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Franziskaner packen Umzugskisten: Missionszentrale verlässt Pennenfeld

Umzug in die Innenstadt : Missionszentrale der Franziskaner verlässt Bad Godesberg

Missionszentrale und Konvent der Franziskaner ziehen im Sommer von Bad Godesberg in die Bonner City. Während noch unklar ist, was mit dem Haupthaus geschieht, stehen die Nachmieter im Wohnhaus fest: Pater Gianluca Carlin und seine Mitbrüder übernehmen.

Das Archiv im Keller ist leergeräumt. Immerhin ein Anfang, meint David Reusch, kaufmännischer Direktor bei der Missionszentrale der Franziskaner in Pennenfeld. Wie berichtet, verlegen Zentrale und Konvent nach 50 Jahren im Viertel ihren Sitz in die Bonner City. „18 000 Mappen und 2500 Aktenordner, die noch aufbewahrt werden müssen, haben wir jetzt in ein externes Lager gegeben“, sagt Reusch.

Um die neuen Räume in den zwei oberen Etagen des früheren Puppenkönigs sinnvoll zu bestücken, haben seine Kollegen und er in den zurückliegenden Monaten gedanklich Tetris gespielt: „Wir wollten so wenig wie möglich neu kaufen, weshalb wir überlegt haben, wie wir vorhandene Möbel anders aneinanderreihen können.“ Jetzt künden am alten Standort bunte Zettel von den neuen Kombinationen.

Die Zentrale zieht in die oberen Etagen des früheren Puppenkönigs

Wann genau der Umzug ansteht, ist noch unklar. „Wir peilen Sommer bis Herbst an“, sagt der Leiter, Pater Matthias Maier. Die Baugeschwindigkeit leide wie so vieles unter der Pandemie. Seine drei Mitbrüder und er ziehen im Juni aus ihrem Haus aus – und zunächst als Mieter ins Küsterhaus der Münsterpfarrei ein. Wenn sich die Umbauarbeiten dort verzögern sollten, müssen sich die Geistlichen eine Übergangsbleibe suchen.

Warum, erklärt auf Nachfrage Gianluca Carlin, neuer leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Bad Godesberg: „Ich werde zusammen mit meinen Mitbrüdern in den Konvent einziehen.“ Das Haus müsse bis Sommer vorbereitet werden für die Mitglieder seiner Priestergemeinschaft des Heiligen Karl Borromäus. „Es freut mich, dass wir dadurch das fünfzigjährige Bestehen und Wirken einer Ordensgemeinschaft in Pennenfeld weiterführen können“, betont Carlin. Was mit dem sanierungsbedürftigen Haupthaus geschieht, ob er sich Verkauf, Vermietung, Büros oder Wohnungen vorstellen kann, lässt er noch offen. „Die zuständigen Gremien werden die Frage in den kommenden Monaten beraten“, sagt der Pfarrer.

Derzeit bietet es immerhin Platz für 30 Mitarbeiter. In den letzten Jahren habe man Personal eingestellt, wie der kaufmännische Direktor erzählt. Mittlerweile dreht sich die Arbeit des Hilfswerks auch um andere Sparten, wie ethische Geldanlage, Veranstaltungen und den Freiwilligen-Dienst für Abiturienten. „Normalerweise helfen sie ein Jahr lang bei unseren Auslandsprojekten mit“, sagt Reusch. Doch dann kam Corona, und von einem Tag auf den anderen mussten 16 junge Menschen vor allem aus Lateinamerika und Indien heimgeholt werden. Dieses Jahr gibt es das Angebot gar nicht, doch so schnell wie möglich wollen es die Franziskaner wieder integrieren.

Die Pandemie hat Bauprojekte des Hilfswerks in armen Ländern in den Hintergrund treten lassen. „Es ging eher darum ‚Wo retten wir Leben‘“, beschreibt es Pater Matthias. Drei Millionen Euro flossen zusätzlich in Schutzkleidung, Desinfektionsmittel oder Lebensmittelpakete. Dabei hat Reusch beobachtet, dass die Solidarität der Deutschen in der Krise sehr gestiegen ist. „Wir hatten einen massiven Spendenzuwachs“, sagte er, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Dem Umzug folgt ein neuer Kampagnenname

Aber ist der Missionsgedanke im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß? „Es geht nicht um Bekehrung zum Christentum“, sagt der Leiter der Zentrale dazu. Man suche die Leute auf und helfe ihnen in erster Linie – als Mensch. „Wenn sie dann fragen, dann verkünden wir die frohe Botschaft“, so Pater Matthias weiter. Als Beispiel nennt er Marokko, in dem franziskanische Schwestern seit 110 Jahren „nur für soziale Projekte da sein, aber nicht missionieren dürfen“.

Und doch will man den räumlichen Aufbruch für eine Zäsur im Namen nutzen. „Wir haben uns nach langen Überlegungen für einen neuen Kampagnennamen entschieden, nämlich ‚Franziskaner Helfen‘“, sagt Pressereferentin Katharina Kolano. Das soll nach und nach das Wort „Missionszentrale“ ablösen. Der Leiter lässt durchblicken, dass er sich an Neuerungen wie Online-Fundraising und Facebook-Auftritt erst gewöhnen musste: „Aber als Hilfswerk ist man nie fertig, denn die Armut in der Welt ist groß.“

Stadtkirche und Franziskaner planen gemeinsame Veranstaltungen

Die Spenden müssen fließen, um die Projektarbeit am Laufen zu halten. Denn die Missionszentrale als solche ist ein Verein, dem noch sieben weitere Länder angehören. Die Verwaltung sitzt in Godesberg. „Wir bekommen keine Kirchensteuer und hängen nicht an der Diözese“, sagt Pater Matthias. Und doch erreiche ihn angesichts der Vorgänge in der katholischen Kirche rund um die Missbrauchsaufarbeitung viel Unmut, den er verstehe: „Trotzdem müssen wir dann immer erklären, dass wir unabhängig sind.“

Mit dem Umzug nach Bonn hofft der Leiter, dass die Arbeit sichtbarer wird. Willkommen sind seine Leute allemal. „Es werden Veranstaltungen und Impulse geplant, die die Stadtkirche gemeinsam mit der Missionszentrale von den Franziskanern am Bonner Münster und in der Stadtgesellschaft platzieren wird“, so Stadtdechant Wolfgang Picken. Ökologie und Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Entwicklungshilfe sowie der Dialog der Religionen stünden im Fokus. Pater Matthias umschreibt es kürzer: „Wir wollen mit den Menschen an der Basis unterwegs sein.“ Dabei hofft er auf viele „Mitreisende“ aus Bad Godesberg.