Schwimmbad in Bonn Wie die Traglufthalle am „Friesi“ abgebaut wird

Friesdorf · Das Gebläse ausstellen, und ruckzuck entweicht aus der Traglufthalle über dem Friesdorfer Schwimmbad die Luft. Doch die schwerste Arbeit kommt noch, um das Friesie sommerfit zu machen.

 Schlaff am Boden: Jetzt beginnt die schwerste Arbeit mit dem Zusammenrollen der Plane.

Schlaff am Boden: Jetzt beginnt die schwerste Arbeit mit dem Zusammenrollen der Plane.

Foto: Benjamin Westhoff

Die Luft ist raus. Und das schon nach kurzer Zeit. Gerade noch spannte sich die wabenartige Dachkonstruktion über die beiden Schwimmbecken im Friesdorfer Freibad, schon liegen die Planen einrollbereit auf dem Boden.

„Läuft alles nach Plan“, sagt Bauleiter Roland Meyer von der Firma Paranet, der den Abbau der Traglufthalle am Mittwoch koordinierte. Seit 2018 ist das Unternehmen mit dem Auf-, Abbau sowie die Lagerung der Traglufthalle zuständig. Rund 158.000 Euro gibt die Stadt dafür im Jahr aus.

Unwetter verzögert Abbau der Zeltkonstruktion

Pünktlich um sieben Uhr morgens startete das 20-köpfige Team mit der Arbeit. Am Tag zuvor waren bereits drei Mitarbeiter vor Ort, um die Vorarbeiten zu erledigen. „Jetzt kann’s losgehen“, gibt Meyer das Kommando und teilt seine Mitarbeiter ein. Eigentlich hätte die Zeltkonstruktion bereits seit Anfang der Woche abgebaut und auf dem Weg ins Zentrallager nach Berlin sein sollen. „Aber bei Regen können wir nicht arbeiten“, erklärt der Ingenieur. „Noch schlimmer ist allerdings Sturm.“ Stadt und Unternehmen hatten aufgrund des Wetters daher entschieden, die Arbeiten zu verschieben.

Am Mittwoch waren die Witterungsbedingungen dann ideal. Es regnete nicht mehr, es wehte nur ein laues Lüftchen, und die Temperaturen waren für die körperlich anstrengenden Arbeiten gut. „Ich stelle jetzt das Gebläse aus“, informierte Meyer seine Männer und gab damit den Startschuss.

Sie spannt sich nicht mehr lange: Bauleiter Roland Meyer gibt unter der Folie Insruktionen.

Sie spannt sich nicht mehr lange: Bauleiter Roland Meyer gibt unter der Folie Insruktionen.

Foto: Benjamin Westhoff

Sofort entwich die warme Luft über den geöffneten Ausgang nach draußen, und man konnte zusehen, wie die Halle im Minutentakt immer instabiler wurde und langsam in sich zusammensackte. Nuss-Werkzeuge und Steckschlüssel wechselten von einer Hand in die andere, und allmählich glich die ehemals stabile Bedachung einem schlaffen Ballon.

Einfach Luft raus, einpacken und weg? „Nein, ganz so einfach ist das nicht“, sagt der Bauleiter und lacht. Denn sobald die Halle in sich zusammenfällt, müssen die Mitarbeiter die Folie zusammenrollen – was bei rund 150 Meter langen Bahnen gar nicht so einfach ist. „Dafür braucht man schon ein Team, das sich auskennt“, betont Meyer und gibt zwischendurch immer wieder Anweisungen. Damit die Hülle beim Abbau nicht ins Wasser fällt, hatten die Männer zuvor breite Spanngurte zum Auffangen über die beiden Becken gespannt.

 Die Arbeiter lösen die Folie vom Durchgang.

Die Arbeiter lösen die Folie vom Durchgang.

Foto: Benjamin Westhoff

Trotz aller Vorbereitung, der Abbau ist immer Schwerstarbeit. „Vor allem das Aufrollen der Folie“, erklärt Meyer. Besonders schwierig ist das im Bereich des Sprungturms. „Um uns die Arbeit zu erleichtern, haben wir oben auf dem Turm mehrere Rollen angebracht. Die helfen uns, das Hallendach auf die andere Seite zu ziehen.“

Die Friesdorfer Traglufthalle besteht aus vier verschiedenen Schichten. Außen gibt es ein Stahlschutznetz, dass dem Konstrukt Form und Stabilität gibt und im Boden fest verankert ist. Darunter befindet sich eine UV-beständige Schutzfolie, die gleichzeitig vor Verschmutzung schützt. „Darunter liegen Luftpolsterfolien sowie die Hauptmenbran, die man von innen sehen kann“, erklärt der Ingenieur.

Alles Routine

Für die Paranet-Mannschaft waren die Arbeiten in Bonn Routine. „Das ist Alltag für uns. Rund 75 verschiedene Traglufthallen baut das Unternehmen deutschlandweit auf und wieder ab. Am Mittag liegt schließlich auch die Friesdorfer Zelt auf dem Boden. Es wird eingerollt und nach Berlin transportiert. Bevor die Folie dort ins Lager kommt, wird sie noch einmal gründlich gereinigt und getrocknet. „Das gehört zu unserem Service“, so Meyer.

Der Abbau in Bonn verlief ganz ohne Überraschungen. Anders als es einmal in Berlin der Fall war. „Dort hatten wir beim Abbau entdeckt, dass sich ein Fuchs und ein Waschbär auf dem Dach niedergelassen hatten“, so Meyer. Aber in Friesdorf hatte sich auf den ersten Blick noch nicht einmal ein Vogel häuslich auf der warmen Außenhaut eingerichtet.

Wiederaufbau im September

In ein paar Monaten kommt das Team wieder von der Spree an den Rhein. Um das Friesdorfer Schwimmbad für die Wintersaison vorzubereiten, wird die Traglufthalle im September erneut aufgebaut. Dann ist das Friesi wieder unter der Haube.

Für die Schwimmer gibt es dann selbst an kalten Wintertagen ideale Voraussetzungen: Im Inneren werden Temperaturen zwischen 28 bis 30 Grad erreicht, das Wasser ist auf 26 bis 27 Grad erwärmt. „Das ist wirklich ideal. Das habe ich selbst schon ausprobiert“, meint Meyer und kümmert sich wieder um den Abbau der Halle.

Nach den Sommergästen können die Winterschwimmer ab 30. September erneut ihre Runden unter dem Zeltdach drehen. Ein Angebot, das sehr beliebt ist. Nach Angaben der Stadt passierten in der Zeit vom 2. Oktober 2023 bis zum 31. März 2024 insgesamt 30.970 Schwimmer das Drehkreuz am Eingang des Friesis.

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