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GA Interview: "Ich freue mich immer über eine spannende Predigt"

GA Interview : "Ich freue mich immer über eine spannende Predigt"

Die Protestantin Dorothea Zügner über ihre Beziehung zur Kirche und dazu, warum sie weiterhin Mitglied bleibt.

Warum bleiben Christen auch heute in ihrer Kirche? Mit Dorothea Zügner sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Verstehen Sie, warum momentan viele Menschen aus den Kirchen austreten?
Dorothea Zügner: Über die Gründe kann man wohl nur Vermutungen anstellen. Verstehen kann ich die Menschen nicht so recht.

Die Kirchen werden gerade von der Diskussion um die Abgeltungssteuer kritisch gesehen.
Zügner: Finanz- und steuerrechtliche Themen sind in der Bevölkerung nicht sehr beliebt, vor allem, wenn es um den Nachteil für die eigene Geldbörse geht, das kenne ich auch von mir selbst. Und das Spannungsfeld zwischen Kirchen- und Steuerrecht ist ja in Deutschland auch nicht neu. Viele meinen vielleicht, es würde eine neue Steuer erhoben oder eine bestehende erhöht, was aber überhaupt nicht der Fall ist. Da geht es doch um vergleichsweise lächerliche Beträge.

Sie bleiben also auf jeden Fall Kirchenmitglied. Warum?
Zügner: Weil ich dazu beitragen möchte, dass die Evangelische Kirche ihren karitativen, seelsorgerlichen und bildungsrelevanten Aufträge so umfassend wie möglich nachkommen kann.

Aber Sie sehen Ihre Kirche auch nicht ganz unkritisch?
Zügner: Wo Menschen sich organisieren, gibt es immer Entscheidungen, die man nicht mittragen kann oder will. Zum Beispiel kann ich die Entscheidung der Synode im Rheinland, ihre Evangelische Akademie trotz hervorragender Arbeit am Standort Bonn im Zuge der Sparvorhaben zu schließen, überhaupt nicht nachvollziehen. Offene Kommunikation, transparentes Verhalten und Möglichkeiten zu einer gerechten Teilhabe sind sehr wichtig für mich.

Sie waren ausgetreten und sind vor zehn Jahren wieder eingetreten. Warum?
Zügner: Weil ich die Patenschaft für meine Nichte übernehmen wollte, hatte die Taufe für mich wieder an Bedeutung gewonnen. Eingetreten bin ich in der Anlaufstelle Bonner Kirchenpavillon.

Was bedeutet Kirche für ein heranwachsendes Kind?
Zügner: Sehr viel! Ich erlebe es, wie wichtig das Angebot vieler Gemeinden für Kinder und Jugendliche ist. Mit Begeisterung hat meine Nichte zu Weihnachten eine Rolle in einem Krippenspiel übernommen. Das ist einfach schön, zu sehen, wie engagiert die Kinder dort mitgemacht haben und sie daran wachsen.

Und wo kommt die Kirche in Ihrem Alltag vor?
Zügner: Die evangelische Kirche, das sind für mich konkrete Personen und gemeinschaftliches Erleben von Gottes Gegenwart. In meinem persönlichen Alltag kommt "die Kirche" in der Beschäftigung mit theologischen Fragen vor, ab und an in Besuchen von Gottesdiensten, aber auch im Austausch über den Sinn meines Daseins, des Lebens und in Fragen zum Älterwerden, über das Lebensende, den Tod und darüber, ob und was vielleicht danach kommt.

Was verlieren Menschen, die aus den Kirchen austreten?
Zügner: Die Institution Kirche ist ja nicht deckungsgleich mit religiösen Bezügen von Menschen. Verloren gehen kann jedoch das Gemeinschaftserlebnis einer sinnstiftenden Dimension christlicher Prägung in unserer so hektischen, materialisierten und funktionalen Lebensweise. Und der reiche Erfahrungsschatz der biblischen Erzählungen und Geschichten von vor langer Zeit, wenn man am Gottesdienst, dem Ort der Verkündigung, nicht mehr teilnimmt.

Und was sollten die Kirchen Ihrer Meinung nach tun, um ihre Mitglieder zu halten?
Zügner: Ich freue mich immer über eine spannende und kurzweilige Predigt mit aktuellen Bezügen, die die Zuhörer aufmerken lässt und neue Impulse vermittelt. Und über eine abwechslungsreiche Kirchenmusik, die traditionelle, aber vor allem moderne Formen beinhaltet, die besonders die jungen Menschen ansprechen.

Zur Person

Die 52-jährige Dorothea Zügner studierte Germanistik und arbeitet heute als Pressereferentin in einem Verlag in Bonn-Bad Godesberg.