Ehemaliges Landesvermessungsamt Flüchtlingsunterkunft in Bad Godesberg wird deutlich erweitert

Bad Godesberg · In der Landesunterkunft in Muffendorf sollen bis Ende des Jahres 1000 geflüchtete Menschen untergebracht werden. Bisher waren es 480. Bei der Informationsveranstaltung für Anwohner bleiben viele Stühle frei.

Die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Muffendorf.

Die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Muffendorf.

Foto: Benjamin Westhoff

Die Bezirksregierung Köln hatte wohl mit mehr Andrang gerechnet. Zumindest blieben in der Aula des Konrad-Adenauers-Gymnasiums zahlreiche Stühle leer, als die Verantwortlichen die rund 60 Bad Godesberger im Plenum über die Erweiterung der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Muffendorf informierten. Ob es daran lag, dass – so kritisierten einige Anwesende – zu wenige Einladungen verteilt worden oder diese zu kurzfristig in den Briefkästen gelandet waren, ließ sich nicht klären. Diejenigen, die ihren Weg ins KAG gefunden hatten, aber erhielten einige Einblicke in die Pläne der Bezirksregierung und sorgten im Anschluss für eine Diskussion, die – wenn auch nicht gänzlich, so doch zu einem großen Teil – zwar kritisch, aber sachlich ablief.

Geplant ist, die Unterkunft an der Deutschherrenstraße deutlich auszuweiten. Bisher waren die geflüchteten Menschen im Gebäude des ehemaligen Landesvermessungsamtes untergebracht. Nachdem nun die Mitarbeiter von Geobasis NRW den auf demselben Areal befindlichen Standort an der Muffendorfer Straße Ende des Jahres verlassen haben, soll die gesamte Liegenschaft für Geflüchtete genutzt werden. Heißt: Statt wie bisher 480 sollen dort perspektivisch 1000 Menschen leben.

Der erste Bauteil, so erklärte Hauptdezernent Philipp Sieben, wurde bereits im März bezogen – eine Art „Testbetrieb mit verminderter Kapazität“. Im Juni sollen Bauteil zwei und drei bezugsfertig sein, bevor die letzten beiden im August zur Verfügung stehen. „Wir planen einen sanften Übergang“, betonte Jonas Höltig, Dezernent bei der Kölner Bezirksregierung. Außerdem sei ihnen wichtig, dass dieser „ohne eine Belastung der Nachbarn vonstattengeht“, ergänzte er.

Nicht nur, dass der Bezug der fertig werdenden Gebäudeteile sukzessive erfolge. Man werde außerdem die Zahl der Bewohner nur dann erhöhen, wenn die Dienstleister vor Ort – darunter Sicherheitsdienst und Beratungsdienstleiter – ihr Personal entsprechend aufstocken könnten. Daher kann man laut Höltig auch nicht genau sagen, wann wie viele Menschen eingezogen sein werden. „Wir fahren auf Sicht, schauen auf den Baufortschritt und die Mitarbeiterakquise.“ Vermutlich sei man im August bei ungefähr 700 Menschen. „Wie wir dann weiter belegen, müssen wir schauen.“ Ziel aber sei es, die 1000 bis Ende des Jahres erreicht zu haben.

Träger der Einrichtung ist die Bezirksregierung Köln. Unterschiedliche Dienstleister, darunter das Deutsche Rote Kreuz, unterstützen die Arbeit des Teams um Einrichtungsleiter Fabian Siegel vor Ort. Die geflüchteten Menschen, die teils traumatisiert nach Deutschland kommen, werden rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, betreut. Zum Angebot zählen unter anderem soziale und psychologische Beratung für alle Altersgruppen, Reinigung, Sanitätsstation, integrative Maßnahmen wie Sprachunterricht und Beschulung der Kinder und Jugendlichen, Umfeldmanagement und Sport.

Familien dürfen maximal sechs Monate lang bleiben

Die Struktur der Bewohner könne nicht genau aufgeschlüsselt werden, die Zusammensetzung schwanke, beantwortete Höltig eine Frage. Nach der letzten Erhebung aber lebten in der Muffendorfer ZUE aktuell Menschen aus 30 Nationen, dabei kommen die meisten aus Syrien, Afghanistan und der Türkei. Der Großteil sind alleinreisende Männer, aber auch alleinreisende Frauen und einige Familien sind in Muffendorf untergebracht. Letztere dürfen laut Gesetz maximal sechs Monate bleiben, die Alleinreisenden bis zu zwei Jahren. „Die meisten aber bleiben kürzer als ein Jahr.“

„Es ist wichtig, die Einrichtung nicht nur als Belastung wahrzunehmen“, so Sieben. Denn es gebe zahlreiche Vorteile für die Kommune. Die Landesunterkünfte böten einen hohen Standard in der Betreuung der Geflüchteten und entlasteten die Infrastruktur der Stadt, indem zahlreiche Angebote auf dem Gelände selbst umgesetzt werden könnten. Darüber hinaus würden die Plätze eins zu eins auf die Flüchtlingsquote angerechnet, die jede Kommune zu erfüllen habe. „Das entlastet die Stadt finanziell.“ Personal- und Unterbringungskosten, die eigentlich die Kommune tragen müsste, würden bei der ZUE nämlich vom Land übernommen.

Doch warum diese extreme Aufstockung, wollte mancher im Plenum wissen. In der näheren Umgebung befänden sich mit der ehemaligen Polizeistation und dem CMA-Gebäude weitere städtische Einrichtungen. „Das sind drei innerhalb eines Kilometers. Das verändert einen Stadtteil schon“, hieß es. Man rechne nicht auf, wie viele Anlieger wie vielen geflüchteten Menschen gegenüberstünden, sagte Sieben. „Wir sind alle Bewohner in diesem Stadtteil.“ Davon abgesehen aber sei die Bezirksregierung auch mit anderen Städten im Gespräch, um weitere Aufnahmekapazitäten zu schaffen.

Ob die ZUE für immer bleibt oder irgendwann dicht gemacht wird, vermochte die Bezirksregierung nicht zu sagen. „Die Entwicklung der Zuweisungszahlen ist sehr dynamisch“, sagte Sieben. Daher könne man nicht sagen, was die nächsten Jahre brächten. Sollte es in irgendeiner Einrichtung einen hohen Renovierungsbedarf oder generell weniger Zuweisungen geben, sei eine Schließung denkbar. Aber: Die ZUE in Muffendorf werde auf jeden Fall noch zehn Jahre bestehen. „Was danach kommt, kann ich nicht sagen.“

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