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Neben den Tennisplätzen: Jamaika-Koalition streitet über Verkauf von Godesberger Villa

Neben den Tennisplätzen : Jamaika-Koalition streitet über Verkauf von Godesberger Villa

Der Stadtrat soll am Donnerstag über die marode Villa im Kurpark entscheiden. Innerhalb der Jamaika-Koalition ist die Entscheidung umstritten.

Am Donnerstag wird der Stadtrat wohl dem Verkauf der maroden Villa neben den Plätzen des Tennisklubs Grün-Weiss im Kurpark zustimmen. Allerdings zieht sich dabei ein Riss durch die Bonner Jamaika-Koalition, weil aus Sicht der Grünen viele Fragen noch nicht beantwortet sind und der Investor eine ursprünglich von der Politik geforderte Wertstellungsklausel ablehnt. Das geht aus einer Stellungnahme der Verwaltung für den nichtöffentlichen Sitzungsteil hervor, die dem GA vorliegt.

„Die Kaufinteressenten lehnen eine Wertsicherungsklausel ab, da das Objekt nach ihrer Meinung zu hoch bewertet wurde“, erklärt die Stadt zum Verhandlungsergebnis mit den Investoren. Der Unternehmer Thomas Halstrick und Architekt Pascal Schroeder wollen das denkmalgeschützte Haus für 580 000 Euro kaufen und sanieren. Auch ein Erbbaurecht wird von ihnen grundsätzlich abgelehnt. Ziel ist für sie und die Politik, dass die Tennisspieler dort auf Dauer eine Zukunft mit einem Vereinsheim und Gastronomie haben.

Wenn die vier Wohnungen renoviert sind, soll eine für den Platzwart reserviert sein. Laut Stadt sollen die anderen Freiberuflern zu Verfügung stehen beziehungsweise möbliert vermietet werden. Schoeder beabsichtige selbst, „seine freiberufliche Tätigkeit als Architekt in dem Gebäude fortzuführen“. Die Investorenverlangen jetzt eine Entscheidung, da sie sonst zum Jahreswechsel nicht mehr mit der Sanierung beginnen könnten, so der Tenor der Unterlage. Alles würde sich dann um ein Jahr verschieben. Die Verwaltung empfiehlt den Verkauf, auch weil sie selbst kein Geld für eine Renovierung habe.

CDU, FDP und SPD für Verkauf

Das sieht der grüne Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt anders: Die Stadt könne sich derzeit recht günstig Geld leihen. Es stelle sich nur die Frage, wie sich das am Ende alles rechne. Er versteht aber vor allem nicht, warum die Investoren die Klausel ablehnen: Die besagt, dass bei einer Wertsteigerung über die Jahre der Gewinn im Falle eines Verkaufs an die Stadt abgeführt werden muss. Wenn der Käufer sich weigere, könne Schmidt nicht ausschließen, „dass er noch was anderes mit der Immobilie vorhat“. Man gewinne den Eindruck, er wirtschafte sich am Ende in die eigene Tasche, ergänzt er bezüglich der Unterbringung eines eigenen Büros in der Villa. So wollen die Grünen dem Verkauf nicht zustimmen.

Nicht so CDU, FDP und SPD, die sich damit durchsetzen dürften: „Das ist ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, wo jemand privates Geld in die Hand nimmt. Zudem ist der Tennisbetrieb auf Dauer gesichert“, sagt Ratsherr Christoph Jansen von den Christdemokraten. Ihm ist wichtig, dass die Bedingungen in Sachen Tennisbetrieb und Denkmalschutz wasserdicht sind. Er misst der Wertstellungsklausel keine so hohe Bedeutung zu. Das tut auch nicht die SPD, denn für eine Wertsteigerung an der Stelle müsse man viel Geld in die Hand nehmen, so Helmut Redeker. „Wir haben kein Geld, um dort zu renovieren. Es gibt wichtigere Projekte in der Stadt.“

Dem schließen sich die Liberalen an. Es entsteht etwas Neues, das besser nutzbar als der marode Bau heute, so Werner Hümmrich. „Es gibt einen wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Tennisanlage. Diese Kombination ist sinnvoll.“ Architekt Pascal Schroeder hält sich wie schon zuvor wegen der laufenden Verhandlung zurück und sagt: „Kein Kommentar.“