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Godesberger Berufsschule akkreditiert sich für Erasmus+: Friedrich-List-Kolleg eröffnet Fair-Café wieder

Godesberger Berufsschule akkreditiert sich für Erasmus+ : Friedrich-List-Kolleg eröffnet Fair-Café wieder

Seit 21 Jahren betreibt eine Schülergenossenschaft das Café im Bad Godesberger Friedrich-List-Berufskolleg. Die Corona-Krise nutzten die Beteiligten zur Renovierung. Daneben hat sich die Berufsschule erfolgreich bei Erasmus+“ akkreditiert.

Die Corona-Pandemie hat Schüler und Lehrer des Friedrich-List-Berufskollegs zwei Dimensionen des Faktors Zeit erfahren lassen – geschenkte und verlorene Zeit. Auf der einen Seite nutzte man Phasen des Lockdowns, um das Fair-Café zu renovieren; auf der anderen Seite konnte man den Erfolg, den Akkreditierungsprozess für das europäische Austauschprogramm „Erasmus+“ durchlaufen zu haben, weder feiern noch auskosten.

„Eigentlich wären im Oktober Schüler nach Irland aufgebrochen“, erzählt Lehrerin Benita Feist, die das Projekt mit ihren Kollegen Franca Johannsen und Dirk Petzsche steuert. Doch steigende Inzidenzen stoppten das Vorhaben. Während des Auslandspraktikums, das auch auf Malta möglich ist, sammeln die Schüler vier Wochen lang Erfahrungen in einem Einzelhandelsbetrieb. Und in Gastfamilien. „Da gilt es dann auch, sich auf kulinarische Unterschiede einzustellen“, sagt Feist, die Ende 2019 noch eine Gruppe auf den Weg schickte und in Irland besuchte, mit einem Schmunzeln.

Austauschprogramm soll berufliche Vorteile verschaffen

In den Betrieben hätten sich aber alle gut geschlagen, meint Feist. Die Erfahrungen im Ausland sollen neben persönlicher Horizonterweiterung auch ein Pluspunkt im Wettbewerb um einen künftigen Arbeitsplatz sein, heißt die Philosophie. Am städtischen Kolleg in der Plittersdorfer Straße sind alle kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschulen in den Bereichen Wirtschaft, Handel, Recht, Tourismus, Industrie und Informationstechnik untergebracht.

Den Vorteil der bewilligten Akkreditierung beschreibt Petzsche so: „Wir sind nun in einem vereinfachten Antragsverfahren, sonst ist es sehr aufwendig, die EU-Mittel abzurufen.“ Die Schüler erhalten Stipendien, die die EU-Kommission fördert. „Erasmus+“ soll bald auf den kompletten Vollzeitbereich ausgeweitet werden.

Die Schüler führen das Café in Eigenregie

Auf das Essensangebot im frisch sanierten Fair-Café haben sich irische und maltesische Küche noch nicht ausgewirkt. Hoch im Kurs stehen hier Croissants. „Wir hatten seit Mitte März 2020 wegen Corona geschlossen und haben dann überlegt, wie wir die Zeit sinnvoll nutzen“, sagt Lehrer Markus Kippenberg, der das Café im Jahr 2000 gegründet hat. Als Modellgenossenschaft betreiben es heute die Absolventen der einjährigen Berufsfachschule (Handelsschule) und der dreijährigen höheren Berufsfachschule (Fachrichtung BWL). Von Einkauf und Buchhaltung über die Personalplanung bis hin zu Verkauf und Reinigung liegt alles in Schülerhand.

„Wir binden das in den Unterricht mit ein, zum Beispiel fair gehandelte Produkte und faire Preise in Betriebswirtschaft und Politik“, führt Kippenberg aus. Die kleinen Gewinne, die sich aus dem Betrieb ergäben, flössen zum Teil der Genossenschaft wieder zu, mit dem Rest würden über die Klassenkasse der ausrichtenden Gruppe soziale Härtefälle unterstützt, erzählt Kippenberg.

Noch können die Kunden nicht viel sehen von der blauen Theke oder der moderneren Küchenzeile. „Bis sich die Corona-Lage entspannt, bieten wir nur einen Außer-Haus-Verkauf durch die Tür an“, so der Projektleiter. Noch mehr Normalität wünscht sich auch Schulleiterin Antje Kost. Sie sieht derzeit einen höheren Beratungsbedarf der Schüler durch die Sozialpädagogen. Für Kost eine Folge des Lockdowns: „Distanz funktioniert nur, wenn vorher Nähe aufgebaut werden konnte.“ Trotzdem sei das List-Kolleg verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. „Da wir viele IT-Fachkräfte haben, waren wir schnell digitalisiert“, so Kost. Insofern seien auch die IHK-Abschlüsse auf dem Niveau der Vorjahre.