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Hospiz am Waldkrankenhaus Nachfrage nach Hospizplätzen ist auch in Bonn groß

Bad Godesberg · Es ist ein Ort, an dem man seine letzten Tage und Wochen verbringt – und dennoch ein Ort zum Wohlfühlen. Wohl auch deswegen wünschen sich immer mehr Menschen, einen Platz im Johanniter-Hospiz am Waldkrankenhaus zu bekommen - aber die Warteliste ist lang.

Ein Raum zum Abschiednehmen: Kirsten Schmitt (links) und Angela Plange im Raum der Stille. Jeder Stern steht für einen Verstorbenen.

Ein Raum zum Abschiednehmen: Kirsten Schmitt (links) und Angela Plange im Raum der Stille. Jeder Stern steht für einen Verstorbenen.

Foto: Axel Vogel

Es ist ein Ort, an den Menschen erst dann kommen, wenn das Leben sich dem Ende zuneigt. Ein Ort der Trauer aber ist das Johanniter-Hospiz am Waldkrankenhaus deshalb noch lange nicht. Helle Zimmer, schöne Räume und gestaltete Flure sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Gemeinsames Essen, Kunst- und Musiktherapie, der Hundebesuchsdienst oder auch die Besuche der ehrenamtlichen Helfer vom Hospizverein tun ihr übriges. Es ist also ein Ort, an dem sich die Gäste trotz der Endlichkeit ihres Daseins wohlfühlen können. Wohl auch deshalb steigt die Nachfrage nach Hospizplätzen stetig an. Und zwar so stark, dass die Warteliste mittlerweile 80 Anfragen umfasst. Tendenz steigend.

Dass die Nachfrage steigt, hat für das Bad Godesberger Hospiz-Team gleich mehrere Gründe. „Viele Menschen sind allein zu Hause, die Angehörigen wohnen oft weit weg“, erklärt Angela Plange, die das Johanniter-Hospiz seit dem 1. März leitet. Darüber hinaus „werden die sozialen Kontakte weniger, wenn man krank ist“. Und: Wohnformen wie das frühere Mehrgenerationenwohnen gebe es nicht mehr häufig, fügt Hospiz-Verwaltungsleiter Philipp Schaefer hinzu.

Außerdem gibt es medizinische Erklärungsansätze. In Bonn und Köln gibt es laut Plange zwei große Krebszentren, die Zahl der Krebsfälle nehme immer weiter zu. Was das mit dem Hospiz zu tun hat? „90 Prozent unserer Gäste sind Krebspatienten“, sagt die Hospizleiterin. Daher seien nicht nur ambulante Hospizdienste gefragter denn je, sondern auch stationäre Einrichtungen.

Auch neue Hospize können Bedarf nicht decken

Die Folge: Nicht nur die Nachfrage, auch die Zahl der Hospize ist in den vergangenen Jahren gewachsen – wenn es auch deutlich mehr sein könnten. In Troisdorf und Hennef zum Beispiel seien zwei Einrichtungen eröffnet worden, sagt Schaefer. Doch auch sie können den Bedarf nicht decken.

Das Johanniter-Hospiz verfügt über zehn Betten, 15 bis 16 müssten es im Bonner Stadtgebiet sein, sagt Schaefer. Im Durchschnitt bleiben die Gäste 31 Tage, bundesweit sind es durchschnittlich 22 Tage. „Manche bleiben eine Woche, manche bleiben ein Jahr“, sagt Pflegedienstleiterin Kirsten Schmitt. Einige haben sich im Hospiz wieder so stabilisiert, dass sie noch einmal nach Hause konnten. Anderen war nur eine kurze Zeit vergönnt. „Das kürzeste waren vier bis fünf Tage“, erinnert sich Schmitt.

Den typischen Hospiz-Gast gibt es nicht. Beide Geschlechter, jegliche Altersgruppen sind vorhanden. „Man merkt aber schon, dass die Menschen im Durchschnitt jünger werden“, sagt Schmitt. Viele Anfragen kämen mittlerweile von um die 50-Jährigen. Und: Normalerweise kommen die Gäste über die Sozialdienste der Krankenhäuser ins Johanniter-Hospiz, sagt Plange. „Es gibt aber auch immer mehr persönliche Anfragen, zum Beispiel von Kindern oder Ehepartnern.“ Das zeige zwei Dinge: Zum einen sei das Thema „Hospiz“ kein Tabuthema mehr. Zum anderen werde deutlich, „wie groß die Not der Menschen ist“.

Das Einzugsgebiet des Johanniter-Hospizes ist groß, vom nördlichen Rheinland-Pfalz bis Wuppertal. „Wir haben auch Anfragen aus Leverkusen“, sagt Plange. Oder aus Köln, obwohl es dort selbst viele Einrichtungen gebe. „Die Leute nehmen weite Wege in Kauf, wenn die Versorgung gut ist“, ist die Hospizleiterin sicher. Ein Vorteil der Bonner: „Wir sind mit zehn Betten ein sehr familiäres Haus“, sagt Plange. Kurze Wege und viel Erholung, lautete daher die Devise.

So hat das Team stets alles im Blick. Und kann auch ungewöhnliche Wege gehen. Einmal zum Beispiel, erzählt Schaefer, wollte ein Junge seinen Vater nicht besuchen. Ein Spender stiftete eine Playstation, der Junge kam – und baute so wieder eine Beziehung zu seinem Vater auf. „Wir versuchen, Dinge zu ermöglichen“, fasst Plange zusammen. Dazu gehört eine Schifffahrt zum Geburtstag genau wie ein Besuch am Nürburgring oder eine Hochzeit in letzter Sekunde.

„Jeder soll einen würdevollen Abschied erhalten“, sagt die Hospizleiterin. Auch das Team wolle Abschied nehmen. Daher trifft man sich freitags im Raum der Stille, um der Verstorbenen der vergangenen Woche zu gedenken. „Wir gehen auch auf Trauerfeiern.“ Auch das gehöre für sie dazu.

Warum sie sich für die Hospizarbeit entschieden hat, bei der es immer wieder Abschied zu nehmen gilt? „Ich glaube, fast jeder hatte ein Schlüsselerlebnis“, sagt Schmitt. „Bei mir war es der Tod meines Vaters.“ Bei ihr sei es die Arbeit auf der Onkologie gewesen, so Plange. Im Hospiz, in familiärer Atmosphäre „kann man sich mehr kümmern. Die Versorgung ist ganzheitlicher“.

Die Arbeit im Hospiz hat auch Einfluss auf sie selbst. „Das Leben verändert sich“, sagt Plange. Man setze Prioritäten neu. Schließlich habe man „jeden Tag die Endlichkeit vor Augen, die man sonst verdrängt“. Man erkenne, dass man dankbar sein könne. „Man bekommt einen anderen Blick dafür, was wichtig ist im Leben.“

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