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Faszination Minigolf: Godesberger Verein spielt 3. Minigolf-Bundesliga

Faszination Minigolf : Godesberger Verein spielt 3. Minigolf-Bundesliga

Minigolf ist längst nicht mehr nur Freizeitaktivität. Der MSC Bad Godesberg spielt unter anderem in der dritten Bundesliga. Erklärtes Ziel des Weltverbands ist Olympia.

Die erste Bahn auf der Anlage der Familie Trimborn an der Marienforster Straße sieht recht simpel aus. Ein paar Meter geradeaus, dann kommt das Loch. Als Laie ist man versucht, den Ball direkt in die Mitte des etwa 30 Zentimeter großen Kreises am Abschlag zu legen. Doch das wäre schon der erste Fehler, verrät Ralf Brunner. An den Rand des Kreises muss der Ball, etwa auf 14 Uhr. Warum nicht in die Mitte? „Das haben wir so ausprobiert“, erklärt der Minigolfveteran. Er schlägt – und siehe da: Der Ball durchrollt eine leichte Linkskurve und versenkt sich ohne weitere Umwege brav im Loch.

Brunners Expertise kommt nicht von ungefähr. Seit fast 25 Jahren spielt der 46-Jährige Minigolf beim MSC Bad Godesberg und ist dort mittlerweile Erster Vorsitzender. Drei Mannschaften stellt der Verein: je eine in der vierten und fünften Bezirksliga und eine in der dritten Bundesliga, denn Minigolf gehört längst nicht mehr nur aufs Programm von Kindergeburtstagen. Die World Minigolf Sport Federation (WMF) organisiert weltweit mehr als 38.000 registrierte Mitglieder in 65 Verbänden, die jährlich 1300 Turniere veranstalten. Im März fand im neuseeländischen Auckland die erste Ozeanien-Meisterschaft statt. Die erste Afrika-Meisterschaft ist für nächstes Jahr geplant. Minigolf als Sport, nicht nur als Freizeitaktivität, ist damit auf allen fünf Kontinenten angekommen. Langfristiges Ziel ist die Anerkennung als olympische Disziplin.

Im Unterschied zum Golf sei beim Minigolf nicht der Schläger, sondern der Ball das Entscheidende, weiß Brunner und präsentiert den Inhalt seiner Umhängetasche. Weit über 20 unterschiedliche Minigolfbälle liegen darin. Lackierung, Härte, Größe und Gewicht beeinflussen zum Beispiel, wie schnell der Ball rollt und wie er von der Bande abprallt. „Wir haben Leute mit 500 und mehr Bällen im Verein“, berichtet Brunner. Als hätte er sein Stichwort gehört, betritt Sebastian von Block, Geschäftsführer des MSC, die Anlage. Bei ihm zu Hause stapeln sich mehr als 1800 Bälle, gesteht er. Man könne aber schon mit zehn unterschiedlichen Bällen viele Situationen abdecken.

Währenddessen hat Brunner den Abzieher geholt und beseitigt damit Überreste eines Schauers von Bahn 5. „Wir sind da ein bisschen pingelig. Nicht, weil der Ball nass wird. Aber Wasser bremst und lässt den Ball an der Bande abrutschen“, erklärt er. Das Wetter sei ohnehin ein wichtiger Faktor. Die Temperatur habe starke Auswirkungen auf das Material der Bälle. In der Nationalmannschaft habe man deswegen extra Heizkoffer. „Da kannst du die Temperatur bis auf ein halbes Grad einstellen“, weiß von Block. Ein bisschen zu teuer für den MSC: Dort greift man auf Thermometer und Socken oder Waschlappen zum Warmhalten zurück.

Bahn 5 besteht aus einer 180-Grad-Kurve, die zum Teil angeschrägt ist. Der Trick sei hier, relativ früh an die äußere Bande zu spielen, damit der Ball nicht in den zwei Steinen hängen bleibt, die auf dem ebenen Teil der Kurve stehen. Trotz perfekter Ausführung schafft von Block kein „Ass“, also den Ball mit dem ersten Schlag zu versenken. Am Kurvenausgang wird die kleine Kugel von einem Klumpen Erde abgelenkt. „Nicht ordentlich geputzt“, sagt er mit finsterem Blick vorwurfsvoll zu Brunner. „Wir sind sehr ehrgeizig“, erklärt dieser die Reaktion des Kollegen grinsend. „Wir wollen immer beim ersten Versuch einlochen.“ Die Anzahl der Schläge, die man für 18 Bahnen braucht, variiere von Anlage zu Anlage. Hier sei alles unter 30 schon sehr gut. Brunners Rekord liegt bei 23 Schlägen, von Blocks bei 21. Den Platzrekord stellte 2012 Uwe Seiler mit 20 Schlägen auf.

Was am Minigolf so faszinierend ist? „Man kann viel austüfteln“, meint von Block. „So wie Skifahrer auch überlegen, welches Wachs sie brauchen.“ Dazu komme, „dass alle Generationen miteinander spielen können“. Bei Turnieren und in den unteren Ligen werde nicht nach Alter oder Geschlecht getrennt. Der Einstieg fiele im Vergleich zu anderen Sportarten leicht: „Unter Anleitung sieht man schnell Erfolge“, weiß er aus seiner Anfangszeit. Zum Abschalten nach Feierabend sei Minigolf ideal, ergänzt Brunner. Darüber hinaus sei es ein erschwingliches Hobby, das man ganzjährig spielen könne. Die Bundesliga-Saison laufe zwar nur von April bis August, aber: „Es gibt keinen Winterschlaf bei uns“, erzählt Brunner lachend.