Interview mit Nick Wilder „Ich schaue selten in den Rückspiegel“

Interview | Bad Godesberg · Nick Wilder ist vor allem als „Traumschiff“-Arzt Doc Sander und als „Herr Kaiser“-Werbefigur von der ehemaligen Hamburg-Mannheimer Versicherung bekannt. Im Kleinen Theater in Bad Godesberg möchte er nun bei einer Lesung aus seiner Biografie eine andere Seite präsentieren.

Schauspieler Nick Wilder kommt am Freitag in das Kleine Theater nach Bad Godesberg.

Schauspieler Nick Wilder kommt am Freitag in das Kleine Theater nach Bad Godesberg.

Foto: Privat

Schauspieler und Werbe-Ikone Nick Wilder kommt am Freitag, 25. November, auf Einladung des Vereins Kunst & Kultur Bad Godesberg in das Kleine Theater und liest dort aus seiner Biografie „Hallo, Herr Kaiser! Das Leben ist wilder als man denkt“. Vorher sprach GA-Redakteur Maximilian Mühlens mit dem gebürtigen Fehmaraner.

Nick, in wenigen Tagen feiern Sie Ihren 70. Geburtstag. Ist eine große Party geplant?

Nick Wilder: Nein, große Partys gab es zu meinem 50., 55. und 60. Geburtstag – meine Frau hat es immer geschafft mich mit Feiern zu überraschen. (lacht) Dieses Mal sind wir zu zweit in einem schönen Hotel in Südtirol. Dort werden wir ganz gemütlich meinen Geburtstag verbringen. Mit 75 mache ich dann vielleicht wieder ein großes Fest.

Vor Kurzem haben Sie für den Film „The Very Moment“ vor der Kamera gestanden. Ihr erstes Filmprojekt in Deutschland nach Ihrem Ausstieg beim „Traumschiff“. Wie war es?

Wilder: Dabei hat es sich um einen Teaser gehandelt, für den wir drei Tage lang gedreht haben. Mit diesem stellt man sich nun bei allen möglichen Fernsehanstalten und Streamingdiensten vor, um die Finanzierung zu sichern. Das Drehbuch ist wirklich irre. Ich spiele Klaus, der in Berlin lebt, sich verfolgt fühlt und meint, dass er der uneheliche Sohn von Evita Perón und König George VI von England ist. Die hatten ja wirklich ein Techtelmechtel, das historisch nachweisbar ist. Klaus meint, dass er vom argentinischen und britischen Geheimdienst umgebracht werden soll. Eine ganz skurrile Geschichte. Der Teaser ist sensationell geworden. Ich trete dort auch ganz anders auf: Mit Bart und Brille. Ich war von „Herrn Kaiser“ bis zum „Traumschiff“-Arzt immer als der sympathische und nette Mann festgelegt. Das war toll, aber die Menschen kennen mich nicht anders.

Wollen Sie also auch mal der Unsympath sein?

Wilder: In Amerika habe ich schon einige kontroverse Rollen gespielt. Casting-Direktoren drüben gaben mir die Chance, auch andere Rollen zu spielen. Und das Spannende an unserem Beruf ist, die Möglichkeit zu haben, verschiedene Charaktere leben zu dürfen. Ich will mein Image nicht unbedingt ändern, es aber vielleicht in eine andere Richtung bringen.

Vermissen Sie Ihre Rolle des „Doc Sander“ beim Traumschiff nicht?

Wilder: Nein, die vermisse ich nicht. Alles in meinem Leben habe ich voll ausgelebt. Ich war zehn Jahre lang der Arzt beim „Traumschiff“, davor habe ich auch öfters Episodenrollen gespielt – ich war viel auf dem Schiff. Ich bin sehr dankbar für die Zeit. Aber versuche nun auch, andere Herausforderungen an mich heranzuziehen.

Schauen Sie „Das Traumschiff“ noch?

