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Zwischen Umzug und Kunst: Kabarettist Gregor Pallast lebt jetzt in Mehlem

Zwischen Umzug und Kunst : Kabarettist Gregor Pallast lebt jetzt in Mehlem

Für Kabarettist Gregor Pallast hat sich während des vergangenen Jahres vieles verändert. Nach der Geburt seiner Tochter ist er etwa nach Mehlem gezogen. Sein Leben als Künstler kam weitgehend zum Erliegen.

Jetzt also Mehlem. Hierhin hat es den Kabarettisten Gregor Pallast verschlagen – unverhofft, wie so vieles, was sich in den vergangenen Monaten im Leben des 43-Jährigen verändert hat. Als Lehrer musste er sich mit digitalem Unterricht herumschlagen, als Künstler mit abgesagten oder ständig verschobenen Veranstaltungen und als frischgebackener Papa mit den Bedürfnissen seiner Tochter. Letzteres war auch der Grund für den Umzug nach Bad Godesberg, wie er im Interview gesteht. „Wir brauchten einfach mehr Platz und eine langfristige Perspektive, deshalb wollten wir ein Haus kaufen“, sagt er im GA-Interview. „Uns ist aber schnell klar geworden, dass der Markt in Bonn schwierig ist. Ursprünglich hatte ich Mehlem gar nicht auf dem Schirm, weil meine Arbeitsstelle auf der anderen Rheinseite liegt, ebenso wie die Wohnung meiner Mutter und das Pantheon. Als wir jedoch hier ein Haus besichtigen konnten, das uns zusagte und das wir auch sofort beziehen konnten, haben wir zugegriffen.“

Noch leben Pallast und seine Familie zwischen Umzugskisten, doch das dürfte sich schnell ändern. Außer an den Wochenenden: „Nachdem ich fast ein Jahr Bühnenpause hatte, bin ich im November andauernd unterwegs“, sagt Pallast. „Meistens handelt es sich um Nachholtermine, es sind aber auch neue Anfragen dabei, was mich sehr freut.“ Zumal politisches Kabarett längst nicht so gefragt ist wie Comedy. „Das stimmt, manchmal ist es schwierig“, erklärt Pallast, „aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es durchaus ein begieriges und offenes Publikum gibt. Im Pantheon habe ich natürlich Heimvorteil, aber als ich 2019 beim Paulaner Solo antrat, waren auch da um die 600 Leute im Saal, die sich auf mich eingelassen haben.“ Und die ihm neben dem Jurypreis auch den Publikumspreis zuerkannten, ein Doppelsieg, der ihm auch beim Reinheimer Satirelöwen gelang. „Bei mir lief es richtig gut, bis die Pandemie alles lahmlegte. Den Schub, den ich durch die Wettbewerbe erfahren habe, ist damit verpufft, aber ich hoffe, dass im nächsten Jahr, wenn die Theater und Kleinkunstbühnen ihre ganzen Altlasten abgearbeitet haben, wieder neue Anfragen kommen.“

Kaum Veränderungen am zeitlosen Programm

An seinem Programm „Ansichtssache“ hat Pallast bislang nicht allzu viel geändert. „Ich habe das Glück, dass es relativ zeitlos ist“, sagt er. „Die Welt ist eine andere geworden, aber etwa 80 Prozent der Inhalte sind heute noch genauso aktuell wie vor zwei Jahren. Die große Frage, ob ein Glas halb leer oder halb voll ist, ist weiterhin wichtig, die Betrügereien der Autoindustrie und die Probleme bei der Klimadebatte auch. Anderes werde ich nach und nach ändern und an die neuen Begebenheiten anpassen, aber derzeit befinden wir uns ja in einer Art politischem Niemandsland. Insofern fände ich es unnötig, jetzt bestimmte Politiker zu benennen und sich an ihnen abzuarbeiten – das versuche ich ohnehin weitgehend zu vermeiden.“

Der klassischen Form des politischen Kabaretts wird Pallast auf jeden Fall treu bleiben. „Ich brauche Futter für den Geist“, gesteht er, „deshalb bin ich auch kein Freund von Mischformen zwischen Comedy und Kabarett. Bei Georg Schramm gab es ja auch keine Blödelei, um zwischen den anspruchsvollen Passagen Erholungspausen zu schaffen. Volker Pispers, den ich als großes Vorbild sehe, hat einmal von einem Dreiklang gesprochen, bestehend aus Hirn, Humor und Haltung. Dem versuche ich, gerecht zu werden.“ Am Sonntag, 21. November, kann er das im Pantheon wieder umsetzen. „Das ist tatsächlich der Nachholtermin des Zusatztermins meiner Premiere“, hebt Pallast lachend hervor. Bis dahin stehen noch ein paar andere Auftritte an. Und Kisten müssen ebenfalls ausgepackt werden, hier in Mehlem.