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Handel in Bad Godesberg: Generationswechsel auf dem Wochenmarkt Bad Godesberg

Handel in Bad Godesberg : Generationswechsel auf dem Wochenmarkt Bad Godesberg

Der Fischstand geht in andere Hände über. Besucher des Bad Godesberger Wochenmarktes auf dem Moltkeplatz legen mittlerweile mehr Wert auf Qualität.

Auf dem Godesberger Wochenmarkt liegt zurzeit nicht nur der Fisch auf Eis, doch die Händler wie Andrea Scholz am Fleisch- und Wurstwarenstand Erkelenz trotzen der Kälte. Bei Minusgraden verkauft sie selbst hergestellte Spezialitäten wie Kohlrouladen oder Wildschweinleberwurst. Zwar kämen wegen des kalten Wetters weniger Käufer, aber die Zahl ihrer Kunden sei in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen, berichtet Scholz. An guten Tagen können es schon mal 400 sein. „Von alleinstehenden Müttern über ältere Herrschaften und Lehrerehepaare kommen wirklich alle“, beobachtet die Verkäuferin.

Vom immer populärer werdenden Vegetarismus oder sogar Veganismus ist im Geschäft wenig zu spüren. Allerdings hat Andrea Scholz eine Veränderung im Konsumverhalten bemerkt. Auf den täglichen Fleischverzehr verzichtet mittlerweile die Mehrzahl ihrer Kunden, dafür wird mehr Wert auf Qualität und artgerechte Tierhaltung gelegt. Das Fleisch bezieht der Wurstwarenstand von regionalen Bauernhöfen, die entweder auf Freilandhaltung oder komplett auf Bio umgestellt haben.

Am Oliven- und Frischkäsestand von Sham Fard ist ebenfalls weniger los. Das liegt auch daran, dass wegen der Kälte die Gemüsestände am Donnerstag gar nicht erst aufgebaut haben. Weil man zuverlässig sei und einen guten Kundenservice bieten möchte, hat der Feinkoststand trotzdem geöffnet und bietet neben Oliven aus Griechenland auch eingelegte Sardinen und Tintenfische an.

Unkrig ist traurig über Abschied

„Lassen Sie momentan die Finger von Freilandeiern, die Hühner legen bei diesen Temperaturen nichts. Das ist Etikettenschwindel“, ruft der Händler vom Wieskirchen-Geflügelstand seinen Kunden zu. Der Andrang ist hier groß, aber das ist normal. Selbst aus dem rheinland-pfälzischen Kirchsahr zieht es einen Kunden auf den Wochenmarkt. Alle vierzehn Tage komme er zusammen mit seiner Frau nach Bad Godesberg, erzählt er. Während sie sich beim Physiotherapeuten behandeln lasse, erledigt er den Wocheneinkauf auf dem Markt.

Auf ein bekanntes Gesicht müssen die Besucher des Bad Godesberger Marktes nun verzichten. Der Siegburger Fischhändler Alfred Unkrig hat nach 36 Jahren seinen Fischstand aus Altersgründen aufgegeben. Doch es geht weiter: Stefan Stuch füllt die Lücke und wird Liebgewonnenes der Stammkunden auch weiterhin anbieten. Auch Mitarbeiterin Edith Homge, die seit 30 Jahren dabei ist, wird auf dem Moltkeplatz weiter mit bedienen.

Unkrig ist schon traurig über den Abschied. Ihm seien die Leute richtig ans Herz gewachsen. Aber mit 69 Jahren möchte er nun aufhören. Ursprünglich war er Koch. Er ging nach Südafrika, wo er seine Frau Jeritta kennenlernte, und kam 1972 nach Bonn zurück. Dort begann er im Geschäft „Norweger Fjord“ an der Bürgerstraße. „So kam ich mit Fisch und norwegischen Delikatessen in Berührung, die wir bis zum Schluss noch verkauft haben“, sagt Unkrig. 1981 eröffnete er ein Marktgeschäft in Siegburg, seit 1982 stand er mit seinem Fisch in Godesberg – erst nur donnerstags. Als in Bonn noch regiert wurde, kam auch mancher Politiker am Stand vorbei, zum Beispiel Hans-Dietrich Genscher.

„Über die Jahre sind die Kunden viel qualitätsbewusster geworden“, sagt Unkrig. Die Ware sei auch viel besser geworden – und teurer. Sein persönlicher Lieblingsfisch ist ein leckerer Rotbarsch, ohne viel Schnickschnack gebraten. „Da mache ich nicht viel falsch. Der hat so viel Aroma.“ Auch einen „anständigen Matjes“ verschmäht Unkrig nicht. Stuch soll künftig seinen berühmten Thymian-Sild, eine norwegische Heringsspezialiät, weiter anbieten, ebenso die am Stand geräucherten Forellen und Stremellachse. Stuch kommt vorerst nur samstags mit seinem Verkaufswagen. „Für später ist auch donnerstags geplant“, sagt der Godesberger Fischhändler, der übrigens aus einer Bäckerfamilie stammt. „Doch all die Süßigkeiten haben mich nie gereizt“, sagt er.