Wilder: Ich schaue selten in den Rückspiegel. Ich schaue lieber nach vorne, auf das, was ich noch nicht gemacht habe und was noch auf dem Zettel steht. Ich würde zum Beispiel gerne bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg mitspielen. Oder im Ohnsorg-Theater auftreten, ich bin ja mit Plattdeutsch aufgewachsen. Ab und zu schaue ich aber tatsächlich in die alten „Traumschiff“-Folgen, dann erinnere ich mich gerne an die Dreharbeiten zurück. Aber fieberhaft die neuen Folgen zu sehen, das ist nicht meine Welt, weil sich das „Traumschiff“ auch stark verändert hat – die Drehbücher sind nicht besser geworden.

Sie sind Schauspieler, Diplom-Holzwirt, Werbeikone, Weltenbummler, ehemaliger Surfweltmeister und Musiker. Was macht denn am meisten Spaß?

Wilder: Eigentlich alles. Ich habe immer versucht, das zu machen, was mir Spaß macht. Das galt auch für Ferienjobs in der Studienzeit. Für mich war das Geldverdienen immer damit verbunden, das nächste Ziel zu erreichen. Insofern habe ich mich nie lange mit einem Job aufgehalten.

Am Freitag kommen Sie für eine Lesung in das Kleine Theater nach Bad Godesberg. Die Lesung wird aber eher eine Reise, als eine Lesung sein, was erwartet die Besucher?

Wilder: Ich bin ja mit 40 erst spät Schauspieler geworden und habe es dann irgendwie in der Höhle der Löwen in Hollywood geschafft. Ich wollte das alles immer aufschreiben, aber hatte immer ein viel zu unruhiges Leben gehabt, sodass ich nun endlich meine Biografie verfasst habe. Im nächsten Jahr kommt schon mein zweites Buch heraus. Das wird „Vaterliebe“ heißen, das sich mit Rechtsradikalismus weltweit beschäftigt, speziell in den USA, ein Roman, der den Zahn der Zeit trifft. So etwas denkt man natürlich nicht von Nick Wilder. Überall werde ich mit dem „Traumschiff“ und „Herrn Kaiser“ in Verbindung gebracht, sonst weiß man aber nichts über mich. Meine Lesung ist für die Leute immer sehr überraschend, weil ich in der Biografie nicht nur auf den Schauspieler eingegangen bin, weil man das ja alles schon kennt und auch nicht so wichtig ist. Im Mittelpunkt steht der kleine Klaus, der vom Bauernhof kommt und als kleines Kind schon immer geträumt hat und schnell festgestellt hat, dass diese Träume wahr werden, wenn man daran arbeitet.

Sie werden mit dem Bonner Musiker Christian Meringolo auf der Bühne musizieren. Wie haben Sie sich kennengelernt?

Wilder: Wir haben uns auf dem „Traumschiff“ kennengelernt, und zwar bei der Corona-Reise, als wir zum Schluss umgedreht sind. Wir sind bis Bremerhaven durchgefahren und mussten uns irgendwas einfallen lassen, weil die Reise zehn Tage länger ging. Genug Proviant war da, und jeder Künstler hat noch ein Extra-Programm gemacht. Da haben wir zusammen auf der Bühne gerockt und Blues gespielt. Ich freue mich darauf, wenn wir nun wieder gemeinsam auf der Bühne stehen und musizieren.

Auf der Bühne des Kleinen Theaters stand auch oft Ihre „Traumschiff“-Kollegin Heide Keller – sie hat in Muffendorf gelebt. Haben Sie sie mal in Bad Godesberg besucht?

Wilder: Ich war schon in Bad Godesberg, und zwar mit Freunden, die auch oft mit dem Traumschiff gereist sind. Die beiden kannten Heide und waren mit ihr sehr eng. Gemeinsam sind wir nach Bad Godesberg gefahren. Wir haben dort unter anderem die Godesburg besichtigt. Heide war eine Institution auf dem Traumschiff.

Die Lesung mit Nick Wilder findet am Freitag, 25. November, ab 19.30 Uhr im Kleinen Theater, Koblenzer Straße 78, statt. Christian Meringolo wird ebenfalls auf der Bühne stehen. Die Tickets kosten zwischen 18,60 Euro und 27,80 Euro und sind bei Bonnticket oder im Theater unter ☎ 02 28/36 28 39 erhältlich. Weitere Informationen über Nick Wilder finden sich auf der offiziellen Website www.nickwilder-fanpage.com.

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