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Historisches "Ami-Club"-Gebäude: FDP will Sanierung und Neuverpachtung vorantreiben

FDP-Vorstoß für historisches Gebäude : „Ami-Club“ soll nun endlich saniert und neu verpachtet werden

Die Bad Godesberger FDP fordert die Herausnahme des Amerikanischen Clubs aus dem Erbpachtvertrag mit der Bonn International School. Das Gebäude, indem sich unter anderem John F. Kennedy und Konrad Adenauer trafen, soll saniert und neu verpachtet werden.

Zu Zeiten der Bonner Republik war der Amerikanische Club (American Embassy Club) ein bedeutender Ort in der jetzigen Bundesstadt. Dort trafen sich US-Präsident John F. Kennedy und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Den Tag, bevor er seine berühmte „Ich bin ein Berliner“-Rede hielt, verbrachte Kennedy ebenfalls in dem Club. Nicht selten war er Ort für Botschaftsempfänge.

Ein Gebäude, das viel erlebt hat und deshalb eigentlich auch erhaltenswert ist – die Realität sieht seit vielen Jahren allerdings anders aus. Das Gebäude verfällt, vom ehemaligen Glanz ist nichts mehr übrig.

Nun möchte die FDP durch einen Antrag in der Bezirksvertretung Bad Godesberg dafür Sorge tragen, dass sich am „Ami-Club“ endlich etwas tut. Wolfgang Heedt und Achim Schröder brachten den Antrag für die Freien Demokraten ein. Die „Instandsetzung und die Wiederinbetriebnahme“ des Gebäudes ist dabei das Ziel. Ein schlichter Wunsch, der allerdings nicht so schnell umgesetzt werden kann. Zuvor sind viele Gespräche zu führen und vor allem muss ein Geldgeber gefunden werden.

Bonn International School zahlt Erbpacht

Die Grundsteine für die Zukunft des American Embassy Clubs sollten eigentlich schon vor Jahren gelegt werden:  Ende der 1990er-Jahre übernahm die Vebowag das Anwesen und den dazugehörigen Club. Es gab Pläne dort unter anderem Wohnungen einzurichten, der Denkmalschutz machte den Planungen damals einen Strich durch die Rechnung. Die Vebowag übergab das Areal vor zehn Jahren an die Bonn International School (BIS) – in Erbpacht. Jährlich fallen seit dem für das gesamte Schulgelände rund 500 000 Euro Pacht an – viel Geld für den gemeinnützigen Elternverein, der die Schule trägt. 2013 wollte die Schule den Club sanieren und zu einer Aula inklusive Cafeteria und Küche umbauen. Doch auch daraus wurde nichts, wieder standen der Denkmal-, der Brand- und der Hochwasserschutz im Wege, erzählte BIS-Direktorin Patricia Baier dem GA im Mai. Die Kosten wären insgesamt viel zu hoch gewesen - Geld, das die Schule nicht aufbringen kann.

Die FDP möchte nun den Club wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen und vor allem die Bedeutung für die Bonner Republik in den Vordergrund stellen. „Mit der Zielsetzung, die Bonn International School auf gütlichem Wege schnellstmöglich aus dem Pachtvertrag für das Clubgebäude und das dazugehörige Grundstück zu entlassen“, heißt es in dem Antrag. Eine Möglichkeit sei es zum Beispiel, das Clubgebäude aus dem Pachtvertrag auszulösen – eine Idee, die die BIS und die FDP teilen.

„Wir sind offen dafür, dass das Gebäude von anderen genutzt wird“, bekräftigte BIS-Verwaltungsleiterin Sabine Schattenberg am Freitag gegenüber dem GA. So hätte es in der Vergangenheit auch schon einmal Interesse eines Rudervereines gegeben, der auf die BIS zukam. Schließlich liegt das Gebäude nahe des Rheins. Daraus wurde allerdings nichts.

Laut Antrag soll es zudem eine Zufahrtsmöglichkeit zu dem Gebäude von der Martin-Luther-King-Straße aus geben und die Immobilie soll „kostenbewusst“ saniert und wieder in Betrieb genommen werden. Außerdem, so der Plan der FDP, soll das Gebäude „zur Refinanzierung der Sanierungskosten“ im Anschluss neu verpachtet werden.

Runde Tische sollen Klarheit bringen

Um all das zu erreichen, fordert die Partei die Bonner Stadtverwaltung dazu auf, zwei sogenannte Runde Tische zu organisieren – bei diesen sollen die elementaren Fragen geklärt werden. Der erste Runde Tisch soll sich demnach mit der Lösung des Clubgebäudes aus dem Pachtvertrag mit der BIS beschäftigen. Zu den Gesprächen sollen Vertreter der Vebowag als Verpächterin, die BIS, das Städtische Gebäudemanagement und das Liegenschaftsamt geladen werden. Ein zweiter Runder Tisch soll sich dann damit beschäftigen, neue Nutzer für das Gebäude zu finden. An diesen Gesprächen sollen das Amt für Wirtschaftsförderung, die Untere Denkmalbehörde und potenzielle neue Nutzer teilnehmen. Zu dem Nutzerkreis könnten laut FDP Gastronomie-Betriebe, die Vereinten Nationen, das Haus der Geschichte, Bonner Schul- und Sportvereine oder auch der American-German Business Club zählen. Durch einen etwaigen Ideenwettbewerb könnten auch weitere Nutzungsmöglichkeiten ermittelt werden, heißt es in dem Antrag.

Bei Bedarf soll es auch weitere Runde Tische mit weiteren Experten geben. Die Ergebnisse aus den Gesprächen sollen dann noch vor der Ratssommerpause 2021 zur Beratung in den Ratsgremien vorliegen.  Bis dahin hat sich an dem geschichtsträchtigen Bau allerdings aktiv noch immer nichts getan.

Der Vorschlag der FDP soll in der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung am 7. Oktober behandelt werden.