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Hausaufgabenbetreuung bei Awo in Friesdorf geht wieder an den Start

Nachbarschaftszentrum der Awo : Persönlicher Kontakt bei Hausaufgabenbetreuung ist essenziell

Die Hausaufgaben- und Nachhilfe der Awo ist seit 2013 ein Renner. Doch mit Corona zogen sich die älteren Ehrenamtlichen zurück. Seit Kurzem ist der Einsatz wieder möglich. Dank Videotechnik und neuen jüngeren Frauen, die sich als Hausaufgabenhelferinnen meldeten.

Eigentlich scheint Aysha keine Hilfe zu brauchen. Zumindest nicht in Mathematik, zumindest nicht an diesem Tag. Die Achtjährige nimmt sich die Hausaufgabenblätter schon vor, bevor Nadine Bonikowski sich überhaupt hingesetzt hat, trägt Zahlen ein, blättert um, macht weiter, die dunklen Haare vor den kaum sichtbaren Augen, den Mund hinter einem Mund-Nasen-Schutz verborgen. Reden will sie nicht, lieber fertigwerden. Bonikowski lächelt.

Seit Juni vergangenen Jahres engagiert sich die junge Rechtsreferendarin in der Hausaufgabenbetreuung des Awo-Nachbarschaftszentrums in Friesdorf und kümmert sich um ihren jungen Schützling. „Die größte Herausforderung ist in der Regel Deutsch, da gibt es noch ein paar Defizite“, sagt sie. „Daher müssen wir intensiv miteinander reden, und das geht am besten im persönlichen Kontakt. Insofern bin ich froh, dass wir uns inzwischen wieder in diesen Räumlichkeiten treffen können. Es ist auch jetzt schon zu lange her.“

Treffen im Frankengraben beste Option, um zu lernen

Drei Monate lang lag die Hausaufgabenhilfe für bis zu 16 Grundschulkinder mit Migrationshintergrund quasi brach - gefangen im Lockdown. Es fehlten einfach die Räume, aber auch die Betreuer. „Wir organisieren diese Maßnahme seit 2013 mithilfe von Ehrenamtlern“, erklärt Anni Merzbach von der Awo. „Seit die Corona-Pandemie begann, haben sich aber vor allem die älteren Helferinnen und Helfer aus Angst vor einer Ansteckung zurückgezogen, und ab Dezember konnten wir auch niemanden mehr ins Haus lassen. Seit Anfang März haben wir das so gelöst, dass ich während der Betreuung zum Teil sogar mein Büro verlasse, damit wir die notwendigen Abstandsregeln einhalten können.“

Dabei sind die Treffen in den Räumlichkeiten im Frankengraben für viele Kinder nun einmal die beste Option, um effektiv zu lernen. „Ich habe Aysha auch mal zu Hause besucht, aber da mangelte es an Ruhe und Konzentration“, sagt Nadine Bonikowski. Und Online-Betreuung? Ist auch keine Lösung. „Viele Kinder, die unser Angebot annehmen, verfügen nicht über einen geeigneten Rückzugsort für so eine Videokonferenz“, erklärt Eva Flocken, eine weitere Ehrenamtliche, die das von ihr betreute Kind inzwischen kurzerhand zu Hause empfängt. „Viele Feinheiten kann ich auf digitalem Wege gar nicht vermitteln. Außerdem fehlt ein ganz wesentlicher Faktor: das Spielen, das wir im Anschluss an die Hausaufgaben machen und das extrem wichtig ist.“

Kinder lernen im Spiel

Das kann auch Lioba von Lovenberg nur unterstreichen. Die pensionierte Erzieherin engagiert sich seit etwa fünf Jahren in der Awo, um „Fremden in einem fremden Land zu helfen“, wie sie selbst sagt. „Auch im Spiel lernen Kinder“, betont sie, „denn sie müssen sich ja mitteilen und festigen so ihre sprachlichen Fähigkeiten. Normalerweise würden sie so etwas ja auf dem Schulhof machen, aber durch die Pandemie ist das leider nur eingeschränkt möglich. Daher sind die Kinder überaus dankbar und froh, dass wir einmal pro Woche für sie da sind und ihnen diesen Freiraum geben.“

Eine Stunde dauert die Hausaufgabenbetreuung, eine Stunde zum Lernen und Spielen. „Diese Zeit nehme ich mir gerne“, betont Nadine Bonikowski, „auch wenn ich in meinem Job ein bisschen flexibel mit den Terminen sein muss. Viele Eltern stoßen ja gerade an ihre Grenzen, und insofern war es für mich selbstverständlich, mich hier bei der Awo zu melden und meine Unterstützung anzubieten.“ Diese Motivation eint sie mit den anderen Ehrenamtlern - das und die Dankbarkeit der Kinder.