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CMA-Gebäude in Pennefeld: Flüchtlingsunterkunft an der Koblenzer Straße

CMA-Gebäude in Pennefeld : Flüchtlingsunterkunft an der Koblenzer Straße

Die Stadt hat am Donnerstag die Flüchtlingsunterkunft an der Koblenzer Straße vorgestellt. Die Anwohner in Pennenfeld sind skeptisch.

Gleich mit zwei Missgeschicken startete am Donnerstag der städtische Informationsabend zur neuen Flüchtlingsunterkunft an der Koblenzer Straße. Zum einen hatten wohl viele Einladungen für den Abend nicht den Weg in die Briefkästen der Anlieger gefunden, zum anderen streikte die Mikrofonanlage in der Aula des Schulzentrums Pennenfeld.

Ein schwieriger Einstand also für Bonns neue Sozialdezernentin Carolin Krause, den sie souverän meisterte. Ihr Dank ging zunächst an die bisherigen Flüchtlingshelfer: „Wir können nur den Rahmen schaffen, viel wichtiger sind Sie.“

Zumindest mancher der 70 Zuhörer wie Christoph Nicolai, Mit-Initiator der evangelischen Flüchtlingshilfe Bad Godesberg, fühlte sich angesprochen. Der städtische Flüchtlingskoordinator Philipp Grünhage trug zunächst aktuelle Zahlen vor. Demnach leben in Bonn 2700 Flüchtlinge (Anfang 2016: fast 4000), davon 1494 im Bezirk Bonn (1,004 Prozent der Einwohner), 762 in Bad Godesberg (1,04 Prozent), 272 im Hardtberg (0,82 Prozent) und 172 (0,25 Prozent) in Beuel.

Ob denn bei Godesberg die Flüchtlinge an der Deutschherrenstraße schon eingerechnet seien, wollte eine Frau wissen. Da es eine Landesunterkunft sei nicht, entgegnete Krause, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Eine GA-Anfrage bei der Bezirksregierung Köln ergab, dass dort derzeit von 480 Plätzen 306 belegt sind.

Bevor sich die Zuhörer selbst ein Bild vom früheren CMA-Gebäude machen durften, erläuterte Nils Reinartz von der Fachstelle Wohnen den zwei Millionen teuren Umbau. 140 Bewohner können dort wohnen, 51 werden zunächst einziehen beziehungsweise umsiedeln. „Die Familien kommen aus den Vebowag-Häusern an der Wiedemannstraße, die bald abgerissen werden“, so Reinartz.

Im Erdgeschoss befinden sich die Duschen, der Sicherheitsdienst, das Büro der Sozialarbeiterin und des Hausmeisters sowie Ersatzküchen und -WC. „Im ersten bis dritten Obergeschoss haben wir 85 Zimmer von zwölf bis 36 Quadratmeter“, sagte Reinartz. Diese, so merkte eine frühere Mitarbeiterin der CMA beim Rundgang an, hätten sich gegenüber früher kaum verändert. Nur dass jetzt zu Tisch und Stuhl noch ein oder mehrere Betten hinzugekommen sind.

Der Teppich auf Gängen und in Zimmern, den mancher Besucher als unpraktisch kritisierte, ist jedoch laut Stadt nicht gelegt, sondern übernommen worden. Den ebenfalls hinterfragten Betreuungsschlüssel bezeichnete Verwaltungsmann Reinartz als ausreichend. Sicherheitsdienst und Hausmeister seien zudem rund um die Uhr da oder erreichbar.

Was die Nachbarn noch mehr interessierte als die zwei Küchen pro Etage war die Frage, wie es mit Bad Godesberg weitergeht. „Die Beschaulichkeit im Stadtbezirk ist seit Langem nicht mehr da, und ich befürchte, dass wir die auch nicht mehr bekommen“, sagte ein Mann und erntete Applaus. Und eine Frau pflichtete ihm bei, die Stadt verfahre nach dem Motto: „Hier sind sowieso schon genug Medizintouristen, da können wir noch mehr Ausländer dazupacken.“ Sozialdezernentin Krause erwiderte, es gehe nur um eine Umverteilung. Und ihr Kollege Grünhage betonte, auch in Bad Godesberg seien die Flüchtlingszahlen zurückgegangen. Trotzdem lautete das Fazit einer Pennenfelderin: „Ich fühle mich als Deutsche hier fremd.“