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Schutz bei Unwettern in Bad Godesberg: Kanalsystem ist nicht für Starkregen ausgelegt

Schutz bei Unwettern in Bad Godesberg : Kanalsystem ist nicht für Starkregen ausgelegt

Nach den Starkregenereignissen 2010, 2013 und 2016 in Bad Godesberg wollen sich die Menschen im Stadtbezirk besser vor weiteren Überflutungen schützen. Julia Gerz vom Tiefbauamt der Stadt Bonn informierte in der Volkshochschule.

Ist der Himmel schwarz und ertönt aus der Ferne lauter Donner, versetzt das viele Bad Godesberger in erhöhte Alarmbereitschaft: In den vergangenen Jahren hat Starkregen immer wieder zu Überflutungen, Schäden und langwierigen Aufräumarbeiten entlang des Godesberger und Mehlemer Bachs geführt. Vorsorge und Information ist vielen deshalb besonders wichtig, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich aktuell durch die Wetterlage Unwetter wieder häufen. Viele wollen dabei auch besser verstehen, welche Maßnahmen die Stadt Bonn getroffen hat und wie das Bachsystem in der Bundesstadt funktioniert.

Mitarbeiterin des Tiefbauamtes informiert Bad Godesberger

Am Mittwochabend hatte Dr. Julia Gerz vom Tiefbauamt der Stadt Bonn deshalb unter dem Motto „Hochwasser und Starkregen – Vorsorge und Schutz in der Stadt“ zu einem Vortrag mit anschließendem Rundgang in die Volkshochschule Bad Godesberg eingeladen. Gerz begleitet verschiedene städtische Projekte zu den Themen Hochwasser und Starkregen und konnte daher dem Publikum Potenziale und Grenzen von Schutzmaßnahmen benennen.

Hochwasser könne man zwei bis drei Tage vorher relativ genau vorhersagen, bei Starkregenereignissen sei dies aber nicht Fall, so Gerz. „Wir haben deshalb immer nur einen sehr kurzen Handlungsraum“, erklärte die Fachfrau. Man unterscheide zwischen einer urbanen Sturzflut, dem Übertreten von Gewässern und dem Rückstau aus dem Kanal. Gerade zu Letzterem könne es schnell kommen, denn die Kanalsysteme seien für Starkregen „grundsätzlich nicht ausgelegt“. Vielmehr können sie nur mit normalen Regenschauern umgehen.

Deshalb müsse man mit baulichen Maßnahmen den Hochwasserschutz verbessern, so die Expertin. Dazu gehören unter anderem Kanalstauräume, Pumpwerke, aber auch Retentionsfilterbecken, wie eines aktuell in Holzlar gebaut wird. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Notwasserwege, die Wassermassen aufnehmen und beispielsweise in den Rhein ableiten könnten. Als effektiv bezeichnete Gerz das sogenannte „Schwammstadt-Prinzip“. Ein städtebauliches Konzept, das zum Ziel hat, das Wasser in natürlicher Weise wieder zurückzugeben – wichtig dafür ist, dass es entsprechende Versickerungsflächen für das Wasser gibt.

In Bonn gibt es 47 Bäche, die eine Länge von 105 Kilometern haben

„Das Konzept alleine kann allerdings kein Starkregenereignis zurückhalten“, so Julia Gerz. Das Konzept werde auch in der Bundesstadt immer weiter vorangetrieben, so die Dozentin. Dass dies nötig ist, verdeutlicht die Anzahl der Bäche in Bonn. 47 Bäche gibt es, die sich in vier Hauptsysteme aufgliedern – addiert man die Länge aller Bonner Bäche, so käme man auf eine Länge von rund 105 Kilometern. Davon seien 23 Kilometer verrohrt, berichtet Gerz, 82 Kilometer liegen offen.

Zum Vergleich: Der Rhein hat in Bonn eine Länge von 17,8 Kilometern. Die Starkregensaison läuft von Mai bis September, weshalb vom Tiefbauamt der Stadt wöchentlich die Bäche kontrolliert werden, außerdem hilft das Alarmpegelsystem den Fachleuten bei der Beurteilung der Lage.

Der Godesberger Bach entspringt in Wachtberg-Fritzdorf und hat eine Länge von 15,8 Kilometern. Auf Bonner Gebiet erstreckt er sich über 6,2 Kilometer, im Bad Godesberger Innenstadtgebiet ist er über eine Länge von 910 Metern verrohrt.

Julia Gerz appellierte an die Teilnehmer, sich bei Unwetterwarnungen auf etwaige Starkregenereignisse vorzubereiten. Eine adressengenaue Analyse bietet beispielsweise die Internetseite www.bonn-unter.de, die die Stadt Bonn gemeinsam mit dem Hochwasserkompetenzzentrum entwickelt hat. Broschüren mit Hinweisen und Tipps gibt es auch unter den Links www.bonn.de/starkregen oder www.bonn.de/Hochwasser. Bei dem Rundgang zeigte sie auch das Hochwasserschutzsystem der Fronhofer Galeria, das sich in dieser Größe aber wahrscheinlich kaum ein Hauseigentümer leisten kann.