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Stadthalle Bad Godesberg: Für Kosmetik fehlt das Geld

Stadthalle Bad Godesberg : Für Kosmetik fehlt das Geld

Die Fassade der Godesberger Stadthalle hat Risse, Fensterrahmen sind morsch, in den Fugen der Steinplatten am Brunnenpavillon wuchert das Unkraut.

"Das macht einen sehr vernachlässigten Eindruck", schreibt ein Leser dem General-Anzeiger. "Aktuell konnten aufgrund der angespannten Haushaltslage keine die Attraktivität der Stadthalle wesentlich steigernde Maßnahmen ergriffen werden", heißt das im Beamtendeutsch.

Laut Stadt wird es noch bis 2020 dauern, bis es an den Gebäuden größere Veränderungen geben wird. Mängel, die die Konzession gefährden, würden durch regelmäßige Wartungsarbeiten behoben.

"Durch die aktuelle Pachtlaufzeit ist es derzeit nicht sinnvoll, planerische Aufwendungen zu betreiben", heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Allerdings müsse bis spätestens 2018 sowohl eine konzeptionelle Grundüberlegung zur Zukunft der Stadthalle politisch beschlossen sein, als auch planerische Überlegungen im Anschluss daran aufgenommen werden. Das sei nötig, damit es 2020 bis 2022 eine Grundsanierung geben kann.

Vorausgesetzt, es würden in der Finanzplanung Haushaltsmittel dafür bereitgestellt. Gehe man von einer aus heutiger Sicht beurteilbaren Grundsanierung aus, schätzt die Verwaltung die Kosten auf etwa 20 Millionen Euro. Wobei dabei mögliche konzeptionelle Änderungen und Denkmalschutzanforderungen noch nicht berücksichtigt seien.

2012 berechnete man etwa 13 Millionen Euro für die Sanierung. Ein Renovieren im laufenden Betrieb sei nicht möglich, weil es laut Verwaltung "das wirtschaftliche Aus für den Pächter" bedeuten würde.

CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke brachten gegen die Stimmen des Bürgerbundes im Februar 2013 den Vorschlag durch die Bezirksvertretung, dass die Stadthalle zum Pächterwechsel 2020 einer gründlichen Sanierung unterzogen werden müsse. Dazu bedürfe es einer rechtzeitig eingeleiteten Planung.

Dafür solle die Stadtverwaltung einen Zeitplan erarbeiten, der neben den Sanierungsarbeiten auch ihre Finanzierung und die Pächternachfolge berücksichtigt. Bereits kurzfristig hätte die Stadtverwaltung mit dem Pächter Thomas Weiermann Vorschläge erarbeiten sollen, wie der Betrieb der Halle bereits in den nächsten Jahren attraktiver gestaltet hätte werden können. Als Beispiele nannten die fünf Fraktionen damals neue Möbel oder neue Bühnenelemente.

"Für Kosmetik ist kein Geld da, damit müssen wir uns abfinden. Das betrifft jedoch alle in Bonn", sagt Weiermann. Deshalb sehe nicht alles schön aus, beeinträchtige aber nicht den Betrieb. So gab es in den vergangenen Jahren Reparaturen am Dach, neue Stühle, Fußböden und Toiletten. Was kaputt ging, wurde ersetzt.

"Es sind auch viele Sachen, die man nicht wahrnimmt", so Weiermann. Wie Brandschutztüren und Fluchtwege, die mehrere Tausend Euro gekostet haben. Trotz der optischen Mängel ist die Stadthalle nach wie vor beliebt: In diesem Jahr ist sie an fast allen Tagen ausgebucht, auch für 2015 sieht es gut aus. "Und das, obwohl uns das WCCB Konkurrenz macht." Die historische Stadthalle scheine eben doch noch einen gewissen Charme zu haben.

"Stadthalle" war zu schlicht

1955 wurde die Stadthalle errichtet. Bekannt geworden ist sie unter anderem wegen des Godesberger Programms, das die SPD dort 1959 verabschiedete. Die Stadthalle steht seit Juli 2012 unter Denkmalschutz. Ihr heutiger Name wurde vom Stadthallenausschuss damals als Provisorium für die Arbeitsgruppe angesehen. Man fand diesen Namen für ein solches Großprojekt zu schlicht. Mehr als hundert Vorschläge landeten auf der Tagesordnung.

Am 28. Oktober 1955 beriet der Stadtrat schließlich über drei davon. Auf "Stadthalle" entfielen dann 17 Stimmen, für "Parksäle" sprachen sich elf Ratsvertreter aus und für "Kurparksäle" stimmte keiner.