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Messe in der Stadthalle in Bad Godesberg: Große Lust auf Handarbeit

Messe in der Stadthalle in Bad Godesberg : Große Lust auf Handarbeit

Selbermachen ist Trend. Es lebe die Lust auf Handarbeit. Das war am Wochenende in der übervollen Stadthalle bei der zweiten Messe „Bonn Kreativ“ an allen Ständen der 50 Anbieter zu beobachten.

Gefühlt die Hälfte aller Bonnerinnen schien hier schon am Samstagmorgen einen Run auf Stoffe aller Arten und Farben, auf Kurzwaren für den Hobby- und Nähbereich, also Bänder, Garne, Metallzubehör, Reißverschlüsse und Schneidesysteme, zu starten. „Wir rechnen mit 7000 Besuchern aller Generationen. Aber im nächsten Januar werde ich mehr Platz bieten, auf 80 Anbieter hochgehen und alle Räume der Stadthalle anmieten“, versprach Jungveranstalter Marvin Okken. Der Kölner Student der Wirtschaftsinformatik aus einer kunsthandwerklich beschlagenen Oberkasseler Familie hat inzwischen aus seinem Bonner Versuchsballon vom März 2016 ein Kreativ-Messe-Programm in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens gebaut. „Der Trend geht gegen Massenproduktion. Die Leute wollen Geschenke, Karnevalskostüme und Schmuck wieder selber machen“, so Okken.

Und so kam der Besucher angesichts von Bergen an Nähmaterialien, Mal- und Zeichenzubehör, selbst gefertigten Teddybären und Puppen kaum durch die Reihen. Interessierte diskutierten über die Kunst des Stempelns und suchten Zubehör zur Kartengestaltung. „Ich habe bald Geburtstag und will mit meinen Freundinnen Perlenanhänger basteln“, meinte die neunjährige Anna Mittnacht, die mit Mutter Anja Stück für Stück die Ausrüstung für die Feier zusammenkaufte. Drüben packte Brigitte Felsing schon ihre erworbenen Schätze in die Taschen: Ein riesiges Lineal zum Selbstschneidern war dabei, bunte Stoffe und jede Menge rosa „Bömmel“. „Na klar, ich will Karnevalskostüme für meine Enkel schneidern“, bestätigte Felsing. Nähen mache ihr immer mehr Spaß. „Und hier auf der Messe finde ich alles Zubehör.“

Durch die Reihen schoben sich auch die Friesdorferinnen Anna und Katrin Düren. „Schau mal, das gab's früher auch bei uns in Geschäften, die leider inzwischen alle geschlossen haben“, zeigte Anna Düren der Schwiegertochter. Heute sei es doch schon schwierig, einen einfachen Reißverschluss in der Stadt zu kaufen. An Ständen mit großen Stoffballen ließen sich Dutzende Frauen das Material ihrer Träume abmessen. „Für meine Tochter muss es genau dieser grüne Stoff mit Braunbären sein“, erklärte Verena Keller, die aus St. Augustin gekommen war. Sie wolle endlich einmal nicht online Waren bestellen, sondern selbst prüfen. Auf der Bühne des großen Stadthallensaals wurde derweil von kleinen Experten fleißig gehämmert, geschnitten und gebastelt. Bei attraktiven Workshop-Angeboten war also auch der Nachwuchs gut versorgt. Und die Väter waren reihenweise auf Stühlen abgesetzt.

Derweil tummelten sich Neugierige um die handwerklichen Vorführungen. Drüben bei Glasbrennerin Barbara Spieß staunten Groß und Klein, wie die Expertin mit Gas und Flamme umging – und schließlich herzallerliebste Glasfrösche entstehen ließ. „Mit Feuer zu arbeiten, ist für mich wie Meditieren. Ich komme an der Flamme zur Ruhe und kann von aller Hektik abschalten“, berichtete Spieß. Patrizia Schmitt aus Hennef beobachtete genau, wie die Glasbrennerin vorging. „Ich glaube, einen solchen Kurs belege ich auch mal.“