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Fest der Hoffnung und der Kuchen: Godesberger erzählen von Osterbräuchen anderer Nationen

Fest der Hoffnung und der Kuchen : Godesberger erzählen von Osterbräuchen anderer Nationen

Ostern international: Godesberger erzählen von Marzipan-Aposteln, der Eiersuche beim Weißen Haus und dem Verkehrschaos am Ostermontag – und davon, dass in Coronazeiten alles anders ist.

Psychologen halten es für vertretbar, dass Eltern den Glauben ihrer Kinder an den Osterhasen fördern. Das ist nett von ihnen, denn sonst müsste zum Beispiel Sandra McLean sich überlegen, wie sie ihrer Tochter Daniela klarmacht, dass es diesen Hasen gar nicht gibt. Der Nachwuchs mag sich seinen Teil vielleicht schon denken: Daniela ist 13 Jahre alt, kommt aber noch gut mit der Erklärung ihrer Mutter klar, dass der Osterhase, wenn die Kinder ein bestimmtes Alter erreicht haben, die Aufgabe des Eierversteckens an die Eltern überträgt. „Er hätte sonst zu viel Arbeit.“

Das Mädchen ging früher auf die Independent Bonn International School, kurz IBIS, auf dem Heiderhof. Die Schule eignet sich gut, um zu erfahren, wie das Osterfest in anderen Teilen der Welt gefeiert wird. McLean ist US-Amerikanerin und berichtet, dass sich die Traditionen dort nicht wesentlich von denen in Deutschland unterscheiden – vielleicht seien sie ein wenig kommerzieller, meint sie. Zentrales Ereignis: „Egg hunt“, ein Großereignis auch im Garten des Weißen Hauses, McLean hat es als Kind selbst miterlebt.

In Amerika kullern die Eier den Hang herunter

Die Eier werden vor Ostern bunt gefärbt, man dekoriert das Haus oder die Wohnung, und in der Nacht verrichtet der Osterhase sein Werk. Der Osterbrauch wurde von deutschen Einwanderern in die USA getragen und hat sich weiterentwickelt: Wenn die Kinder die Eier gefunden haben, lassen sie sie einen Hang hinunterrollen – oder schieben sie mit langen Löffeln über den Rasen des Weißen Hauses; der US-Präsident fungiert dabei als Schiedsrichter. Das fällt wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr genauso aus wie 2020. Ähnliches gibt es auch in England, Dänemark, und auch in Deutschland findet man Gefallen daran.

Überall auf der Welt ist das richtige Gebäck eine zentrale kulinarische Osterkomponente, sei es Kulitsch, das russische Osterbrot, der spanische Osterkuchen Mona de Pascua oder der irische Simnel cake. Der, berichtet die stellvertretende IBIS-Schulleiterin Tara O’Shea, wird mindestens einen Monat vor Ostern gebacken, ist mit getrocknetem Obst gefüllt und mit Marzipan überzogen. Auf dieser Schicht befinden sich zwölf Marzipankugeln. „Sie stehen für die zwölf Apostel.“ Eine wichtige Zutat darf natürlich nicht fehlen: der Whiskey. Auch für die Kinder? „Wir sind abgehärtet“, sagt O’Shea mit diesem sympathischen irischen Lachen.

In Irland gibt es viele Messen

Ostern sei im katholisch geprägten Irland eine sehr spirituelle Angelegenheit, berichtet sie. Eiersuchen und Ostermahl gehören auch dort dazu, aber schon in der Woche vor Ostern wird oft in die Kirche gegangen, man nimmt die Fastenzeit sehr ernst. In normalen Zeiten fliegt O’Shea immer über Ostern nach Irland und trifft die Familie.

Überall auf der Welt ist es ein Fest der Familie, weshalb Ostern für viele in diesem Jahr nicht ganz so schön ausfällt. In Italien etwa wird sonst sehr ausgelassen gefeiert, berichten die IBIS-Schülereltern Michela und Ulrico Villani Polic. Sie kommen aus Rom und leben mit Federico (7) und Ludovico (11) auf dem Heiderhof.

„Der Sonntag bietet die Möglichkeit, mit der Familie zusammen zu sein“, erzählt der Familienvater. Man trifft die Verwandtschaft, dann gibt es erst ein großes Frühstück mit Kuchen – der herzhafte heißt Casatiello und ist mit Schinken und Käse gefüllt, der süße ist die Pastiera, unter anderem mit Ricotta und Orangenblütenaroma – sowie Corellina, einer Art Salami. Das Mittagessen fällt noch üppiger aus, meist gebe es Lamm.

Italiener zelebrieren das Fest mit vielen Mahlzeiten

Nachmittags ist wieder Gebäck angesagt, Pandoro und Panetone, außerdem Colomba pasquale, ein mit Schokolade gefüllter Kuchen in Form einer Taube, und Zuckerlämmer. Für Ludovico steht das Treffen mit den Verwandten im Vordergrund, aber für Federico ist noch etwas anderes wichtig: „Ich mag die Schokoladeneier und die Geschenke.“ Die Eier sind riesig, die Geschenke befinden sich im Inneren.

Verrückt, und zwar auf den Straßen, wird es an Ostermontag. An dem Tag trifft man Freunde. „Alle verlassen ihre Häuser.“ Restaurants sind normalerweise ausgebucht, man kommt zum Grillen in Parks zusammen oder eröffnet die Ferienhaussaison, wenn man eins hat. Restaurants bleiben in diesem Jahr geschlossen, aber der Verkehr wird trotzdem schlimm sein, vermutet Michela Villani Polic. Ostern in Italien, das bedeutet auch Karfreitags-Prozessionen mit Jesus-Statuen und den Urbi-et-orbi-Segen des Papstes auf dem Petersplatz in Rom.

Das Osterfest ist eine Zeit des Neubeginns und soll Hoffnung machen, und das finden alle Befragten vor allem in diesen Zeiten wichtig. „Man trifft sich auch, um positive Pläne für die Zukunft zu machen“, sagt Ulrico Villani Polic. Sandra McLean vermittelt ihrer Tochter die Hoffnung, „dass die harten Zeiten bald vorbei sind“. Und man solle die Gelegenheit nutzen, „darüber nachzudenken, was man hat, das andere nicht haben“, meint Tara O’Shea.