älteren Bewohner erinnerten sich noch an die „goldenen Zeiten“, als Anne Schlosser im noch nicht umgebauten Einkaufszentrum ihren Schreibwarenladen geführt hatte. „Annes Schreibi“ war über Jahre eine Heiderhofer Instanz und gern genutzte Informationsbörse. „Ich habe lange gekämpft, den Laden fortführen zu können“, sagt nun Sangtarasch.

Im Oktober 2019 bekam sie endlich den Zuschlag. Und dann hätten die Heiderhofer neugierig ihre Nase in den Laden gesteckt. „Alle waren froh, dass es weiterging“, erinnert sich die Betreiberin. Und fast alle hätten gefragt, warum sie gerade auf den Namen „Weiße Rose“ gekommen sei. „Das habe ich anfangs vier fünfmal am Tag erklärt.“

Der Kioskname soll an die Freiheitskämpfer der Jugendorganisation erinnern

Sangtarasch berichtet, dass sie und ihr Mann Jacouhb Abedini, der ihr im Laden hilft, politisch interessierte Menschen seien. „Die jungen Leute der Weißen Rose haben damals für die Freiheit gekämpft. Daran sollte man auch heute erinnern.“ Eben auch auf dem Heiderhof. Gerade hilft sie Helmut Grote, einem weiteren Stammkunden, seine Lieblingszeitschriften zu finden. „Hier erhalte ich sogar das Eisenbahnmagazin“, verkündet Grote zufrieden.

Drüben wartet Günther Hohmann, die von ihm gewählte Zeitung abgerechnet zu bekommen und gleich auch ein paar Briefmarken zu kaufen. „Wie gut, dass dem Heiderhof hier wenigstens die Poststelle erhalten blieb“, sagt er. Aber warum gibt es im neuen Kiosk keinen Postbankservice mehr? Zumal im Ortstteil auch die Filiale der Sparkasse Köln-Bonn schloss. „Das haben mich Kunden schon tausend Mal gefragt. Weil die Postbank selbst den Service hier abgeschafft hat“, antwortet Sangtarasch mit Bedauern.

Das Sortiment wurde Zug um Zug erweitert

Dafür habe sie das Sortiment erweitert, erläutert sie dann und zeigt neben Printmedien, Postkarten und Schreibwaren auf Zigaretten, Spielwaren und einen Eisschrank mit Getränken, Eis und Süßwaren. Draußen sitzt an einem Tischchen ein junges Paar, dem sie Kaffee gekocht hat. Mit den Neuerungen könne sie nicht reich werden, gibt sie zu. „Ich kann aber meine Rechnungen bezahlen.“ Sie habe, anders als es die von der Post so angegebenen Öffnungszeiten am Fenster zeigten, durchgehend von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Das sei auch während der gesamten Corona-Zeit so gewesen. „Und das geht nur, weil mein Mann, unsere drei Kinder und eine Freundin mir helfen. Das hier ist ein Familienbetrieb“, sagt Sangtarasch. Dessen Vorteile wiederum seien: Die Leute müssten nicht runter ins Tal fahren, und sie müssten an der Kasse nicht in der Schlange stehen.

Das Hauptgeschäft blieben der Postbetrieb und Zigaretten. „Die Heiderhofer müssen ihre Geschäfte aber auch nutzen, wenn sie sie behalten wollen“, betont die Besitzerin, nachdem sie einem Kunden geduldig erklärt hat, warum seine etwas schwerere Postsendung teurer ist als seine letzte. „Da heißt es natürlich auch ab und zu, ein dickes Fell zu haben und immer ein freundliches Gesicht zu machen“, meint sie, als der Kunde den Kiosk verlassen hat. Stammkundin „Baddi“ Behr-Seidenberg lächelt. Sie freue sich, dass man in diesem Kiosk von Mensch zu Mensch auch Persönliches erzählen könne. „Wir sind hier doch alle eine große Familie.“

Kiosk „Weiße Rose“, Akazienweg 2-10, 53 177 Bonn