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Jubiläum der „Sorgentöter“: Kegeln gegen die alltäglichen Sorgen

Jubiläum der „Sorgentöter“ : Kegeln gegen die alltäglichen Sorgen

Alle Sorgen wollten sie hinter sich lassen. Daher gründeten im Jahr 1950 13 Polizeibeamte aus Bad Godesberg den Kegelclub „Sorgentöter“. Heute, nach mehr als 65 Jahren, gibt es die „Sorgentöter“ immer noch.

Jeden zweiten Donnerstag beginnen die neun Mitglieder unter dem Motto „Gut Holz!“ auf der Kegelbahn in der Stadthalle eine neue Runde. Mittlerweile besteht der Club noch aus vier ehemaligen Polizeibeamten. Einer von ihnen ist Jakob Jonen, der heute mit 91 Jahren das älteste Mitglied ist. Bei der Gründung war er der Jüngste und wurde als solcher etwas unfreiwillig vom Chef zum Kassierer bestimmt: „Das mit dem Wählen kannte man da noch nicht so.“ Trotzdem ist er gerne dabei geblieben, um gemeinsam die Probleme des Alltags zu vergessen.

Besonders wichtig ist den „Sorgentötern“ neben dem geselligen Beisammensein vor allem die Ehrlichkeit untereinander. „Ich sage immer: Draußen darf alles gedacht werden, aber hier darf alles gesagt werden. Wenn man etwas auf dem Herzen hat, kann man es hier an den Mann bringen“, sagt der Vorsitzende Jonen. So tauschen die Mitglieder auch bei jedem Treffen, bevor das Kegeln beginnen kann, ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus.

Seit ihrer Gründung haben die „Sorgentöter“ schon einiges mitgemacht und viele alte Mitglieder verloren. Trotzdem hatte der Club in all den Jahren nie Nachwuchssorgen. Sowohl über die Arbeit bei der Polizei als auch über Zeitungsanzeigen fanden sich immer wieder neue Mitglieder. Und das, obwohl das Kegeln nicht mehr so beliebt ist, wie es einmal war. „Heute wird das hauptsächlich als Sport für alte Männer gesehen. Junge Leute gehen eher bowlen. Deshalb ist die Existenz eines so alten Kegelclubs auch selten“, sagt Jonen.

In dieser Hinsicht sind die „Sorgentöter“ eben eine Ausnahme. „Das ist für mich einfach eine ganz wichtige Gruppe. Hier sind alle nett und ehrlich“, erzählt Dieter Naumann, der seit fast 20 Jahren dabei ist. „Meine Frau plant für mich immer schon den Donnerstag ein, weil sie weiß, dass ich da kegeln gehe.“ Ausreden für die regelmäßigen Treffen gibt es bei ihnen nicht, und gefehlt wird nur bei Krankheit. „Einige Mitglieder versuchen seit Jahren, den Club zu verlassen. Aber das geht leider nicht, weil es immer noch kein Kündigungsformular gibt“, scherzt Jonen.