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Peter Bläser und sein Einfluss auf den Stadtbezirk: "Ich trage Godesberg immer im Herzen"

Peter Bläser und sein Einfluss auf den Stadtbezirk : "Ich trage Godesberg immer im Herzen"

Von Zeit zu Zeit tut eine kleine Reise in die Vergangenheit ganz gut, im konkreten Fall in die jüngere Vergangenheit Godesbergs, nämlich in die Aufbaujahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in die Wirtschaftswunderzeit, in die Diplomatenstadt Bad Godesberg.

Es tut gut, weil es den heutigen Blick auf den Stadtbezirk schärft und ablenkt vom kommunalpolitischen Tagesgeschäft, das sich offensichtlich nur noch um Sparen, Verkaufen und Schließen dreht.

Einer, der diese Jahre hautnah miterlebt und mitgestaltet hat, ist Peter Bläser, Jahrgang 1934, geboren quasi direkt unterhalb der Godesburg im Bendel, CDU-Stadtverordneter, hauptamtlicher Geschäftsführer der CDU, Bezirksvorsteher, Karnevalsprinz, hauptamtlicher Geschäftsführer der Autoschnellfähre Bad Godesberg-Niederdollendorf.

"Das Bendel war mal ein reines Arbeiterviertel - und natürlich tief rot", schmunzelt er. "Die Menschen arbeiteten bei Boge oder Stolle, jede Woche gab's die Lohntüte in die Hand." Der Vater war in Russland gefallen. Peter Bläser wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Burgschule machte er eine Lehre als Handwerker und arbeitete bei Rhein-Dinas als Modellbauer. Und wie kommt so jemand zur CDU? "Über die Pfadfinder, über die katholische Jugend. Es war die Entstehungszeit der Jungen Union - und ich gehörte damals zu den jungen Wilden."

Wilde Zeiten. Es gab viel zu tun in Bad Godesberg, vor allem in seinem Wahlbezirk, dem Bendel. Dem gemeinnützigen Bauverein gehörte das Viertel. Bläsers Devise: Der kleine Mann muss auch Vermögen erhalten. "Wir begannen damit, die Häuser an die Mieter zu verkaufen und haben die Privatisierung des Viertels vorangetrieben." 1961 startete er seine kommunalpolitische Karriere im Rat der Stadt Bad Godesberg - und blieb als Vorsitzender des Wohnungsausschusses seinem Lieblingsthema treu: Aufbauen und Wohnraum schaffen.

"Zug um Zug haben wir die Dinge vorangetrieben, in Mehlem, in Pennenfeld, später auf dem Heiderhof. Alles boomte." Aufbauen bedeutete zuweilen auch Plattmachen, Stichwort Altstadtsanierung. "Ich kenne die Altstadt, mir muss da keiner was erzählen. Die, die am meisten geheult haben, sind am besten entschädigt worden. Da hat sich so mancher gesund gestoßen." Wie viele Funktionsträger von damals, sieht auch Bläser die Sache bis heute nüchtern: "Es musste Wohnraum geschaffen werden, um Godesberg voranzubringen, Punkt."

Seine schönste Zeit erlebte er in den siebziger Jahren als Godesberger Bezirksvorsteher von 1971 bis 1979. Godesberg war eine Stadt von Welt geworden. In dem kleinen rheinischen Städtchen im Süden von Bonn, das jetzt Teil der Bundeshauptstadt war, gaben sich die Diplomaten ebenso wie die politische Elite der Republik die Klinke in die Hand. "Wenn Sie ins Kleine Theater gingen, mussten Sie sich nicht wundern, den Bundespräsidenten zu treffen."

Vor allem zu den Botschaftern und Diplomaten pflegte Bläser engste Beziehungen. "Die waren offen und begierig, Bad Godesberg kennen zu lernen. Und wir verkörperten unseren Gästen gegenüber das neue Deutschland." Bläser ist davon überzeugt, dass Godesberg seine beste Zeit in den Jahren der Bonner Republik erlebte. Spätestens mit dem Umzug von Parlament, Regierung und Diplomaten sei es bergab gegangen. Strukturwandel? "Nicht positiv." Stadtverwaltung: "Denkt nur zentralistisch." Bezirksverordnete? "Haben kein Konzept."

Wir verlassen die Politik und wenden uns dem Karneval zu. Der ehemalige Karnevalsprinz (1964) und Erfinder der "Närrischen Trinkkur" kann so etwas wie Godesberger Identität allenfalls noch im Karneval erkennen. "Vielen Menschen, die heute hier leben, fehlt einfach der Bezug zu Godesberg", trotz Karneval. Zu seiner Zeit zog vor allem die CDU die Strippen. Und die Allgemeine Karnevalsgesellschaft Prinzengarde (AKP) war der zweite Bildungsweg der CDU, wie der kürzlich verstorbene AKP-Ehrenpräsident Fred Quantius einst bemerkte.

In diesem Netzwerk hatte man klare Vorstellungen davon, wie man aus dem verträumten Godesberg einen Teil der Bundeshauptstadt machte. Dazu gehörte auch die Autoschnellfähre Bad Godesberg-Niederdollendorf (ASF), die schon Konrad Adenauer auf dem Weg von Rhöndorf ins Regierungsviertel nutzte. 30 Jahre lang war Peter Bläser ASF-Geschäftsführer, 1997 ging er von Bord. Seither verfolgt er, gemeinsam mit Ehefrau Janny, eine besondere Leidenschaft: Reisen und Fotografieren. Erst im vergangenen Jahr bereiste das kinderlose Paar Indonesien, Bali und Vietnam.

"Das Faszinierende sind die Menschen", erzählt Bläser, während er Dutzende von großformatigen Porträtfotos von Menschen rund um den Erdball zeigt. Die Azoren stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Und wie schafft man solche Strapazen mit über 80? "Alt werden können wir später", ist seine Lebenseinstellung. Hat das Interesse an der großen, weiten Welt vielleicht mit den vielen Begegnungen mit den Diplomaten von einst zu tun? "Nein, überhaupt nicht", entgegnet der Bezirksvorsteher im Ruhestand. "Aber ich trage Godesberg immer im Herzen."