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Interview mit Lore und Erich Weick: Friedensgebet: "Ängste und Sorgen an Gott abgeben"

Interview mit Lore und Erich Weick : Friedensgebet: "Ängste und Sorgen an Gott abgeben"

An jeden ersten Mittwoch im Monat, also auch morgen, treffen sich Christen zum ökumenischen Friedensgebet in der Rigal'schen Kapelle an der Kurfürstenallee. Über viele Jahre hat Rainer Piest die Gebete in der kleinen Kapelle organisiert.

Er hielt seine und vieler anderer Christen Leidenschaft für Frieden auch in Zeiten aufrecht, in denen Aktionen wie die Friedensgebete nicht "up-to-date" erschienen. Jetzt hat Piest die Koordination in jüngere Hände gelegt: Das Ehepaar Lore und Erich Weick führt die Friedensgebete in Rainer Piests Sinne weiter. Mit den beiden sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Granaten und Artilleriefeuer in Tel-Aviv und dem Gaza-Streifen, heftige Kämpfe in der Ost-Ukraine, zahllose Tote in Syrien: Die Gründe für Ihr morgiges Friedensgebet sind dramatischer denn je...
Erich Weick: Ja, da haben Sie leider Recht. Umso wichtiger ist es, finden wir vom Friedenskreis Marienforst, darum zu bitten, dass die Waffen schweigen und Friedensverhandlungen in Gang kommen, damit die Gewalt nicht weiter eskaliert.

Aber macht uns als Einzelne das Gemetzel an den verschiedenen blutigen Schauplätzen weltweit nicht eher hilflos?
Lore Weick: Dieses Gefühl kenne ich. Wir sehen täglich so viele deprimierende Bilder von Grausamem, wir lesen dauernd so viele Meldungen. Wir fühlen uns hilflos angesichts der Gewalt. Wir fühlen uns ohnmächtig, aber wir vertrauen als Christen darauf, dass Gott unsere Gebete hört.

Wie läuft Ihr monatliches Friedensgebet denn ab?
Erich Weick: Jeden ersten Mittwoch im Monat beginnt das Friedensgebet um 18 Uhr in der Rigal'schen Kapelle und dauert etwa eine halbe Stunde. Wir singen Lieder, wir beten Psalme, wir stellen ein spezielles Thema in den Mittelpunkt, wir sprechen Fürbitten, und selbstverständlich gibt es auch noch einen Segen.

Warum sind auch Lieder so wichtig für Sie?
Lore Weick: Singen ist gemeinschaftsfördernd. Die Melodie transportiert den Text stärker ins Herz. Also ich denke da zum Beispiel an das Lied Nr. 678. Da singen wir aus vollem Herzen: "Wir beten für den Frieden." Da singen wir also und beten gleichzeitig. Zum Glück unterstützt uns in der Rigal'schen Kapelle ja auch immer Kantor Christoph Gießer von der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde auf der kleinen Orgel.

Wer nimmt an Ihren Gebeten teil?
Erich Weick: Wir sind normalerweise etwa zehn bis 15 Männer und Frauen ab 60 Jahre. Die Gruppe ist aber offen und freut sich über jeden Menschen, der sich an unserem ökumenischen Friedensgebet beteiligen will, gerade auch über mehr jüngere Menschen. Jeder ist herzlich willkommen.

Den Termin hat der Friedenskreis Marienforst eingerichtet?
Lore Weick: Ja, es war der Marienforster Friedenskreis, ein Kreis an der evangelischen Marienforster Kirche, der vor zwölf Jahren diesen Termin installierte. Und zwar damals aus Anlass des Irak-Krieges.

Gibt es nach Ihren Gebeten auch kontroverse politische Diskussionen? Oder wie gehen Sie auseinander?
Erich Weick: Es gibt anschließend noch persönlichen Austausch in kleinen Gruppierungen.
Lore Weick: Wir sind ja in dem Sinne kein politischer Kreis. Aber es gibt nach dem Friedensgebet schon einige Diskussionen unter uns. Ja, da tauschen wir uns schon über Aktuelles aus.

Warum sind Sie beide persönlich überhaupt dabei? Brutal gefragt: Was bringt Ihnen das?
Lore Weick: Mein Mann war 40 Jahre in den von Bodelschwinghschen Stiftungen als Diakon tätig. Mit der Berentung 2001 sind wir nach Godesberg gezogen. Uns hat die Arbeit des Marienforster Friedenskreises gleich angesprochen.
Erich Weick: Wir sind beide ehrenamtlich in der Johannes-Kirchengemeinde tätig. Beim Friedensgebet sind wir dabei, weil uns die Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung am Herzen liegen. Wir denken dabei besonders an die Zukunft unserer Enkel und empfinden es als Entlastung, bei diesen Gebetsterminen mit anderen unsere Ängste und Sorgen an Gott abzugeben.

Wie wird Ihre Fürbitte morgen lauten?
Lore und Erich Weick: Neben der Bitte um Befriedung in den Krisengebieten dieser Erde, die uns natürlich alle leitet, greifen wir dieses Mal auch das Thema Wasser als Lebensgrundlage auf. Wie gesagt, wir haben jeden Monat ein Thema, das wir vorbereiten.

Zu den Personen

Lore und Erich Weick sind beide "70 Jahre jung". Er war Diakon, sie Erzieherin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung. 1970 heirateten sie in Bethel. Sie haben drei Kinder und sieben Enkel.