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„Hausaufgaben Klub“ in Bad Godesberg: In Ruhe und mit Hilfe lernen dürfen

„Hausaufgaben Klub“ in Bad Godesberg : In Ruhe und mit Hilfe lernen dürfen

Der „Hausaufgaben Klub“ der Katholischen Flüchtlingshilfe ist willkommener Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche im Pfarrhaus St. Marien. Die Schüler schätzen die Ruhe zum Lernen und die Unterstützung durch Nachhilfekräfte.

Ehrenamtliche Helfer bieten im Pfarrzentrum St. Marien eine Hausaufgabenbetreuung für geflüchtete Kinder und Jugendliche an. Damit wurde für die Schüler ein öffentlicher und neutraler Anlaufpunkt geschaffen. Wie dringend das Angebot zu Corona-Zeiten benötigt wird, zeigt sich auch an der Teilnehmerzahl. „Die Schüler nehmen unsere Nachmittagsbetreuung so gut an, dass wir jeden Teilnehmer  leider nur eine halbe Stunde betreuen können“, sagt Alice von Spee, die den „Hausaufgaben Klub“ konzipiert hat.

„Seit vier Wochen bieten wir nun die Hausaufgabenbetreuung an, und es sind schon jetzt Fortschritte bei den Schülern erkennbar“, so die Koordinatorin der Katholischen Flüchtlingshilfe. Das spiegele sich auch in den Schulergebnissen wider. „Wir haben einige Kinder, die durch das Lernen im Pfarrhaus ihre Tests bestehen konnten.“ Hauptsächlich ginge es bei dem Programm aber nicht nur um Unterstützung bei den Schulaufgaben, sondern auch darum, dass die Kinder die deutsche Sprache lernen.

„Die Corona-Zeit hat deutlich gezeigt, dass Eltern, vor allem Eltern mit Fluchthintergrund, oft mit der Hausaufgabenbetreuung ihrer Kinder überfordert sind“, sagt von Spee. Demnach brächten „komplexe Matheaufgaben und die diffizile deutsche Grammatik“ die Eltern an ihre Grenzen. „Zumal die Eltern ja noch selbst Deutsch lernen.“ Da käme es auch gelegen, dass zwei der fünf ehrenamtlichen Helfer selbst einen Fluchthintergrund hätten und so „ganz besonders“ auf die Bedürfnisse der geflüchteten Schüler eingehen könnten.

Miri aus Syrien berichtet von ihrem Werdegang: „Ich habe im Juni mein Abitur bestanden und ich werde ab Oktober mein Chemie-Studium in Bonn beginnen. Als ich nach Deutschland kam, war ich auf die Hilfe und die Unterstützung anderer angewiesen. Nun gebe ich das zurück, was ich vor fünf Jahren selber erfahren habe.“ Von Spee betont, dass das Angebot sich aber nicht nur an geflüchtete Kinder, sondern auch generell an Schüler aus „bildungsfernen und sozial schwachen Familien“ richte.

Das nun jeden Dienstag im Pfarrzentrum die Stifte angespitzt werden, ist auch ein Verdienst von Lucas Neuenhofer (18). Eigentlich wollte der Abiturient zu diesem Zeitpunkt ein soziales Auslandsjahr in Mexiko machen. Wegen der Corona-Pandemie habe er seine Pläne aber auf das nächste Jahr verschieben müssen. Um sich dennoch „sozial engagieren“ zu können, macht Neuenhofer nun ein Praktikum bei der Flüchtlingshilfe. „Seit zwei Monaten unterstütze ich geflüchtete Kinder und Jugendliche bei ihren Hausaufgaben, und ich sehe ganz deutlich, wie gut unser Angebot ankommt. Die Schüler möchten lernen und sie sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihnen verbringen. Die jungen Leute sehen selber, dass sie Fortschritte machen und gewinnen dadurch an Selbstvertrauen“, sagt der Bad Godesberger.

Zu Hause stößt das effektive Lernen an Grenzen

Zunächst hat Neuenhofer die Schüler zu Hause besucht. Dort sei das effektive Lernen aber an Grenzen gestoßen. „Es gab schwierige Situationen zu Hause bei den Familien, die Räumlichkeiten sind sehr klein und dort in Ruhe mit den Schülern zu lernen, gestaltet sich sehr schwierig“, berichtet Neuenhofer. Demnach säßen die Eltern meist mit am Tisch, um zu essen. Um solche Störungen zukünftig vermeiden zu können, habe es einen „neutralen und öffentlichen“ Ort gebraucht.  „Das ist für die Schüler wichtig, denn nur dann können sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren“, betont Neuenhofer.

Mit dem Pfarrhaus sei nun so ein Anlaufpunkt gegeben. Ganz vorbei mit den Hausbesuchen sei es aber nicht, denn er kümmere sich weiterhin intensiv um eine Familie mit drei Kindern. „Da bin ich noch regelmäßig zu Hause, die Kinder machen echte Fortschritte“, so Neuenhofer, dem die Arbeit viel Freude bereitet. „Den Kindern mangelt es an digitalen Geräten und an der Unterstützung durch die Eltern, da helfe ich gerne.“

Währenddessen kommt Gelanda (8) durch die Tür des Pfarrhauses. Die Syrerin trägt einen bunten Regenschirm und eine rosafarbene Wolljacke. „Rosa ist meine Lieblingsfarbe“, begrüßt sie die anderen Kinder. Gelanda geht in die zweite Klasse und hat sich als Ziel gesetzt, im nächsten Jahr fließend Deutsch zu sprechen. Damit sie die Aufgaben in der Schule verstehen kann. „Ich habe so viele Hausaufgaben, und ich bin froh, dass ich hierhingehen darf. Die Menschen sind nett und helfen mir beim Deutschverstehen.“ Heute steht Mathe an, das Fach mag sie nicht so besonders, erzählt Gelanda.

Nach den Herbstferien wird die Mannschaft deutlich aufgestockt

Fließend Deutsch spricht hingegen Ronni (12), der seit zwei Jahren in Deutschland lebt. Der Jugendliche geht in die siebte Klasse und möchte später mal Arzt werden. „Ich finde es gut, dass ich außerhalb von meinem Zuhause und der Schule einen Ort habe, wo ich meine Hausaufgaben machen kann“, sagt Ronni. Auch, weil ihm bei der Hausaufgabenbetreuung gut geholfen werde. Seine Lieblingsfächer seien übrigens Deutsch und Mathe, auch wenn der Unterrichtsstoff nicht immer leicht sei. Bis zu 30 Kinder können im halbstündlichen Takt an der Betreuung teilnehmen. „Nach den Herbstferien werden wir deutlich aufstocken können. Da haben wir einige Helfer, die dazustoßen wollen“, kündigt von Spee an.

Ein Anliegen hat die Koordinatorin der Katholischen Flüchtlingshilfe dann noch: „In Bezug auf das Lager in Moria möchte ich noch sagen, dass wir keine Sorgen vor neuen Flüchtlingswellen haben brauchen. Wir haben in Bad Godesberg die Strukturen, um das aufzufangen“, betont sie. Man sei sehr gut vernetzt.