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Rheinhotel Dreesen: Fritz Dreesen führt das Hotel bereits in vierter Generation

Rheinhotel Dreesen : Fritz Dreesen führt das Hotel bereits in vierter Generation

Hotelier Fritz Dreesen hat denselben Lieblingsplatz wie seine Gäste: Wenn man im Erker des Restaurants im Erdgeschoss sitzt, schaut der Rhein quasi von drei Seiten durch die Fenster.

Seit sieben Generationen arbeitet Dreesens Familie ganz nah am Fluss, zuerst in einem Pavillon mit Schankwirtschaft, seit dem 3. Mai 1894 im Rheinhotel Dreesen. Der Strom vor der Tür ist die "Lebensader", die für ihn den besonderen Reiz des Hotels ausmacht. "Manchmal stört der Rhein uns gewaltig, dann nämlich, wenn er hier vorbeischaut", sagt Fritz Dreesen.

In den vergangenen 120 Jahren hat der wilhelminische Bau nicht nur Hochwasserkatastrophen, sondern auch zwei Kriege und diverse Beschlagnahmungen überstanden. Während draußen die Frachtschiffe vorbeiziehen, kann man gut über den Fluss der Zeit nachdenken. "Der Rhein und Beethoven sind die Dinge, die bleiben. Alles andere kann sich ändern", sagt Dreesen nachdenklich.

Am Revers seines klassischen Zweireihers trägt er einen glänzenden Beethoventaler, der gut zu den silbernen Manschettenknöpfen mit Hotellogo passt. Der 64-Jährige setzt sich für den Bau eines Festspielhauses ein. "Beethoven ist das Pfund für die Stadt, aber mit diesem Pfund wuchern wir einfach nicht genug", findet er. Bei diesem Thema kann sich der Mann, dessen Augen meist fröhlich hinter runden Brillengläsern blitzen, in Rage reden.

Allerdings glaubt Fritz Dreesen, dass durch das Engagement der Post und den favorisierten Standort neben der Beethovenhalle nun Tempo in die Sache kommt. Als Geschäftsmann weiß er, dass man Kosten kennen muss, aber er hält es mit Kurt Masur, der sagt: "Beethoven zahlt immer zurück."

Fritz Dreesens Berufswahl stand am 17. November 1949 fest. "Ich wurde geboren und war Hotelier. Ich bin auch nie mehr gefragt worden", erzählt er. Dass jemand das Hotel führt, der nicht Dreesen heißt, war für Vater Fritz Otto Dreesen ebenso unvorstellbar, wie die Tradition des Vornamens Fritz zu brechen.

Seit der dritten Generation tragen die Söhne zusätzlich zum Fritz einen zweiten Vornamen. Das erleichtert die Unterscheidung, denn inzwischen ist bereits die sechste Generation geboren. Der heutige Hoteleigentümer heißt mit vollständigem Namen Fritz Georg Dreesen. Er und seine Frau Elisabeth, eine ehemalige Profitänzerin, haben ihre Kinder Anna-Maria und Fritz Olaf genannt, der Enkel heißt Fritz Lukas.

Dreesen war 22 Jahre alt, als er das Hotel übernehmen musste. Schon während der Ausbildung im Steigenberger Hotel in Mannheim und im Hamburger Hotel Atlantic Kempinski war klar, "dass ich am nächsten Tag weg bin, wenn mein damals schon schwer kranker Vater stirbt". Etliche Investitionen im weißen Haus am Rhein waren liegengeblieben. Deshalb renovierte Fritz Dreesen zunächst die Zimmer, "das Rückgrat eines Hotels".

In der Anfangsphase brauchte der junge Hotelier Hilfe von außen, zum Beispiel von den Verbänden. Er gibt etwas zurück, indem er sich selbst engagiert. Seit zwölf Jahren spricht der Godesberger als Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland bundesweit für die Branche, sitzt im Präsidium der Industrie- und Handelskammer sowie in den Aufsichtsräten der Tourismus & Congress GmbH und der VR-Bank Bonn. Hinzu kommt die Mitgliedschaft im Rotary-Club und in zahlreichen Vereinen. Das gehört für Dreesen dazu, "wir leben ja auch an diesem Ort".

Direkt im Hotel gewohnt hat Fritz Dreesen nie. Als Kind war das große Haus für ihn ein "toller Spielplatz". Nebenbei erlebte der Knirps die Bundespolitik mit, traf Theodor Heuss und Konrad Adenauer. Auch seine Kinder sind Jahrzehnte später buchstäblich in die Hotelbranche hineingewachsen. Tochter Anna-Maria arbeitet in Dubai, Sohn Olaf ist nach dem Studium in den Bonner Familienbetrieb eingestiegen.

An Ruhestand denkt der 64-Jährige nicht: "Ich werde in den nächsten zwei, drei Jahren eine Reihe von Ämtern aufgeben, aber es bleibt immer noch genug zu tun." Ein Bauantrag für die Erweiterung des Hotels ist bereits gestellt. 120 Jahre am Rhein bedeuten auch, dass sich ständig etwas bewegt.