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Flüchtlingsfamilie: Gagfah bietet neue Wohnung an

Flüchtlingsfamilie : Gagfah bietet neue Wohnung an

Schneller als von ihnen gehofft gibt es gute Nachrichten für die Familie Ba Abbad: Die Gagfah Gruppe hat den Flüchtlingen aus dem Jemen eine neue Wohnung angeboten.

Wie der GA berichtete, war die fünfköpfige FamilieAnfang Oktober in eine von Schimmel befallene Wohnung auf demHeiderhof gezogen. Nun soll die Familie schon am Donnerstag dieneue Wohnung besichtigen können, die zum ersten März bezugsfertigwäre. Wie die Gagfah auf GA-Anfrage mitteilte, werde diese Wohnungderzeit saniert. Sie sei zunächst für einen Mitarbeiter der Gagfahreserviert gewesen. Nun habe man ihn aufgrund der Dringlichkeitdieses Falles gebeten, auf die nächste verfügbare Wohnung zuwarten. Mit 987 Euro Warmmiete ist die neue Wohnung über 100 Euroteurer. Der Richtwert für eine fünfköpfige Familie in Bonn liegtbei 934 Euro für Kaltmiete plus Betriebskosten. Heizkosten werdenaber für jeden Einzelfall berechnet, wie es auf der Internetseiteder Stadt Bonn heißt. Deshalb liegt die Wohnung noch im Rahmen.

„Wir könnten die Wohnung auch als Ersatzwohnung anbieten, bis dieMängel behoben sind“, schreibt eine Sprecherin der Gagfah. Solltedie Familie komplett umziehen wollen, würde der laufende Vertragbeendet und ein neuer abgeschlossen. Markus Waschinski, Sprecherdes Jobcenters Bonn, teilte gestern mit, dass der Umzug schnellgenehmigt werden könne, falls nach einem Gutachten eineUmzugsempfehlung der Wohnungsaufsicht vorliege. Die Aufsicht hattedie Wohnung wie berichtet bereits vor rund einem Monat begutachtet,deshalb könnte dieses Verfahren beschleunigt werden und die Familieschnell umziehen.

Derweil haben ein Dachdecker und Mitarbeiter derGagfah die schimmlige Wohnung erneut besichtigt: „Die Dachflächeweist keine äußerlich erkennbaren Schäden auf, so dass wir Anfangdieser Woche eine Dachprobe entnehmen lassen“, so eine Sprecherinder Gagfah. Bis zum Ergebnis dieser Untersuchung könne man zu denSanierungsarbeiten keine weiteren Angaben machen. Abdul Ba Abbadhatte sich selbstständig diese Wohnung gesucht, weil er von Heidein Schleswig-Holstein nach Bad Godesberg umziehen wollte. Auf demHeiderhof besichtigte er jedoch eine andere Wohnung der Gagfah alsjene, die er letztendlich bezog.

Die Gagfah hatte die Änderung desMietvertrags vergangene Woche in einer Stellungnahme gegenüber demGeneral-Anzeiger als „unbeabsichtigten Fehler“ bezeichnet. Abdul BaAbbad war sich dagegen sicher, dass man seine mangelndenSprachkenntnisse ausgenutzt hatte, um ihm die Wohnung „anzudrehen“.Schon die Vormieterin hatte Probleme mit Schimmel. „Ich hoffe, dassdie neue Wohnung in Ordnung ist“, sagte Abdul Ba Abbad gestern. Daseine Tochter an Asthma erkrankt ist und sich seine Ehefrau voneiner erneuten Operation am vergangenen Freitag erholen muss, istes um so dringender, dass die Familie schnell umziehen kann.Steffen Engelhart, Facharzt für Hygiene, Umweltmedizin undAllergologie der Uniklinik Bonn erklärte dem GA gestern aufNachfrage: „Für das Ausmaß der Gefährdung nicht nur die Art desSchimmels, sondern vor allem der gesundheitliche Zustand der Personrelevant.“ Denn je nach Zustand des Immunsystems könnten Reizungenoder in sehr seltenen Fällen sogar Infektionen auftreten. Trotz desWohnungsangebots durch die Gagfah ist Abdul jedoch weiterhinskeptisch und will auch initiativ weitersuchen. Die Strafanzeigewegen Körperverletzung verfolgt der Anwalt weiterhin.