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Mehlem: Heilandkirchen-Orgel geht nach New York

Mehlem : Heilandkirchen-Orgel geht nach New York

Die Peter-Oberlinger-Orgel der evangelischen Heilandkirche geht im Oktober über den Großen Teich, und zwar in eine polnische Exilkirche in New York.

„Ja, sie wird dort sozusagen katholisch. Unsere Gemeinde hat an die New Yorker Saint Hyacinth R.C. Church verkauft“, erläuterte Kantor Julian Hollung. Er wird das gute Stück am Sonntag, 25. September, ab 18 Uhr zum letzten Mal in der Domhofstraße bespielen. Stücke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy stehen auf dem Programm. Zudem werden die Mehlemer am Sonntag um 11 Uhr nach dem Gottesdienst in einer Versammlung erfahren, wie genau es mit ihrer Kirche und dem Orgelspiel weitergeht. Die Entscheidung darüber fällt am Freitagabend. „Denn die Kirche soll ja umgebaut werden. Da traf sich der Zeitpunkt des Orgelverkaufs gut. Dieses Instrument passte nämlich nie wirklich in die Kirche“, erklärt Hollung.

Der 28-jährige Kantor der Heiland- und der evangelischen Gemeinde Wachtberg war bei seinem Amtsantritt 2015 erstmals auf die 1965 gebaute Orgel mit zwei Manualen und 17 Registern, die auf die Empore gequetscht ist, gestoßen. 1979 war sie mehr schlecht als recht erweitert worden. Das größte Problem laut Hollung: Die langen Pfeifen des Instruments müssen bis heute abgeknickt am Boden liegen. Sie hätten somit keinen Raum zum Klingen. Und das in einem Gotteshaus, das ohnehin akustisch relativ schwierig zu bespielen sei. Es biete wenig Nachhall. Jedes Lied, jeder Choral klinge erst einmal „trocken“, sagt Hollung.

Das für ihn zweite Manko der alten Orgel: Sie habe im damals modernen Neo-Barock-Stil den angeblich historisch nüchternen Klang der Bach-Zeit kopieren wollen: Sie klinge scharf, spitz, ja fast schrill. In den 1960er Jahren habe der Orgelklang halt protestantisch aufrütteln sollen. Alles das werde nun mit dem seit Längerem geplanten Umbau und einer neuen Orgellösung korrigiert, hofft der Kantor. Den aktuellen Stand dazu erhalten die Gemeindemitglieder also am Sonntag.

Klar ist, dass das Presbyterium im Juli den Bauvertrag unterzeichnete und ein straffes Termin- und Kostenmanagement beschloss. Am 16. Oktober soll der letzte Gottesdienst in der „alten“ Kirche gefeiert werden. Danach sollen die Arbeiten beginnen und im April 2017 abgeschlossen sein, so Baukirchmeister Wolf Schmücker. Das beauftragte Architektenbüro beschreibt die Neuerungen so: Das schlichte Raumkonzept der Heilandkirche werde wiederbelebt und zeitgenössisch weiterentwickelt. Ziel sei eine vielfältige Nutzung auch etwa für kulturelle Veranstaltungen.

Ab dem 4. Oktober werden polnische Fachkräfte die alte Orgel aus der Heilandkirche ausbauen. „Sie werden sie vor Ort wieder einbauen, eine Orgel ist ja wie ein Riesen-Puzzle“, berichtet Andreas Ladach, ein internationaler Fachhändler für gebrauchte Pfeifenorgeln aus Wuppertal, der das Geschäft vermittelt hat. Die Saint Hyacinth R.C. Church in Glen Head sei eine katholische Gemeinde auf Long Island bei New York City, die vor allem von der polnischen Community in der Umgebung genutzt werde.

Und wie könnte die neue Orgellösung aussehen? Entweder man entscheide sich für ein neues oder ein hochwertiges gebrauchtes Instrument, das aber genau in den Kirchenbau passe, sagte Kantor Hollung. Bis dahin werde man sich mit einem Flügel und einer Truhenorgel im Gemeindesaal behelfen.