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Repair Café in Lannesdorf: Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft

Repair Café in Lannesdorf : Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft

Das Repair Café in Lannesdorf wurde ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme jetzt offiziell eröffnet. Die Nachfrage ist seitdem so gut, dass es schon Wartelisten gibt.

„Das war leider nicht erfolgreich“, sagt eine Frau, die gerade das Repair Café im Haus der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland verläßt. Sie hatte eine, wie sie sagte, „uralte“ Lampenfassung für eine große Deckenleuchte mitgebracht, noch aus der Zeit ihrer Großmutter. Irgendetwas war damit nicht in Ordnung, sie konnte keine Leitungen hindurchführen, und auch die Spezialisten in der Einrichtung konnten ihr nicht helfen – sie bekamen die Fassung nicht auseinander geschraubt. Ansonsten sind aus dem Café aber immer wieder Erfolgsmeldungen zu hören.

Seit einem Jahr ist das Repair Café in Lannesdorf geöffnet, und der Zulauf sei seitdem so gut, dass es schon Wartelisten gebe, sagte Shirley Baldry, die die Einrichtung organisiert, am Samstag bei der offiziellen Einweihung. Auch in den Corona-Lockdowns konnte man das Angebot nutzen, dann nur mit Voranmeldung. „Wir haben eine Erfolgsquote von etwa 50 Prozent“, sagte sie. Bei der anderen Hälfte der defekten Gegenstände, die die Leute bringen – zum Großteil Elektrogeräte, daneben Dinge aus Holz –, könne man nach der Untersuchung zumindest mit Sicherheit sagen, dass sie nicht mehr zu reparieren seien.

Gegen den Willen der Industrie wird repariert

Denn das Angebot hat den Hintergrund, der Wegwerfgesellschaft etwas entgegen zu setzen. „Wenn etwas nicht mehr funktioniert, soll man es einfach wegschmeißen“, kritisierte Baldry. Das solle natürlich dazu führen, dass man sich neue Geräte kauft. „Die Industrie will nicht, dass man repariert“, kommentierte auch Walter Jaksche, früher Mechaniker, Ingenieur und Berufsschullehrer, jetzt Rentner und einer derjenigen, die Spaß daran haben, Kaputtes wieder gebrauchsfähig zu machen.

Er und seine Kollegen kämpfen gegen diese Maßnahmen an, die sich die Industrie da überlegt. „Schrauben verändern sich gegenseitig“, sagte Jaksche. Neben Schlitz und Kreuz gebe es dreieckige, fünfsternige, solche mit unterschiedliche tiefen Schlitzen und viele andere Varianten. Zusammen mit Thilo Jülich, Elektriker im Ruhestrand, mühte er sich an einem tragbaren Radio mit CD-Spieler und Kassettendeck ab.

Die Kassetten-Play-Taste hatte sich verklemmt, etwas war abgebrochen, man konnte sie nicht wieder lösen, wodurch aber auch der Betrieb der restlichen Gerätefunktionen blockiert war. Um das Gehäuse abzuschrauben, bräuchte man einen sehr dünnen, mindestens zwölf Zentimeter langen Schlitzschraubenzieher, so einen hatten sie nicht da und konnten ihn auch nicht improvisieren. Das Gerät blieb vor Ort, die Besitzerin kann es sich nächsten Monat abholen.

Keine Smartphones, keine Waschmaschinen

Und schon ging es weiter: Zwei Lautsprecher, die Sound unterschiedlich laut ausgaben. Eine Schreibtischlampe, an der etwas abgebrochen war. Ein defekter Kaffee-Automat. Ein Ehepaar brachte Solarblumen, die abends nicht mehr bunt leuchten. Vieles kriegen die Herren wieder hin.

Moderne Elektroapparate wie Handys muss man dort nicht hinbringen, auch übergroße Geräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke schaffen die Reparateure nicht. Aber Jaksche erinnert sich an einen Flachbildschirm mit defektem Netzteil, den er wieder hinbekommen hat. Also: Fragen kostet nichts. Mit Fahrrädern allerdings mussman ebenfalls nicht erst ankommen.

Das Repair Café entstand aus einer Ideensammlung bei der Stadteilkonferenz vor zwei Jahren in Mehlem und wird vom Arbeitskreis Umwelt- und Klimaschutz des Quartiersmanagements Lannesdorf/Obermehlem angeboten. Es ist an jedem ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Haus der Evangelischen Frauenhilfe, Ellersdorfer Straße 52, geöffnet. Zur Einweihung mit einjähriger Corona-Verspätung gab es am Samstag neben dem Reparatur-Angebot auch Vorträge zum umweltbewussten Leben im Alltag, eine thematisch passende Ausstellung und einen Stand der Marktschwärmer, die überlegen, dort einen Abhol-Standort für frische Bauernhof-Produkte einzurichten.