1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Bad Godesberger geben 330 Altgeräte ab: Gold, Silber und Kupfer aus alten Handys recyceln

Bad Godesberger geben 330 Altgeräte ab : Gold, Silber und Kupfer aus alten Handys recyceln

Sie wollten ein Zeichen setzen: Statt sie wegzuwerfen, sammelten Markus Kaufmann und Hermann Kölling in Bad Godesberg 330 alte Handys und spendeten sie für eine Recycling-Aktion des Hilfswerks Missio.

Seriösen Schätzungen zufolge verstauben rund 200 Millionen alte Handys in deutschen Schubladen. Gegen diese Verschwendung von Ressourcen sind Markus Kaufmann und Hermann Kölling aus Bad Godesberg in den vergangenen Monaten vorgegangen. Beide engagieren sich im katholischen Seelsorgebereich Bad Godesberg, der eine als Referent, der andere als Vorsitzender des Arbeitskreises „Schöpfung und Eine Welt“. Zusammen mit ihrem Kirchengemeindeverband haben sie 300 alte Mobiltelefone für die Missio-Aktion „Handys recyceln – Gutes Tun“ spenden können. Die Missio-Aktion sorgt nicht nur für einen nachhaltigen Umgang mit wertvollen Ressourcen, sondern ermöglicht es auch, Kriegsopfern in der Demokratischen Republik Kongo zu helfen.

„Ich bin im Seelsorgebereich auch für die EDV verantwortlich. Und ständig werden bei uns in der Gemeinde alte Handys abgegeben. Da haben wir uns gefragt: Was können wir damit noch machen?“, sagte Kaufmann. „Im Internet sind wir dann auf die Missio-Aktion gestoßen.“ Mit dem Erlös unterstützt Missio Familien im Kongo. Das Land leidet unter dem Krieg, der um die rohstoffreichen Regionen geführt wird. Dabei geht es um Rohstoffe wie Coltan – Ressourcen, die zur Herstellung unserer Smartphones benötigt werden.

Kaufmann und Kölling konnten sich jetzt auch davon überzeugen, dass die Alt-Handys fachgerecht recycelt werden. Sie durften einen Blick hinter die Kulissen des Missio-Kooperationspartners Mobile-Box in Köln-Ehrenfeld werfen. „Da müssen wir auch mal mit Nagellackentferner ran“, scherzte Eric Schumacher, Geschäftsführer von Mobile-Box, beim Rundgang durch den Betrieb, als er eines der gespendeten Handys in der Hand hielt, um es zu reinigen. „Von 100.000 Handys, die wir jährlich empfangen, können 90 bis 95 Prozent recycelt werden. Allein aus 40 Handys kann schon ein Gramm Gold wiedergewonnen werden“, informierte Schumacher die Godesberger Gäste. Das entspreche so viel wie einer Tonne Golderz, die geschürft werden muss. Aber auch Silber und Kupfer könnten aus den alten Mobiltelefonen wiederverwertet werden, betonte Schumacher. „Die restlichen fünf bis zehn Prozent der Alt-Handys werden bei uns aufbereitet und anschließend über unseren Online-Shop wieder verkauft.“ Ein wichtiger Punkt im Zuge der Aufbereitung ist die Löschung der Daten, die sich noch auf dem jeweiligen Alt-Handy befinden. Auf allen Geräten werden die Daten stets vollständig gelöscht, sodass diese anschließend ohne Sorge wiederverwendet werden können.

Von den Erlösen aus Wiederverkauf und Recycling der alten Mobiltelefone, die bei Mobile-Box eingehen, erhält Missio einen Betrag, der wiederum der Arbeit von Missio-Partnern wie Thérèse Mema Mapenzi zugutekommt. Die Trauma-Expertin versorgt Opfer von sexualisierter Gewalt im Kongo, denn dort werden die brutalen Vergewaltigungen als Kriegswaffe im Kampf um die wertvollen Rohstoffe eingesetzt. Die gespendeten Alt-Handys von Kaufmann und Kölling aus Bad Godesberg helfen nun also dort, wo ein Teil ihrer Bestandteile hergekommen ist: mitten in der Demokratischen Republik Kongo. jüp