Fritz Dreesen über “Das Weiße Haus am Rhein“ „Ich war über meinen Vater erstaunt, was er für ein Hallodri war“

Bad Godesberg · Fritz Dreesen, Inhaber des Rheinhotel Dreesen, verrät bei einem Kulissengespräch im Kleinen Theater, dass das Filmteam von „Das Weiße Haus am Rhein“ es bei der Wahrheit um seine Familie nicht ganz so genau nahm.

 Sabine Köhne-Kayser im Gespräch mit Fritz Dreesen im Kleinen Theater.

Sabine Köhne-Kayser im Gespräch mit Fritz Dreesen im Kleinen Theater.

Foto: Maximilian Mühlens

Die Ausstrahlung des TV-Zweiteilers „Das Weiße Haus am Rhein“ ist zwar schon knapp zwei Wochen her, aber noch immer beschäftigen die Zuschauer viele Fragen rund um das Rheinhotel Dreesen in Rüngsdorf. Viele suchten am Sonntagmittag beim Kulissengespräch des Vereins Kunst & Kultur Bad Godesberg (KuKuG) im Kleinen Theater entsprechende Antworten. Und die bekamen sie aus erster Hand: Fritz Dreesen, Inhaber des gleichnamigen Hotels, stellte sich den Fragen von Moderatorin Sabine Köhne-Kayser.

Dreesen hatte ein Lächeln auf den Lippen, als er erzählte, dass sein Hotel an diesem Wochenende komplett ausgebucht sei. Die Nachwehen des Films seien noch immer zu spüren, die Buchungslage sei noch immer bestens. „Es ist nun schon etwas schwerer, als vor drei Wochen, ein Zimmer bei uns zu bekommen“, sagte Fritz Dreesen. Am deutlichsten sei die Nachfrage nach dem Hotel nun aber auf der Internetseite zu spüren. Im Normalfall habe die Seite an einem gewöhnlichen Tag zwischen 300 und 500 Aufrufe, am Tag der Ausstrahlung seien es 45.000 gewesen. „Nun sind es täglich zwischen 2000 und 3000 Aufrufe, das ist schon toll“, so Dreesen, der sein Abitur an der Otto-Kühne-Schule gemacht hat.

Dreesens Vater war nicht im Ersten Weltkrieg

Ganz wahrheitsgetreu war der Film im Bezug auf seine Familie allerdings nicht. Vor drei Jahren habe die Produktionsfirma mit ihm Kontakt aufgenommen. „Wie sie das mit meiner Familie machen, das haben sie nicht abgesprochen“, sagte Dreesen, „Ich war über meinen Vater erstaunt, was er für ein Hallodri war.“ Emil, gespielt von Jonathan Berlin, stellte seinen Vater dar, der in Wahrheit aber auch Fritz hieß. „Mein Vater war nicht im Ersten Weltkrieg, er war Jahrgang 1907. Er hatte auch keine Schwester. Die Kinder, die im Film geboren wurden, gab es auch nicht“, so Dreesen. Täglich werde er nun gefragt, was im Film der Wahrheit entspreche und was nicht. „Hitler kam durch Heß ins Haus, weil Heß Päda-Schüler war. Er kannte das Hotel“, erzählte Dreesen. Was auch stimmte, sei die Tatsache, dass seine Großmutter und Eva Braun sich sehr gut verstanden hatten.

Fritz Dreesen hat viele Anekdoten zu erzählen

Dreesen packte auch die ein oder andere Anekdote aus. So sei zum Beispiel die Tochter von Heinrich Alef, nationalsozialistischer Bad Godesberger Bürgermeister von 1933 bis 1945, mal zu ihm gekommen und habe erzählt, dass sie bei einem Treffen ihres Vaters mit dem Großvater Dreesens dabei gewesen sei. Beiden sei klar gewesen, dass der Krieg verloren sei, weshalb man versuchen wollte, viele hochrangige Persönlichkeiten im Hotel einzuquartieren – mit dem Ziel dem Bombenhagel zu entkommen. Tatsächlich wurde das Hotel und die Umgebung verschont.

In zwei Jahren wird das 130-jährige Jubiläum gefeiert

Der 72-Jährige hat viele solcher Anekdoten zu erzählen, er weiß aber auch, dass „man hart arbeiten“ müsse, um die Traditionen zu bewahren. Vor allem ist der Rhein ein immer vorhandenes Risiko. „Wir lieben ihn, aber wir trauen ihm nicht“, sagte Dreesen. Regelmäßig stehe bei Hochwasser der Weinkeller unter Wasser, was immer aufwendige Renovierungsarbeiten nach sich ziehe. Für die Zukunft stehe noch Vieles an: Seine Tochter wird in drei bis fünf Jahren das Haus übernehmen und in zwei Jahren steht das 130-jährige Jubiläum an, das natürlich groß gefeiert wird – unter anderem mit einer Chronik.

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