Jahrestag am 11. Juli 1908 fuhr die erste Elektrofähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf

Bad Godesberg/Niederdollendorf · Die Technik war innovativ und wurde mit Böllerschüssen begrüßt: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte in Bad Godesberg der Bürgermeister Anton Dengler auf Elektromobilität.

 Das Foto zeigt die feierliche Jungfernfahrt der ersten elektrischen Fähre am 11. Juli 1908. Sie verkehrte zwischen Godesberg und Niederdollendorf.

Das Foto zeigt die feierliche Jungfernfahrt der ersten elektrischen Fähre am 11. Juli 1908. Sie verkehrte zwischen Godesberg und Niederdollendorf.

Foto: Virtuelles Brückenhofmuseum

Das neue Fährschiff, das im Jahr 1908 Godesberg (damals noch ohne Bädertitel) und Niederdollendorf verbinden sollte, war festlich geschmückt. 500 Ehrengäste in feinem Zwirn hatten am 11. Juli, einem Samstag, auf der Ponte Aufstellung genommen. Vor 115 Jahren wurde die erste Fähre auf dem Rhein mit Elektroantrieb eröffnet, nachdem ihre Ankunft einige Tage zuvor bereits mit Böllerschüssen von beiden Seiten des Rheins begrüßt worden war. Daran erinnert der Verein Virtuelles Brückenhofmuseum in seiner digitalen Ausstellung.

Godesbergs Bürgermeister Anton Dengler betonte damals, es werde ein Fährschiff in Dienst gestellt, das „mit der modernsten aller Betriebskräfte“ ausgerüstet sei; einzigartig auf dem Rhein und auf allen deutschen Flüssen – und genau richtig bei dem zunehmenden Verkehr mit Fuhrwerken und modernen Autos. Dengler hatte auf Elektrizität gesetzt statt auf rauchende Dampfmaschinen und das Schiff von der Duisburger Firma Ewald Berninghaus erbauen lassen.

Nach Fertigstellung war die Fähre ins Wasser gelassen und reich beflaggt und bekränzt worden. Die Firma Felten & Guilleaume aus Frankfurt/Main hatte für die gesamte elektrische Ausrüstung gesorgt. Das als Kesselschmiede gegründete Unternehmen Berninghaus hatte Schiffsbau ab 1873 im Programm. Juniorchef Caspar Berninghaus wurde 1924 mit der „Rheinflagge“ zur Anerkennung seiner Forschungs- und Versuchstätigkeit im Schiffbau gewürdigt.

Elektroantrieb und Ladestation schon im Jahr 1908

Eine Batterie mit 120 Akkumulatoren im Unterdeck erzeugte die elektrische Energie für die beiden Antriebsmotoren und drei Hilfsmotoren der neuen Rheinfähre. An der Godesberger Anlegebrücke wurde die Speicherbatterie bei jedem Halt und über Nacht aufgeladen. Bei den im Fahrplan angebotenen Nachtfahrten kamen Motorboote zum Einsatz. So wie heute Fahrer von Elektroautos längere Strecken bis zur nächsten Ladesäule kalkulieren müssen, war das wohl auch bei der Fähre so. Die Deutsche Reichszeitung berichtete über die Inbetriebnahme: „Die neue elektrische Fähre wird augenblicklich mit der Schiffsbrücke in Balance gebracht, gleichzeitig erfolgt auch die elektrische Ladung, zu welcher 36 Stunden vorgesehen waren, die aber wohl gegen 50 Stunden erfordert.“

Jedenfalls hat die Elektrofähre damals große Aufmerksamkeit erzielt. Das Virtuelle Brückenhofmuseum stellt in seiner ausführlichen Präsentation dar, dass neben Beiträgen in der Elektrotechnischen Zeitschrift auch ein französisches Technikjournal über die Neuanschaffung ausführlich berichtete.

Der General-Anzeiger hob seinerzeit einen weiteren Aspekt hervor und zitierte dabei Bürgermeister Dengler mit den Worten: „Heute ist die gewaltige Kluft von 400 Metern zwischen beiden Ufern als überwunden zu betrachten.“ Bis 1945 versah die Fähre ihren Dienst. Im März wurde sie kurz vor Einmarsch der Amerikaner von Pionieren der deutschen Wehrmacht versenkt und die Fähranleger wurden gesprengt.

Eine Fährverbindung zwischen Niederdollendorf und Godesberg gab es bereits ab Mitte des 14. Jahrhunderts. Die erste urkundliche Nachricht stammt aus dem Jahre 1641.

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