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Auf den Spuren von Nonnen und Mönchen: Hier gab es in Bad Godesberg Klöster

Auf den Spuren von Nonnen und Mönchen : Hier gab es in Bad Godesberg Klöster

Der Heimatforscher Hermann Josef Roth führt durch die Bad Godesberger Klosterlandschaft und erzählt von Doppelorden und Klöster als Wirtschaftskonzerne.

„Wissen Sie eigentlich, dass wir in Godesberg auf eine besonders reiche Klosterlandschaft blicken können?“, fragt Heimatforscher Hermann Josef Roth und zeigt hinüber zu einem Komplex, den Uneingeweihte nicht unbedingt als ein Zeugnis geistlicher Tradition betrachten würden: Gut Marienforst an der Landstraße nach Wachtberg-Pech. Das Gut liegt in der Morgensonne. Auf der anderen Seite grasen die Kühe des Milchviehbetriebs.

Während Roth aus der spannenden Historie erzählt, gewinnen die Reste alter Bausubstanz seit dem frühen 13. Jahrhundert plötzlich Konturen. „Hier wurde zeitweise sogar mit einem Doppelkloster experimentiert. Hier lebten also Nonnen und Mönche, natürlich in verschiedenen Häusern“, so Roth. Die Äbtissin wiederum, die habe natürlich „etwas feiner“ gewohnt: in einem Extrahaus mit Bediensteten. Roth deutet in den heutigen Gutshof hinein.

Der pensionierte Studiendirektor, der an einem Kölner Gymnasium arbeitete, ist passionierter Kenner der Godesberger Geschichte. „Köln war mir irgendwann zu laut und zu dreckig“, sagt Roth. Deshalb sei er nach Bad Godesberg zurückgekehrt. Er ist eigentlich promovierter Naturwissenschaftler, der anfangs von der Theologie und der Philosophie her kam. „Und in dritter Generation wurde ich dann Heimatforscher“, so Roth. Schon der Vater habe ihn bei Spaziergängen trainiert, immer auch die Geschichte mit einzubeziehen. Und mit geschärftem Blick ist er auch heute unterwegs, wenn er auf Rundgängen etwa von der hiesigen Klosterdichte berichtet.

Klosterlandschaft um die frühere Godesburg

Unter „Klosterlandschaft“ verstehe er einen wesentlichen Aspekt von Kulturlandschaft, die eben besonders hier um die frühere Godesburg ausgeprägt gewesen sei, so Roth. Natürlich seien an der geografischen Bruchstelle zwischen Mittel- und Niederrhein markante Berghöhen wie der Drachenfels, der Godesberg und Rolandseck strategisch wichtig gewesen. In ihrem Schutz entstanden Lager- und Umschlagplätze für Waren.

Die Römer hatten hier ihre linksrheinische Uferstraße angelegt. Aber auch schon in vorchristlicher Zeit dienten die Höhen bevorzugt als Kult- und Devotionsstätten, so Roth. Christliche Missionare hätten nur noch das Vorzeichen ändern müssen: So seien das Siegburger Michaelsberg-Kloster oder auch die Michaelskapelle an der Godesburg entstanden. Roth beginnt seine Touren meist eben an dieser kleinen Godesberger Kapelle, an der heute wie einstmals wieder eine Eremitin in einer Klause vorklösterlich lebt.

Ein ausgeflippter Student

Letztlich habe das westliche Mönchtum seine Keimzelle im italienischen Monte Cassino des im Jahr 543 verstorbenen Benedikt gehabt. „Das war ein ausgeflippter Student, der in einer Tempelruine eine religiöse Kommunität um sich scharte“, erzählt Roth. Nachahmer hätten Benedikts Idee aufgegriffen, mit Hilfe von Beten und Büßen den kürzesten Weg in Richtung Seelenheil einzuschlagen – oder mittels Stiftungen andere für sich beten und büßen zu lassen.

Roth führt bei seinen Spaziergängen von der Michaelskapelle gerne nach Friesdorf zum Klufterhof und zum Turmhaus. 1207 hatte das Stift Gandersheim den im 10. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Hof an die mächtige Abtei Heisterbach der Zisterzienser verkauft. Das Gut um das historische Turmhaus ging an die reiche Benediktinerabtei St. Michael in Siegburg.

Zäsur Anfang des 19. Jahrhunderts

„Nun muss man sich Klöster von damals ganz anders vorstellen als die heutigen spirituellen Kongregationen“, erzählt der Heimatforscher. Klöster seien in den frühen Jahrhunderten „so etwas wie Konzerne“ gewesen. Geistliche und wirtschaftliche Interessen seien nahtlos ineinander übergegangen. Die damaligen Hauptsitze großer Klöster, gerade der Zisterzienser, hätten Dependancen auch am Godesberg besessen, die tüchtig Gewinne abwarfen.

Erst der Eroberungszug von Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts habe dann die Zäsur, die Säkularisierung bedeutet. Roth hat noch vieles über die hiesigen Klosterlandschaft zu berichten. Woher nehme er die Zeit für die Auseinandersetzung mit der Historie? „Ach, ich habe keinen Fernseher. Da habe ich jeden Abend mindestens zwei Stunden frei für die Heimatgeschichte“, so Roth.