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„Auch im Alter muss man das Leben tanzen“: Godesbergerin schreibt Buch über das Älterwerden

„Auch im Alter muss man das Leben tanzen“ : Godesbergerin schreibt Buch über das Älterwerden

Die Godesberger Autorin Helga Linder präsentiert in ihrem Buch „Männer-Spätlese“, wie fünf Bonner Männer altern und wie sie damit umgehen.

Den Kopf in den Sand stecken? Das kommt für die fünf älteren Herren im neuesten Buch der Godesberger Autorin Helga Linder nicht infrage. Und für die 70-jährige Schriftstellerin selbst erst recht nicht. Klar, das Altern sei eine Herausforderung. „Aber auch noch über 65 muss man das Leben tanzen. Nie war Älterwerden so schön wie heute“, sagt Linder mit Überzeugung.

Man könne sich gut ernähren, Sport treiben und die Fortschritte der Medizin nutzen, sodass der Körper den Menschen mit immer mehr Lebensjahren belohne. „Statistisch sind es zwei Jahrzehnte, die nach dem Renteneintritt noch vor uns liegen. Und die sollten wir nutzen“, meint Linder. Ihre fünf Protagonisten Jonny, Freddy, Achim, Nöres und Hermann, von denen zwei anonym bleiben wollen und einer fiktiv ist, machen es im Buch vor. „Wir sind noch nicht ranzig“, lässt die Autorin die Herrenriege sagen.

Da ist einmal Jonny, der einst in die Godesberger Bachschule ging und in der Redoute seine Ausbildung zum Koch absolvierte. „Heutzutage bin ich klüger, glücklicher und gesünder als in früheren Zeiten“, lässt Linder den Pensionär sagen. Nach Andalusien ins „Land der ewigen Sonne“ zieht es Jonny immer dann, wenn er nicht gerade zu Hause in Friesdorf weilt – und im Ehrenamt behinderte Kinder zur Schule fährt. Jeden Tag steht er dafür früh auf und freut sich am fröhlichen Wesen der Schüler. „Es gibt mir sehr viel, mit ihnen zusammen zu sein. Es macht mich stolz und glücklich“, sagt Jonny.

Da ist der Bonner Freddy, „der Friedliche“, der sich per Drahtesel nach Trier aufmacht oder in seinem Schrebergarten werkelt. Achim hat es hingegen immer schon in die weite Welt gezogen: Je nach Stand des Portemonnaies verwirklicht er seine Pläne nun – sich nämlich mit der Partnerin treiben zu lassen.

Und dann ist da noch der Bonner Rentner Nöres, der noch im Morgengrauen die Tageszeitung austrägt, um sich besondere Wünsche zu erfüllen: in der Natur, im Tennis, im Fußball, im Karneval.

Der Fünfte im Bunde ist schließlich Hermann, die fiktive Gestalt, die die Autorin aus mehreren „Kandidaten“ zusammengestrickt hat. Mehrere mögliche Hermanns waren abgesprungen, weil ihre Partnerinnen nicht wollten, dass ihr Mann im Buch erzählt, so Linder. Aber diesen Typus Mann, der auch im Alter noch einmal das Glück mit einer jungen Frau findet, wollte sie unbedingt in ihr Buch einbauen. Hermann spricht offen über Themen, die die anderen eher aussparen, wie Sex im Alter. „Die hocherotische Anziehung zwischen uns beiden hat ihre Ursache darin, dass ich mit meiner Evi umzugehen weiß“, sagt Hermann im Buch.

Lindner selbst hat als Ehefrau und Mutter über Jahre ein sämtliche Familienmitglieder begeisterndes Familientagebuch geschrieben. Eine Lektorin riet ihr schließlich, doch ein autobiografisches Buch daraus zu machen, das unter dem Titel „Überleg es dir genau“ 2015 erschienen ist. Verlegerin Tanja Schröder habe ihr dann Mut gemacht, ein weiteres Buch über das Alter anzugehen. „Irgendwann machte es peng, und ich habe im Freundeskreis Männer gesucht, die mir über ihr Leben im Alter erzählen wollten“, sagt Linder. Und eben darüber, dass man sein Leben auch als Rentner noch tanzen kann.

Das Buch „Männer-Spätlese. Wir sind noch nicht ranzig. Biografische Erzählungen“ von Helga Linder, Romeon Verlag 2018, 9,95 Euro.