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Denkmalschutz in Bad Godesberg: Kindergarten in Plittersdorf: Zeichen stehen auf Abriss

Denkmalschutz in Bad Godesberg : Kindergarten in Plittersdorf: Zeichen stehen auf Abriss

Politiker und Denkmalschützer diskutieren über die Zukunft der Amerikanischen Siedlung und der Stadthalle. Der Kindergarten in Plittersdorf ist offensichtlich nicht mehr zu retten.

„Im Augenblick sieht es so aus, dass wir einen viergruppigen Kindergarten bauen würden, der stark an das bisherige Gebäude angelehnt ist“, berichtete Vebowag-Vorstand Michael Kleine-Hartlage am Donnerstagabend im Unterausschuss für Denkmalschutz. Das Gremium tagte nach einer Besichtigung des Kleinen Theaters im Trinkpavillon an der Stadthalle. Dort stellt Marc Dittmann, technischer Leiter bei der Wohnungsbaugesellschaft Vebowag, zwei von ursprünglich vier Neubauvarianten für den Kindergarten in der Amerikanischen Siedlung vor. Der denkmalgeschützte Altbau, der seit mehreren Jahren leersteht, müsste dafür abgerissen werden.

Eine realisierbare Möglichkeit wäre der „Fliegende Teppich“, ein Gebäude für fünf Gruppen mit moderner Dachkonstruktion und Sichtachsen zur Parkanlage. Als Favorit des Ausschusses kristallisierte sich schnell der zweite Entwurf heraus, der den Grundriss des alten Gebäudes aufnimmt, ebenso Fassaden und Fensterelemente, Pergola und offenen Kamin. „Der moderne Ansatz ist aus meiner Sicht zu groß für das Gelände“, sagte Stadtkonservatorin Katrin Bisping.

Für den Ausschuss galt es vor allem abzuwägen, ob das Denkmal so weiter nutzbar wäre. Dittmann zeigte den umfangreichen Sanierungsbedarf auf. Bodenplatte und Wände des Gebäudes sind ungedämmt, die Rohre und Leitungen aus den 1950er Jahren.

Erhaltung der Originalsubstanz nicht gewährleistet

Der Umbau zu einem Kindergarten im heutigen Standard hätte zur Folge, „dass wir sehr viel Substanz verlieren“, so Dittmann. „Wir sind mit dem Landesamt für Denkmalpflege an den Punkt gelangt, dass das Gebäude eigentlich keine Zukunft hat“, sagte Bisping. Sie werde wahrscheinlich im Abwägungsprozess einem Abriss zustimmen. Auch der Ausschuss sah es schließlich bei Erhaltung der Originalsubstanz nicht gewährleistet, das Gebäude weiter als Kindergarten zu nutzen.

Für die Bad Godesberger Stadthalle forderte das Gremium einen „Denkmalpflegerischen Bindungsplan“, wie er bereits für das Frankenbad erstellt wurde. Dieser gibt den Rahmen für eine Sanierung vor. „Wir sollten die Planungen so fertig haben, dass mit Ende des Pachtvertrags die Bauarbeiter einziehen“, sagte Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn). Monika Heinzel (Grüne) plädierte dafür, vor der Sanierungsplanung das für Sommer angekündigte städtische Hallenkonzept abzuwarten.

Fraktionskollegin Roswitha Sachsse-Schadt ärgert, dass die Stadthalle „wie Verfügungsmasse“ behandelt wird. Zurzeit prüft die Verwaltung im Auftrag des Rates einen Opernneubau anstelle der Stadthalle. „Es ist ein unbedingt zu erhaltendes und zu nutzendes Denkmal“, sagte Martin Bredenbeck, Kunsthistoriker und sachkundiger Bürger im Ausschuss. Schließlich einigten sich die Mitglieder, das Denkmal genau erfassen zu lassen, weil das ohnehin Grundlage für alle weiteren Schritte ist.