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Schnäppchenjagd in Godesberger Villa: Haushaltsauflösung einmal anders

Schnäppchenjagd in Godesberger Villa : Haushaltsauflösung einmal anders

Börsensturz in China, die Eurokrise ungelöst, und Guthabenzinsen ein Wort aus dem Geschichtsbuch. Was liegt da eigentlich näher, als wenigstens einen Bruchteil der eigenen Liquidität in netten Kleinigkeiten anzulegen. In einer Villa in Schweinheim läuft derzeit eine Jagd nach edlen Schnäppchen.

Vielleicht ungefähr so wie die Dame, die am Freitagnachmittag neben der zertifizierten Kaltnadelradierung von Salvador Dalí für 1900 Euro auch noch kurzerhand für 1600 die sitzende Hundefigur einpackt. Oder auch noch die Jugendstillampe für 3900 Euro? Echte Schnäppchen inmitten all der anderen Kostbarkeiten aus den unergründlichen Weiten von Kunst, Mobiliar, Accessoires und Porzellan, die derzeit in einer Schweinheimer Villa angeboten werden.

Vermutlich kauft es sich mit Fernblick auf das Siebengebirge einfach befreiter als in der Enge eines Krämerladens. Auktionator Peter Lindenfeld jedenfalls wirkt schon kurz nach "Geschäftsöffnung" hoch zufrieden. Mehrere Dutzend potenzielle Kunden flanieren durch die großzügige Nachkriegsvilla und bestaunen, bewerten oder beschmunzeln die Schmuckstücke, von denen Lindenfeld und sein Sohn einen wesentlichen Teil aus dem heimischen Auktionshaus im Taunus nach Bad Godesberg mitgebracht haben.

Oft seien es Restbestände aus Erbschaften, die sie im Auftrag der Nachkommen gegen Provision vermarkten, erklärt Lindenfeld. Manchmal böte sich der Verkauf des Inventars auch gleich im angebotenen Objekt an. Zumeist aber würde das Angebot noch um Stücke aus dem eigenen Bestand ergänzt und die "Verkaufsräume" so dekoriert, wie es ein distinguiertes Publikum erwartet.

Denn das Flair muss schon stimmen: Unter Villen mit mindestens 400 Quadratmetern macht Lindenfeld es nicht. Die Klientel in der Region um Bonn schätzt Lindenfeld übrigens sehr: "Wir haben vor einiger Zeit schon einmal in Oberkassel eine wunderschöne Villa aufgelöst und dabei sehr guten Zulauf gehabt", sagt der 57-Jährige. Ohnehin laufe das Geschäft gut: "In Zeiten wie diesen überlegt man eben, ob man das Geld auf der Bank liegen lässt", sagt der Verkäufer. Oder mit den Beinen lieber fest auf einem echten persischen Tebriz steht.

Der ist nicht nur selten wegen seiner quadratischen Form, sondern auch kostbar ob seines Materials: Die Korkwolle stammt vom Nacken einjähriger Schafe. Und doch ist Lindenfeld heute bereit, ihn für 7000 Euro abzugeben - "in Gottes Namen". Die überdimensionale Rolls-Royce-Emily trägt ein Preisschild mit den Ziffern 5750, und die Granolithographie von Gustav Klimt ist für 1600 Euro zu haben. Ein Glanzstück des Sortiments ist die handsignierte Farblithographie, die Joan Miró einst mit dem Vermerk "e.a." ("Epreuve d'artiste") versah.

Zwei Buchstaben, die ihren Preis haben: Das rare "Privatexemplar" des Künstlers kann für 39 000 Euro schon heute Nachmittag die Wand einer Bonner Dreizimmerwohnung zieren. Schwieriger wird das bei dem Pokertisch, der auf unbekannte Weise den Weg aus Amerika nach Deutschland fand. 29 000 Euro möchte Peter Lindenfeld gern dafür haben. Für diesen Preis kann man dann entscheiden, an welchem Schnitzwerk sich das Pokerglück denn wohl am besten anlehnt: Die Zeichen für Kreuz, Karo, Pik und Herz zieren groß die Rückenlehnen der Stühle.

Für den gewöhnlichen Trödler ist die Veranstaltung wohl eher nichts. Denn in den Straßenzügen oberhalb der Godesburg wird die finanzielle Luft womöglich etwas dünn. Spontankäufe für Beträge von rund 10 000 Euro sind in den ersten Stunden gleichwohl zu beobachten. Hier verliebt man sich in eine Chagall-Litographie, dort schwankt man noch zwischen dem Barockschrank und der Biedermeierkommode - "und vielleicht auch noch den Samowar?". "Unsere Kunden suchen mit dem Herzen aus", sagt Peter Lindenfeld schmunzelnd.

Während sich einige seiner Kunden schon mit der Frage herumschlagen, wie die Sitzgarnitur wohl nach Bergisch Gladbach zu bringen ist, bekennen andere, ausschließlich aus Neugier gekommen zu sein: "Ehrlich gesagt, ist das hier nicht so ganz mein Stil. Aber die Art der Präsentation gefällt mir schon", sagt Besucherin Gisela Becker. Wenn, dann wäre wohl eine der Justitia-Figuren aus Bronze etwas für die Juristin.

Wer möchte, kann auch gleich die ganze Immobilie kaufen - "zu einem sehr interessanten Preis und provisionsfrei", sagt der Auktionator. Ansonsten muss niemand drängeln. Für die verbleibenden drei Tage ist noch etwas übrig.

An diesem Samstag, Sonntag und Montag geht der Verkauf weiter. Zu sehen ist das Sortiment in Schweinheim, Auf dem Rotkopf 9, an jedem Tag von 10 bis 19 Uhr.