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Ein Regelbuch für Außenwerbung: Gestaltung der Bad Godesberger Innenstadt

Ein Regelbuch für Außenwerbung : Gestaltung der Bad Godesberger Innenstadt

Nach jahrelanger Diskussion wurde die Gestaltungssatzung für Bad Godesberg beschlossen. Jetzt wurde diese den Geschäftsleuten vorgestellt. Ein Streitthema war die Außengastronomie.

Ansprechendere Schaufenster, dezentere Firmenlogos, reduzierte Auslagen und eine geordnete Außengastronomie – das sind einige Ideen, die die Stadt mit ihrer neuen Gestaltungssatzung für die Bad Godesberger Innenstadt umsetzen möchte. Wie berichtet, wurde diese nach jahrelanger Diskussion nun von den politischen Gremien beschlossen, am Dienstagabend stellten Vertreter der Stadt, des Vereins Stadtmarketing und des Einzelhandelsverbands Rhein-Sieg Euskirchen den Geschäftsleuten die „Gestaltungs- und Werbesatzung Stadtbezirkszentrum Bad Godesberg“ vor.

Wilfried van Vorst vom Stadtplanungsamt präsentierte mit „Vorher-Nachher-Bildern“ aus städtischer Sicht gelungene Beispiele aus der Bonner Innenstadt, in der eine solche Satzung bereits seit 2015 gilt. „Die Satzung ist kein Gebetsbuch, auch keine Bibel“, betonte der Stadtplaner. „Über Ausnahmen wird man im Einzelfall reden können und müssen.“ Entscheidend sei, ob die gewünschte Abweichung in das Gesamtbild der Innenstadt passe. Weiterhin gelte die Satzung nicht für bestehende Werbung. „Es geht nicht darum, Kosten zu verursachen“, so der Stadtplaner.

Viele Geschäfte wie Fisch Stuch, Am Michaelshof 6, seien bereits im Sinne der Satzung: Die Markise, das Logo und die Außengastronomie seien dort aus einem Guss. Beeindruckt zeigte er sich von der Alten Apotheke in der Koblenzer Straße. „Das zeigt, wo wir hin wollen“, sagte er über ihre Gestaltung.

Streitthema war die Außengastronomie: Manche Inhaber kritisierten benachbarte Gastronomen, die Tische und Stühle auch vor fremden Geschäften aufstellten. Damit würden sie die Reinigungskosten auf andere abwälzen, obwohl sie für die Verschmutzung verantwortlich sind. Wie in diesem Fall eine Genehmigung zustande kam, konnte van Vorst nicht sagen, vermerkte den Punkt aber für Nachforschungen.

Ein Quadratmeter Außenfläche kostet 55,40 Euro Miete

Im Moment sind in Bad Godesberg 1168 Quadratmeter Außenfläche an 32 Gaststätten vermietet, teilte das Presseamt auf GA-Anfrage mit. Die Genehmigungen werden befristet für ein Jahr vergeben, ein Quadratmeter kostet 55,40 Euro. Dabei kann laut Presseamt vor dem eigenen Geschäft so viel Platz angemietet werden, wie vorhanden ist, solange Bau-, Straßen- und Wegerecht beachtet werden und der Verkehr nicht behindert wird.

Bedenken gab es auch wegen der Gestaltung der Schaufenster. „Ich darf die Fenster in meinem eigenen Geschäft nicht mehr von innen bekleben?“, wunderte sich ein Anwesender. Van Vorst konnte beschwichtigen: Ein Schaufenster soll Einblick in das Geschäft ermöglichen. 20 Prozent der Fläche dürften aber trotzdem jederzeit beklebt werden, bei Spezialfällen wie Schlussverkäufen auch kurzfristig mehr. Mit gewissem Abstand zum Fenster könnten außerdem Plakate aufgehangen werden.

Ähnliche Missverständnisse konnte van Vorst ausräumen. Die ersten Reaktionen auf die Satzung erschienen daher zurückhaltend positiv. Brigitte Grüll, ehemalige Vorsitzende des Stadtmarketings, bedankte sich für die Präsentation und zog den Vergleich zu vergangenen Maßnahmen: „Es ist sehr deutlich herüber gekommen, dass die Satzung strenger ist als die Gestaltungsoffensive, aber nicht unverhandelbar.“

Die Stadt möchte explizit die Erfahrungen der Betroffenen mit einbeziehen. Zunächst ist die Satzung deshalb bis zum 30. Juni 2018 befristet. Die Anwesenden einigten sich auf ein Gespräch im Januar 2018, um ihre Erfahrungen zu bündeln. Spätestens im April müsse eine Vorlage für die Stadt vorliegen, so van Vorst, damit diese rechtzeitig verarbeitet werden könne. Im Herbst wird zum Thema außerdem eine Bürgerversammlung folgen.