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Freiwillige Feuerwehr Wachtberg will Kinderfeuerwehr einrichten

André Hahnenberg und Michael von Wirtz : Freiwillige Feuerwehr Wachtberg will Kinderfeuerwehr einrichten

Seit dem 1. November liegen die Geschäfte der Freiwilligen Feuerwehr Wachtberg in den Händen von André Hahnenberg und Michael von Wirtz. Im Interview sprechen die beiden über ihre Pläne und künftige Herausforderungen.

Herr Hahnenberg, Herr von Wirtz, der bisherige Wehrleiter Markus Zettelmeyer und sein Vize Markus von Wirtz hinterlassen große Fußstapfen. Beide haben zusammen rund 20 Jahre die Wachtberger Wehr geführt und viele große Herausforderungen bewältigt. Welche neuen, anderen Akzente wollen Sie setzen?

André Hahnenberg: Wir übernehmen eine sehr gut aufgestellte und motivierte Feuerwehr. Auch wurde in den letzten Jahren viel in die Feuerwehr investiert. Daher ist es für uns wichtig, dass der eingeschlagene Weg weitergeführt wird. An den „großen Fußstapfen“ wollen wir uns messen lassen und diese vielleicht sogar noch ein wenig vertiefen.
Michael von Wirtz: Spuren hat natürlich auch die Corona-Pandemie bei der Feuerwehr hinterlassen. Lange Zeit war ein normaler Übungs- und Ausbildungsbetrieb nicht oder nur sehr begrenzt möglich, von dem kameradschaftlichen Zusammenkommen ganz zu schweigen. Hierzu wollen und werden wir in naher Zukunft neue Impulse geben.

Thema Nachwuchsgewinnung: Wo steht die Wachtberger Feuerwehr derzeit, und welche Rolle spielt das Thema zukünftig für Sie?

Hahnenberg: Insgesamt stehen wir personell sehr gut da. Vor kurzem wurde der 200. Kamerad in die Feuerwehr aufgenommen. Einen Rückschritt gibt es jedoch bei der Jugendfeuerwehr. Da hatten wir im letzten Jahr einen Rückgang von 69 auf 58 Mädchen und Jungen zu verzeichnen. Für den Rückgang gibt es allerdings handfeste Gründe.

Welche?

Von Wirtz: Die Jugendfeuerwehr war schwer von der Pandemie betroffen. Aktivitäten der Jugend waren sehr lange überhaupt nicht möglich. Hinzu kommt: Durch die Corona-Pandemie war eine reibungslose Grundausbildung nicht möglich, mit denen wir die Jugendlichen auf die Einsatzabteilung vorbereiten. Ohne diese Ausbildung können diese nur eingeschränkt an Einsätzen teilnehmen. Das drückt auf die Motivation. Und noch etwas spielt eine Rolle: Wir konnten wegen Corona keine Brandschutzerziehung in den Kitas und Schulen abhalten.
Hahnenberg: Gott sei Dank konnte die Jugendfeuerwehr jetzt ihre Aktivitäten wieder aufnehmen. Zum neuen Schuljahr im kommenden Jahr beginnen wir auch wieder mit der Brandschutzerziehung. Ich denke, dass wir dann wieder steigende Zahlen bei der Jugendfeuerwehr haben. Und die Planung der Grundausbildung für 2022 steht ebenfalls. Ein weiteres Thema wird die Schaffung einer Kinderfeuerwehr sein, was wir angehen wollen. Andere Feuerwehren im Kreis haben solche Kinderfeuerwehren schon geraume Zeit und damit gute Erfahrungen gemacht.

Die letzte Unwetterkastrophe im Juli ist in aller Munde: Muss auch die Wachtberger Feuerwehr hieraus neue Lehren ziehen? Wenn ja, welche?

Hahnenberg: Wie nach jedem Einsatz analysieren wir, was gut und was schlecht gelaufen ist. Uns kamen natürlich die Erfahrungen der Unwetter-Einsätze von 2010, 2013 und 2016 zugute, die wir im Juli anwenden konnten. Im Großen und Ganzen sind wir jedoch mittlerweile gut gerüstet, sei es mit technischem Gerät oder der Ausbildung unserer Feuerwehrleute. Aber: Jedes Einsatzgeschehen ist anders, auch das vom 14./15. Juli 2021. Welche Lehren aus der Katastrophe im Juli gezogen werden müssen, ist aber auch Thema insgesamt mit den Wehren im Rhein-Sieg-Kreis. Hierzu hat der Landesfeuerwehrverband bereits Impulse gegeben.

Das Thema Funk und Kommunikation war am 14./15. Juli 2021 ein Riesenthema, weil nämlich genau das nicht funktionierte. Welchen Nachholbedarf hat die Feuerwehr hier speziell in Wachtberg?

Von Wirtz: Im normalen Einsatz oder bei unseren bisherigen Unwettern kam es zu keinen nennenswerten Ausfällen der Kommunikationstechnik. Am 14./15. Juli. kam es jedoch zu einem teilweisen kompletten Ausfall des Digitalfunks und der üblichen Kommunikationsmittel in Bereichen des Rhein-Sieg-Kreises, wodurch keine Kommunikation mehr möglich war. Welche Lehren daraus gezogen werden müssen, wird grundsätzlich an anderer Stelle entschieden. In der Wachtberger Feuerwehr erarbeiten wir trotzdem auf jeden Fall gerade eine Möglichkeit, wie wir über einen direkten Weg - also ohne die sonst übliche Zwischenstationen - Funkverbindungen zumindest zwischen den Feuerwehrgerätehäusern bzw. Einsatzstellen aufbauen können. Aufgrund der topologischen Gegebenheiten im Ländchen ist das eine gewisse Herausforderung.

Wo steht die Wachtberger Wehr in Sachen Ausrüstung: Müssen neue Fahrzeuge her?

Hahnenberg: Gerade durch die Erneuerung des Fuhrparks in den letzten Jahren sind wir derzeit sehr gut aufgestellt. Kein Fahrzeug ist mehr älter als 20 Jahre. Aber natürlich darf diese Erneuerung nicht aufhören. Derzeit findet die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans mit dem Fahrzeugkonzept statt, wo die Planung für die nächsten fünf Jahre aufgezeigt wird. In dieser Zeit soll zum Beispiel der Rüstwagen und ELW1 in Berkum ersatzbeschafft werden.