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Bonner Pfarrer und Journalist: K. Rüdiger Durth ist tot

Bonner Pfarrer und Journalist : K. Rüdiger Durth ist tot

Der Bonner Pfarrer und langjährige GA-Korrespondent Rüdiger Durth ist am Neujahrstag verstorben. Er verstand sich als Brückenbauer zwischen den christlichen Kirchen und engagierte sich aktiv im christlich-jüdischen Dialog.

Er war eine Ausnahmeerscheinung unter den Bonner Journalisten. Denn K. Rüdiger Durth (das K. steht für Karl) war nicht nur mit Leib und Seele Journalist, sondern auch evangelischer Theologe und Pfarrer. Ebenfalls mit Leib und Seele. Wie das zusammengehe, ist er oft gefragt worden. Eine seiner Antworten lautete: „Das Entscheidende ist, dass sich der Journalist dem Menschen verpflichtet weiß.“  Was ihn mit dem Theologen verband. Durth hat oft über das „gebrochene Verhältnis der Kirche zur Publizistik“ und den daraus resultierenden Missverständnissen gesprochen (und geschrieben). Eines dieser Missverständnisse (das er selbst erfahren musste) war, „dass der christliche Journalist eine Art Public-Relations-Mann der Kirche sein muss“. Das wollte er nie sein – und war er auch nie, wie wohl es ihn schon ärgern konnte, wenn er mitbekam, wie wenig Wissen über die Kirche, über seine Kirche in der Welt war. „Journalisten, wenn die wüssten, was sie alles wissen müssten“, zitierte er gerne den Bonner Liedermacher Gerd Schinkel.

K. Rüdiger Durth wurde 1941 im Siegerland geboren, studierte in Marburg und Bonn Evangelische Theologie und begann parallel dazu seine journalistische Tätigkeit bei der Kölnischen-Bonner Rundschau, wofür ihn die Kirche nach seinem Examen 1973 freistellte. Es begann eine fast 50-jährige Arbeit in beiden Welten: als Lokaljournalist und späterer politischer Korrespondent in Bonn und Berlin, schließlich als Kirchenkorrespondent des GA. Durth war lange Jahre einziger Pastor in der Bundespressekonferenz. Und als Pfarrer im Ehrenamt in den Gemeinden Bornheim und Hersel, im Schulunterricht, später in Bonn und Bad Godesberg. 2004 verlieh ihm Bundespräsident Johannes Rau wegen seines herausragenden ehrenamtlichen Engagements das Verdienstkreuz Erster Klasse. „Versöhnen statt spalten“, das hätte auch sein Motto sein können.

Als er 2013 sein 40-jähriges Ordinationsjubiläum begehen konnte, meinte sein alter Professor Martin Honecker: „Er ist einer, der nicht lobhudelt.“ Aber auch einer, der nicht schönschrieb: „Tu deinen Mund auf für die Stummen“, lautete sein journalistisches wie geistliches Credo. Das hat K. Rüdiger Durth in einer Überfülle und bis zuletzt getan. Ungezählte Predigten, Trauungen, Beerdigungen, ungezählte Leitartikel und Berichte. Er verstand sich zudem als Brückenbauer zwischen den christlichen Kirchen und engagierte sich aktiv im christlich-jüdischen Dialog. Durth kannte tatsächlich Gott und die Welt. Und so wundert es nicht, dass er auf die Frage, was von ihm eines Tages bleiben werde, antwortete: „Ich hoffe, man wird sagen: Er war einer, der mit Jesus war.“ Am Neujahrstag ist K. Rüdiger Durth kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres gestorben.  ul/ly